Wann und wie löse ich mich vom Netz (Drop und Fake Block)?

Folgende Situationen kennt vermutlich jeder von euch: Das Zuspiel eures Gegners ist etwas vom Netz entfernt. Ihr entscheidet euch trotzdem zu blocken und der gegnerische Angreifer punktet durch einen gezielten Shot."Hätte ich mich doch mal gelöst...", denkt ihr da sicher.

Beim nächsten Mal löst ihr euch vom Netz und noch bevor ihr zum Stehen kommt, fliegt euch der Ball um die Ohren. Wie man es macht, macht man es falsch? Nein, oder nicht immer! In diesem Profitipp erklärt euch Beach-Academy-Coach Björn Thönes, wann und wie ihr euch vom Netz löst und wie ihr diese Bewegung und das Entscheidungsverhalten trainieren könnt.

Erstmal müssen wir uns darauf einigen, dass man nicht jeden Ball des Gegners abwehren kann. Ich kann eine noch so gute Taktik gegen den Gegner auffahren - wenn er im richtigen Moment den richtigen Ball spielt, hat er sich den Punkt verdient. Also versuchen wir durch unsere Feldaufteilung in erster Linie dem Gegner so wenige Optionen wie möglich zu bieten. 

 

Wann löse ich mich vom Netz?

Als Blockspieler solltest du zunächst einmal einschätzen, welche Optionen dein Angreifer hat. Diese Optionen hängen u.a. von folgenden Parametern ab:

- Zu welchen Schlägen ist mein Gegner überhaupt in der Lage? Kann er hart (auch Linie) angreifen?

- Wie ist das Zuspiel meines Gegners? Ist es dicht oder vom Netz entfernt?

Stehe ich also einem Angreifer gegenüber, der entweder technisch oder körperlich kaum in der Lage ist einen harten Ball von oben nach unten anzugreifen, macht es für mich wenig Sinn zu blocken, sofern der Ball nicht auf die Netzkante gespielt wird. Ebenso sollte eine Entscheidung gegen den Block ausfallen, wenn das Zuspiel soweit vom Netz entfernt ist, dass mit keinem harten Schlag mehr zu rechnen ist.

Darüber hinaus muss ich mir immer die Fragen stellen:

- Bin ich (technisch und körperlich) dazu in der Lage, einen festen Angriff zu blocken?

- Bin ich dazu in der Lage, einen Shot abzublocken?

Denn abgesehen von den Fertigkeiten meines Gegners sollte ich mir auch immer meiner Qualitäten bewusst sein. Fehlt mir die Handlungshöhe um einen "normal gut" zugespielten Ball zu blocken, bin ich wahrscheinlich in der Abwehr effektiver und sollte mich vom Block lösen. Genauso gibt es aber auch eine Reihe guter Blockspieler, die es sich sehr schwer tun, sich schnell und effektiv vom Netz zu lösen. Hier kann die Entscheidung dann im Zweifel ruhig häufiger zugunsten eines Blocks ausfallen.

 

Die Ausgangsposition

Ich sollte mich also schon vor dem Spiel und vor jedem Ballwechsel mit den Wahrscheinlichkeiten beschäftigen. Dazu gehört auch eine optimale Ausgangsposition den Blockspielers zu finden.

Zunächst mal sollte man als Team immer  - unabhängig vom Gegner – in einer neutralen Ausgangsposition starten. Das bedeutet: ein Spieler ist vorne in der Mitte, der andere (Abwehr-)Spieler hinten in der Mitte.

Kann ich nun mit einem festen Schlag des Gegners rechnen, positioniere ich mich schon blockbereit vor dem Angreifer und direkt am Netz, so dass ich mich nur noch seitlich in die richtige Position bewegen muss.

Bin ich in Erwartung mich vom Netz lösen zu müssen, positioniere ich mich dem Angreifer gegenüber in einer offenen Blockposition, das heißt mein Körper ist im 90° Winkel zur Feldmitte hin geöffnet.

