Bei wichtigen Bällen greifen Spieler immer auf Bekanntes zurück.

"Es ist nur natürlich, dass man in Drucksituationen sehr häufig einen bestimmten Angriff ausführt. Bei dem einen ist der Cut, bei anderen ein fester Schlag diagonal. Hast du den Lieblingsschlag gefunden, stellst du deine Taktik so um, dass du diesen Ball verteidigen kannst," erklärt Beach-Academy-Coach Nico Erbs.

Stell dir vor, dass der Lieblingsschlag deines Gegners der Cut ist. Dann kannst du dich in der Abwehr schon darauf einstellen (spät Richtung Cut orientieren) oder diesen Ball sogar provozieren (antäuschen: Schritt Richtung Linie). Selbst wenn der Gegner das bemerkt, ist es deutlich schwieriger darauf zu reagieren und einen Angriff zu spielen, den er seltener verwendet. Die Lieblingsschläge zu entlarven, ist relativ leicht. Schwieriger ist es, Muster und Zusammenhänge im Spiel zu erkennen. Zwei Beispiele für solche Muster: Aus der Abwehr gehen viele Spieler auf den direkten Punktgewinn durch einen harten Schlag. Oder nach einer schlechten Annahme und einem Zuspiel aus dem Rücken erfolgt überwiegend ein Lineshot. Diese Muster kannst du analysieren und für die eigene Taktik berücksichtigen.

Infos zu Nicolai Erbs


Beacherfolge

spielt seit 2001 im Sand
vorwiegend auf A- und A-Top Turnieren
er gehörte zum Hessenkader in der Jugend
Ranglistenerster in Hessen, in den Jahren 2010
     und 2011
Hochschulmeister der Sporthochschule Köln und
     TU Darmstadt 2011

Hallenerfolge

spielt seit 2002 Volleyball
ist bis zur 2. Bundesliga aktiv
mit dem TuS Kriftel erreichte er das
     DVV-Achtelfinale 2008

Übungsform

Dieses taktische Verständnis kann man mit einer sehr spielnahen Übungsform trainieren: Ein Team spielt 10 Sideouts. Alle anderen Teams spielen abwechselnd gegen dieses Team. Die Besonderheit: Das Sideout-Team hat jeweils nur zwei Angriffsvarianten, mit denen es punkten kann. Die Punkte werden leise gezählt.

Die Aufgabe der anderen Teams ist es, möglichst schnell diese zwei Angriffsvarianten herauszufinden und eine effektive Taktik dagegen zu entwickeln.

Mögliche Angriffsarten wären z.B.:

- harter Diagonalangriff
- harter Linienangriff
- Cut-Shot
- Line-Shot
- kurzer Poke hinter das Netz
- Rainbow-Shot und alles was euch noch einfällt...


Wenn du in dem Abwehrteam bist, solltest du zwei Abwehrvarianten mit deinem Partner abgesprochen haben, für den Fall, dass z.B eine Option durch eine schwache Annahme unwahrscheinlich wird. Hierbei empfiehlt es sich, kurze Kommandos dafür zu vereinbaren.

Diese Übung kann vereinfacht werden, indem statt der normalen Aufschlägen "Dankebälle" gespielt werden. Sie kann auch erschwert werden, indem jeder einzelne Spieler des Sideout-Teams zwei unterschiedliche Angriffsvarianten auswählen kann. Teams können sich auch überlegen, Muster einzubauen (bei schnellen Annahmen immer einen kurzen Poke).


Scouting oder auch Sandmalen

Den Gegner zu analysieren und gleichzeitig konzentriert Beach-Volleyball zu spielen, ist schwer. Deswegen ist es sinnvoll, schon vor dem eigenen Spiel potenzielle Gegner zu beobachten.

"Schon einfaches Zählen der verschiedenen Angriffsvarianten im Laufe eines Turniers kann den entscheidenden Punkt bringen."

Für die Analyse bieten sich Turniere mit Gruppenspielen an. Hier hast du oft die Gelegenheit, andere Teams zu beobachten. Ein Blatt Papier oder auch der Sand selber reicht dafür aus. Folgende Fragen solltest du dir für jeden Spieler stellen:

- Wo nimmt der Gegner gut an, wo nimmt er schlecht an?
- Welche Zuspiele werden nach welchen Annahmen gespielt?
- Welche Angriffsvarianten werden wie oft gespielt?
- Welche Angriffsvarianten werden in Drucksituationen gespielt, welche bei einem Angriff aus der Abwehr?

Zeichne Linien für die Angriffe ein, um bevorzugte Angriffsrichtungen zu finden. Wenn du unterschiedliche Farben zur Verfügung hast, nimm sie für die Endphase des Satzes.


Beispiel: Olympiafinale

Es ist wahrscheinlich das am häufigsten analysierte Spiel: Das Olympiafinale 2012 zwischen Brasilien und Deutschland. Die Skizze rechts (klicken zur Vergrößerung) zeigt die Angriffsschläge von Emanuel während der drei Sätze. Die schwarzen Striche sind Angriffe nach der Annahme, die roten Striche Angriffe nach der Abwehr. Je gerader ein Strich, desto härter wurde er geschlagen.

Man sieht, dass Emanuel zwei Hauptschlagrichtungen hatte: halbfest Richtung Linie sowie fest und kurz in die Diagonale. Brink/Reckermann kennen ihren Gegner und stellen sich auch beim Matchball darauf ein: Jonas deckte die Linie ab, während Julius in der Diagonalen auf einen festen Schlag wartete. Da die kurze Diagonale durch Julius abgedeckt war, entschied sich Emanuel für einen etwas härteren und längeren Schlag in die Diagonale; der war zu lang und damit ging der Olympiasieg an Jonas und Julius.

Fazit

Auch sehr starke Gegner können mit einer guten Taktik besiegt werden. Wichtig hierbei ist es, den Gegner zu verstehen und die eigene Spielweise anzupassen. Dabei hilft es, Situation in den Sand zu malen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Im Spiel erinnert man sich an das Bild und kann die gemeinsame Taktik schneller umsetzen.



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