Beach-Volleyball-Kurs für Turnierspieler - Lektion 3


Wie greife ich erfolgreicher an? Welcher Angriffsschlag ist der richtige und wohin soll ich schlagen? Jeder Angreifer möchte den Ball erfolgreich im gegnerischen Feld platzieren und eigentlich ist das Feld auch viel zu groß für die beiden Gegenspieler... Aber so leicht ist es dann doch wieder nicht.


Die Grundlage eines erfolgreichen Angriffs


Der richtige Anlauf und die gute Angriffs-Position sind Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Angriff. Das hast du schon in unserer vorherigen Lektion erfahren und sicher in den letzten Tagen trainiert.

Anlauf, Ausholbewegung und Absprung sollten immer gleich aussehen, egal ob du einen harten Schlag oder einen Shot spielen möchtest. Dadurch hältst du dir alle Angriffsoptionen offen und verrätst dem Gegner nicht, welchen Schlag du machen wirst.



Wahrnehmung


Je besser du die gegnerische Abwehr wahrnimmst und die Lücken in der Abwehr erkennst, umso erfolgreicher wird dein Angriff sein.

Du hast zwei Möglichkeiten zu erkennen, was um dich herum passiert:



Ablauf des Topspin-Sprungaufschlags

© beach-volleyball.de



Peripheres Sehen

Beim peripheren Sehen erkennst du an deinem Blickfeldrand, was um dich herum geschieht. Du schaust somit beispielsweise nicht direkt zum Blocker, sondern Richtung Ball, nimmst die Hände des Blockspielers aber am Blickfeldrand wahr. Dies geschieht nach dem Absprung und direkt vor dem Angriff. Um den Block- oder Abwehrspieler peripher wahrnehmen zu können ist es wichtig, den Ball vor sich zu haben.
Wenn der Block- oder der Abwehrspieler in Bewegung sind, wirst du es am Blickfeldrand sehen.





Blicksprung

Vom Blicksprung spricht man, wenn der Angreifer vor dem Schlag kurz zum Gegner schaut und dabei für einen kurzen Moment den Ball aus den Augen lässt. Dies ist ein aktiver Vorgang, der gezielt unmittelbar vor dem Absprung oder sogar in der Luft stattfindet.
Ein solider Spielaufbau und eine optimale Position zum Ball sind die Grundvoraussetzungen für den Blicksprung.



Calling


Mit dem richtigen Call unterstützt der Zuspieler seinen Angreifer. Der Ruf bezieht sich in der Regel auf die Position des Abwehrspielers - es sei denn, der Blocker löst sich.



Ablauf des Topspin-Sprungaufschlags

Wann soll gerufen werden

Der Zuspieler ruft erst, wenn sich etwas an der erwarteten Abwehrkonstellation ändert und/oder sich dadurch eine deutliche Lücke bzw. Schwäche in der Abwehr auftut.
Das bedeutet für das Spiel gegen Gegner, die mit Block und Blocklösen spielen, dass ihr ruft, wenn:

sich der Blocker löst

der Abwehrspieler deutlich eine Lücke freigibt
Vorsicht: nicht auf Antäuschen reinfallen.

Wenn das nicht frühzeitig passiert, ruft der Zuspieler nichts.




Was soll gerufen werden

Sprecht im Vorfeld genau ab, was ihr rufen wollt. Einige Spieler kommen mit „rechts“ oder „links“ gut klar, die anderen mit „Line“ oder „Cross“.

Der wichtigste Ruf ist „Ohne“, wenn der Blockspieler sich löst.

Last but not least: Auch der beste Call ist und bleibt eine Unterstützung, keine Vorgabe. Du als Angreifer entscheidest, welchen Ball du spielst. Aber: Nur der Erfolg gibt dir Recht :)




Angriffsstrategie


Sei variabel im Angriff, damit du nicht berechenbar bist. Du wirst erfolgreicher im Angriff sein, wenn du mehrere Angriffsvarianten beherrschst und situativ einsetzen kannst.
Wir wollen uns heute auf zwei Situationen konzentrieren: Zum einen auf den Fall, dass der Gegner sich vom Block zurückzieht, und zum zweiten auf den Angriff von netzentfernen Bällen.





