Ines Pianka (Sieg bei der DM 2003)

Angriff: Blockfrei den Punkt machen
(von Ines Pianka)

"Ohne!" Wenn man diesen Ruf des Mitspielers hört, dann ist klar: der Blockspieler löst sich vom Netz. Gut zu wissen, doch wie bringe ich den Ball am besten im Feld unter, wenn beide Spieler hinten verteidigen und ich den Ball vielleicht nicht (mehr) knallhart ins Feld schlagen kann?

Insbesondere kleinere und nicht mit Sprungfedern anstelle von Waden ausgestattete Spieler werden diese Situation kennen: Während man selbst zum Angriff anläuft und abspringt, löst sich der Blocker vom Netz und verteidigt zusammen mit seinem Spielpartner das Feld. Und auf einmal wird das Feld sehr klein, insbesondere wenn man aufgrund einer geringen Abschlaghöhe schon zum Shotspiel tendiert.

Drei grundsätzliche Tipps für diese Situation vorab:

1. Die Pässe sollten auch für kleine Spieler dicht ans Netz gespielt werde (so nah, dass der Spieler den Ball gut angreifen kann). Das hat beispielsweise den Vorteil,  dass kurz gespielte Bälle nicht so lang unterwegs, schneller am Boden und somit schwerer abzuwehren sind. Denn wenn der Ball weiter vom Netz startet, fliegt er zum einen natürlich länger zum Netz, zum anderen ist die Flugkurve so flach, dass er auch nicht kurz hinter dem Netz platziert werden kann, ohne ihn unnötig hoch zu spielen.  

2. Auch wenn z.B. ein kurzer Ball geplant ist: Der Angreifer sollte immer voll ausspringen und seine Standard-Ausholbewegung ausführen, wie beim harten Angriffsschlag, um den geplanten Angriff lange zu verbergen.

3. Der sich zurückziehende Spieler ist in der Bewegung, während der hinten lauernde Abwehrspieler ganz ruhig auf seiner Abwehrposition wartet und beobachtet. Dadurch ist der sich lösende Spieler anfälliger und wir haben die Möglichkeit, über ihn den Punkt zu machen. Das heißt aber nicht, dass ein lockerer Schlag in seine Richtung reicht. Es gilt schon, den Spieler zu beobachten und ihn nicht genau anzuspielen.


Nun zu den Angriffs-Varianten, die erfolgversprechend sind bei einem blockfreien Angriff:

Variante 1:
Hatte der Blockspieler ausreichend Zeit und konnte sich auf die optimale Position nach hinten zurückziehen, bietet sich wie oben schon erwähnt ein kurzer Poke, direkt hinters Netz, an. Ich empfehle, den Ball unbedingt als Poke zu spielen und nicht als Schlag, da ein kurzer Schlag von der Länge her viel schwerer zu dosieren ist. Zu oft wird er doch zu lang und ihr macht es dem Abwehrspieler zu  leicht. Noch häufiger bleibt der Schlag an der Hand "kleben" und endet im Netz.

Seit ihrem Karriereende konzentriert sich Ines Pianka voll auf das Training mit Freizeitspielern.

Variante 2:
Eine weitere gute Möglichkeit ist ein langer Poke über den Spieler, der sich gelöst hat, auf die Linie. Diesen Ball könnt ihr übrigens noch erfolgreicher spielen, wenn ihr ein flaches Zuspiel von eurem Partner fordert. Damit bleibt dem Gegenspieler wenig Zeit, sich zurück zu ziehen vom Netz.

Ob Poke kurz oder lang: Hier könnt ihr auch mal bewusst die Abwehr täuschen und zum Beispiel vorgeben, einen kurzen Poke zu spielen, und diesen dann lang über den nach vorne laufenden Spieler spielen. Ihr seht an dem Beispiel aber schon wie wichtig es ist, dass ihr den Spieler beobachtet.  Euer Mitspieler kann euch in der Situation natürlich mit dem richtigen Call unterstützen.

 

 

 

 

Variante 3:
Ein Cut, der an die Seitenlinie gespielt wird, ist für den Abwehrspieler, der nach außen laufen und den Ball wieder zurück in Feld spielen muss, immer ein schwieriger Ball. Dabei ist es wichtiger, den Ball an die Seitenlinie zu spielen,  als ihn unbedingt 3 cm hinter dem Netz platzieren zu wollen. Der sehr kurz hinters Netz gespielte Cut ist selbstverständlich ein super Ball, wenn er klappt, aber leider ist die Fehlerquote einfach zu hoch.

Variante 4:
Ein erfolgversprechender Ball ist auch kurzer Poke oder Schlag/Cut etwas in die Richtung des Abwehrspielers (diagonal). Warum? Der Blockspieler zieht sich Linie lang zurück, der gespielte Ball wird also vom sich lösenden Spieler weg gespielt. Und der zweite Abwehrspieler steht hinten und muss den kurz gespielten Ball, der nicht lange in der Luft ist, erst einmal erreichen. Ein Tipp zur Ausführung: Wenn der Ball als Schlag gespielt wird, sollte der Angreifer seine Hand gut „um den Ball wickeln“, um ihm einen Vorwärtsdrall zu geben. Dadurch wird der Ball kürzer und fällt schneller.

Variante 5:
Ein Schlag auf die lange Mitte bietet immer eine gute Möglichkeit, den Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. Die Betonung liegt da aber wirklich auf lang! Ihr solltet versuchen, den Ball bis kurz vor die Grundlinie zu spielen. Alle Bälle, die im 6 m Bereich landen, kann der Gegner locker aufbauen.

 

Eine Übung von mir zu diesem Thema: 1 gegen 2 im Halbfeld

Ein Team ist im Sideout, ein dritter Spieler in der Abwehr. Der Abwehrspieler spielt den Ball locker ein, es erfolgt der Angriffsaufbau und der Angreifer  versucht, mit einem Poke, der nur im Halbfeld gegenüber landen darf, den Punkt gegen den Abwehrspieler zu machen.

Ihr spielt:
10 Angriffe je Spieler, wer am meisten Punkte im Angriff macht, gewinnt.

Der Angreifer bekommt:
2 Punkte,  wenn der Abwehrspieler den Ball nicht berühren kann,
1 Punkt, wenn der Abwehrspieler den Ball noch berührt,
0  Punkte bei Fehler.

Und nun viel Spaß beim Training!

 

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