Kann ich einen harten Angriff des Gegners ausschließen, positioniere ich mich ebenfalls in der geöffneten Position aber netzfern, ca. 2m vom Netz entfernt, um schneller nach hinten auf meine Abwehrposition zu kommen. Trotzdem sollte ich immer – gerade im Hobbybereich – vorne starten, um eventuell direkt herüber gespielte Zuspiele abwehren zu können!

 

Wohin löse ich mich?

Ich habe grundsätzlich immer zwei Möglichkeiten, mich vom Netz zurück zu ziehen: gerade "Linie" zurück oder diagonal auf die andere Seite. Daher muss ich mich hier mit meinem Partner absprechen.

Zunächst sollten wir aber zwei taktische Varianten des sich Lösens unterscheiden:

1. Ich löse mich auf Grund des Zuspiel meines Gegners, weil ich keinen festen Schlag erwarten kann (Drop, z.T. auch als Fake Block bezeichnet).

2. Ich täusche einen Blockversuch vor (Fake) und löse mich dann sehr spät.

Der erste Fall ist sicherlich der häufigste. Ich warte immer das Zuspiel meines Gegners ab und fälle kurz danach die Entscheidung. Achtung: Eine schlechte Annahme ist noch kein sicheres Zeichen für ein schlechtes Zuspiel! Da ich mich in dieser Situation sehr früh vom Netz lösen kann, sollte ich immer den leichteren, da kürzeren Weg nehmen und mich die Linie herunter vom Netz lösen.

Mein Abwehrspieler sollte im Moment meiner Entscheidung in der Mitte des hinteren Feldes stehen, so dass er auf meine Aktion reagieren und sich auf der anderen (diagonalen) Seite positionieren kann. Die Blockvorgabe, die ich mit meinem Partner abgesprochen habe, ist in dieser Situation also unerheblich.

Anders sieht es beim tatsächlichen Fake-Block aus: Hier warte ich noch den Anlauf des gegnerischen Angreifers ab und löse mich so spät wie möglich in der Hoffnung, dass er mit einem Block rechnet und einen Shot ansetzt. Da ich mich in dieser Situation so spät löse, dass mein Partner sich schon auf die durch unsere Blocktaktik vorgegebene Abwehrseite bewegt hat, muss ich mich auch auf die von mir angegebene Seite lösen. Spiele ich also Blocktaktik 1, löse ich mich die Linie zurück. Spiele ich Blocktaktik 2, löse ich mich in die Diagonale – in der Regel auf den Cut – zurück.

 

Wie trainiere ich das?

Die Bewegung vom Netz zurück kann ich sehr leicht isoliert zu zweit mit meinem Partner trainieren. Wichtig dabei ist, dass man sich vorwärts laufend vom Netz löst, dabei aber den Gegenspieler nicht aus den Augen verliert. Sprich man dreht die Hüfte, Knie und Füße in Laufrichtung – die Fußspitzen zeigen zur Grundlinie-, während der Oberkörper zum Netz gedreht ist.

Übung: Dein Partner stellt sich auf einen Kasten bzw. eine Bank, gibt dir ein Signal zum Lösen und greift den Ball über das Netz gegen dich an. Dabei sollte er darauf achten, dass die Bälle realistisch und spielnah geschlagen sind und du so viel Zeit wie im Spiel hast, um dich zu lösen.

Mit dieser Übung trainierst du die Bewegung und deine Abwehrstärke. Schwerer ist allerdings zu trainieren, die richtige Entscheidung zu treffen: Löse ich mich und wenn ja, wann? Diese Entscheidungsfindung zu trainieren gelingt am besten in komplexen, spielnahen Situationen oder direkt im Spiel.

Als vorbereitende Übung ist es immer gut, einige Wiederholungen als Blockspieler gegen einen Angreifer zu üben, der  - eventuell nach Vorgabe – mal einen dichten, mal einen netzfernen Ball zugespielt bekommt.

Als spielnahe Übungen sind Side-Out-Spiele sehr gut geeignet, bei denen ein Spieler einen Satz über immer angespielt wird. So hat man als Blockspieler viele vergleichbare Situationen hintereinander und kann schnell Muster beim Gegner erkennen.

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