Ablauf des Topspin-Sprungaufschlags

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Angriff bei Drop-Block

„Ohne!" Wenn man diesen Ruf des Mitspielers hört, dann ist klar: Der Blockspieler löst sich vom Netz. Gut zu wissen, doch wie bringe ich den Ball am besten im Feld unter, wenn beide Spieler hinten verteidigen? Zieht sich der gegnerische Blockspieler zurück, gibt es einige Möglichkeiten, um verlässlich zu punkten

1. Lange Schläge nah an die Seitenlinie, zwischen den sich zurückziehenden Abwehrspieler und die Linie

2. Ein Schlag auf die lange Mitte. Die Betonung liegt da aber wirklich auf lang! Du solltest versuchen, den Ball bis kurz vor die Grundlinie zu spielen. Alle Bälle, die im sechs Meter Bereich landen, kann der Gegner locker aufbauen

3. Kurz abgelegte Bälle in Richtung des sich lösenden Spielers; vor allem, wenn du als Angreifer erkennst, dass der Abwehrspieler sich zu weit nach hinten gelöst hat. Spiele den Ball als Poke und nicht als Schlag, da ein kurzer Schlag von der Länge her viel schwerer zu dosieren ist. Zu oft wird er doch zu lang und ihr macht es dem Abwehrspieler zu leicht. Noch häufiger bleibt der Schlag an der Hand "kleben" und endet im Netz

4. Ein langer Poke über den Spieler, der sich gelöst hat, auf die Linie. Diesen Ball könnt ihr übrigens noch erfolgreicher spielen, wenn ihr ein flaches Zuspiel von eurem Partner fordert. Damit bleibt dem Gegenspieler wenig Zeit, sich vom Netz zurück zu ziehen

5. Ein Cut, der an die Seitenlinie gespielt wird, ist für den Abwehrspieler, der nach außen laufen und den Ball wieder zurück in Feld spielen muss, immer ein schwieriger Ball. Dabei ist es wichtiger, den Ball an die Seitenlinie zu spielen, als ihn unbedingt drei Zentimeter hinter dem Netz platzieren zu wollen. Der sehr kurz hinters Netz gespielte Cut ist selbstverständlich ein super Ball, wenn er klappt, aber leider ist die Fehlerquote einfach zu hoch



Angriff bei netzfernen Bällen

Netzfern zugespielte Bälle kennt jeder und doch kommen sie häufiger vor als man es sich wünscht.Wichtig ist, dass du deinen Anlauf anpasst, um trotzdem gut hinter dem Ball zu sein. Das hast du in Lektion zwei schon trainiert.

1. Lange Angriffsschläge, die den Gegner unter Druck setzen und nach hinten drängen, aber nicht zwangsläufig zum direkten Punktgewinn führen müssen. Idealer Weise spielt man dabei den schwächeren Angreifer des Gegners oder den sich noch in Bewegung befindenden Drop-Blocker an

2. Mit entsprechender Höhe beim Sprung hat man sicher auch noch die Möglichkeit, einen gezielten und harten Schlag im Feld zu platzieren. Dafür ist es aber unerlässlich, hinter dem Ball zu bleiben und dadurch die Gegenspieler beobachten zu können, um freie Stellen im Feld zu erkennen

3. Sofern die Möglichkeit besteht, können über etwas längere Distanz gespielte Cuts eine Lösung der Situation sein. Allerdings sind sie technisch anspruchsvoll und damit fehleranfällig





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Übung 1: Wahrnehmung

Zwei Spieler stehen sich im Abstand von ca. fünf Metern gegenüber. Ein Spieler wirft sich den Ball selbst an und schlägt ihn zum Partner. Während des Anwurfs und kurz vor dem Schlag zeigt der andere Spieler mit einer Hand über Kopf Zahlen an (2 Finger, 5 Finger etc.). Der Angreifer muss die Zahl erkennen und rufen.

Variante: : Der Spieler zeigt nicht mehr über dem Kopf an einer Stelle die Zahlen an, sondern wechselt die Hand oder ihre Position, sprich hält die Hand nach rechts oder links



Übung 2: Wahrnehmung - Angriff gegen Abwehr ohne Block

Ein Team ist im Sideout, ein dritter Spieler in der Abwehr. Der Abwehrspieler spielt den Ball locker ein, es erfolgt der Angriffsaufbau und der Angreifer versucht mit einem Poke den Punkt gegen den Abwehrspieler zu machen.
Es werden 10 Angriffe je Spieler gespielt. Nach den zehn gespielten Punkten rotiert jeder eine Position weiter, wodurch am Ende jeder jede Position ausgeübt hat. So entstehen insgesamt drei Durchgänge. Wer am meisten Punkte im Angriff macht, gewinnt.

Der Angreifer bekommt:
2 Punkte, wenn der Abwehrspieler den Ball nicht berühren kann,
1 Punkt, wenn der Abwehrspieler den Ball noch berührt,
0 Punkte, wenn der Abwehrspieler denn Ball sauber abwehren kann.
1 Punkt bei einem Eigenfehler.

Natürlich ist das Ziel dieser Übung, dass du den Abwehrspieler erkennen kannst und deinen Ball platziert im Feld unterbringst.



Übung 3: Calling

Um dieses Entscheidungsverhalten des Angreifers und die Umsetzung von Calls zu trainieren, bietet sich folgende Übung an, die ihr z.B. auch in euer Aufwärmprogramm integrieren könnt. Ihr schlagt euch wie gewohnt direkt, indirekt oder aus "Dankebällen" ein, der Angreifer hat jedoch die Aufgabe, einen bestimmten Angriff (z.B. hart diagonal oder - etwas schwieriger- immer hart am variierenden Block vorbei) zu schlagen, wenn kein Call erfolgt. Erfolgt ein Zuruf durch den Zuspieler, soll er diesen umsetzen.

Variante: Sitzt die Umsetzung, dann lässt sich die Übung beliebig ausbauen und spielnah gestalten, indem der Abwehrspieler drüben verschiedene Szenarien durchspielt und dem Angreifer auch Freiräume bzw. dem "Zuspieler" Gelegenheit zum Rufen bietet.

Beispiel: Jeder Angreifer spielt vier Bälle aus einer "Dankeball-Situation". Der Abwehrspieler läuft bei zwei Bällen ein wenig zu früh oder positioniert sich so deutlich, dass er beispielsweise den Cut oder Line Shot frei lässt. Bei den anderen beiden Bällen wartet er extrem lange auf einer zentralen Position, von der aus er taktische Schläge gut erlaufen kann.

Hinweis:Bleibt auch bei der Übung spielnah, sprich löst euch als Blockspieler vom Netz, wenn es angebracht ist, und trainiert diese Situation gleich mit.



Übung 4: Angriff gegen Drop-Block oder Block

Ein Team im Sideout, ein Team in Block/Abwehr. Der Ball wird von dem Abwehrteam locker auf einen festen Spieler eingeschlagen. Der Blockspieler entscheidet, ob er blockt oder nicht. Der Angreifer soll sich zehnmal erfolgreich gegen die Abwehr durchsetzen. Der Ball wird nach der Abwehr und dem Zuspiel abgefangen.



Übung 5: Angriff gegen ein Abwehrteam

Ein fester Spieler im Angriff, mit seinem Zuspieler. Ein Team in Block/Abwehr. Der Angreifer bekommt sechs Aufschläge und muss davon eine bestimmte Quote erfüllen. Zuerst zwei erfolgreiche Bälle von sechs, beim nächsten Durchgang, wenn er die vorherige Quote erfüllt hat, drei erfolgreiche Bälle… Bis zum Versuch, alle sechs Bälle erfolgreich abzuschließen.

Ein neuer Spieler darf zum Angriff, wenn die Quote erfüllt wurde oder, wenn die Quote nicht mehr erfüllt werden kann. Der Ballwechsel wird nicht ausgespielt, sondern nach der Abwehr und dem Zuspiel abgefangen.

Variante: Der Ballwechsel wird ausgespielt und der Spieler erhält sich die Punktchance, wenn das Team mit der Angriffsaufgabe den Ballwechsel gewinnt.



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