Was macht eigentlich ein Mentaltrainer, Herr Wagner?

Interview mit Mentaltrainer Bernhard Wagner

„Beim Mentaltraining ist der Respekt vor der Unbekannten meistens größer als irgendwelche Vorurteile“ - Mentaltrainer Bernhard Wagner weiß aber um seine Fähigkeit, Spielern den richtigen Kniff für die engen Spiele zu geben. Ob bei einem Grand Slam Finale oder in der Freizeitliga, „die Probleme der Spieler sind oft ähnlich.“

Hallo Bernhard. Als Mentaltrainer bist du sicherlich die Rolle des Fragenstellers gewohnt. In unserem Interview sind die Rollen vertauscht, ein komisches Gefühl für dich?

Bernhard Wagner: „Überhaupt nicht. Als Mentaltrainer habe ich ein solch breitgefächertes Aufgabenfeld, dass ich beide Seiten ganz gut ausfüllen kann. Ich werde außerdem auch sehr oft gefragt, was ich denn da überhaupt mache. Für Viele ist das immer noch sehr geheimnisvoll. Erst in der vergangenen Woche war ich als Zaungast beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, weil mich das einfach interessiert hat.“


Hast du dabei für dich neue Erkenntnisse gewonnen?

„Ich wollte herausfinden: Wie gehen die Trainer mit den Spielern um? Ich weiß, dass die Fußballer im Bereich der Trainingslehre sehr weit sind, daher war es für mich ein spannendes Thema, das einmal zu beobachten. Interessant ist übrigens, dass die Erwärmung auch genauso gut vor einem Volleyball-Training hätte stattfinden können. Die hat der Co-Trainer sehr gut angeleitet. Im weiteren Trainingsverlauf allerdings war ich überrascht, dass ich so gut wie keine Korrekturen und kaum Anweisungen erkennen konnte. Aber vielleicht haben sich die Trainer auch bewusst zurückgehalten, weil es vorher eine längere Kabinenansprache gab. Das kann man von außen jedenfalls nicht beurteilen. Aber so was gehört auch zu meinem Interessengebiet.“


Und was antwortest du, wenn die Frage aufkommt, was du als Mentaltrainer eigentlich machst?

„Als Mentaltrainer bin ich dafür zuständig, beispielsweise bei Beach-Volleyball Teams Widerstände zu lösen. Dazu schaue ich mir die Kommunikation unter den Leuten genauer an und versuche herauszufinden, ob es vielleicht Spannungen gibt. Wie reden die Spieler untereinander? Wie gehen sie miteinander um? Dabei kommt es mitunter gar nicht darauf an, wie viel sie reden. Vieles muss untereinander nicht bis zum Äußersten ausdiskutiert werden, es kommt nämlich darauf an, zielgerichtet und genau zu formulieren und meinen Partner anzusprechen.“


Wie spreche ich denn meinen Partner an, wenn er das dritte Mal in Folge in den Block hämmert?

„Da gibt es zwei Dimensionen, in denen das stattfinden kann. Habe ich mit meinem Partner schon eine Gesprächsebene gefunden? Darf ich ihm sagen, dass er schlecht spielt, darf das ausgesprochen werden? Ein berühmtes Beispiel sind die Laciga-Brüder, die einfach nicht miteinander reden konnten. Trotzdem wussten sie, was zu machen ist. Man muss eine Form finden, wie es miteinander geht. Und das geht oft nur mit Hilfe von Außen, sonst stößt man schnell auf Widerstände und der Partner sagt, oder schlimmer noch, er denkt nur: „Lass mich in Ruhe.“ Das muss als erstes durchdacht werden. Darüber hinaus kann ich meinem Partner aber auch helfen, ihn Fragen, ob der Pass in Ordnung oder der Call auch laut genug war. Ich muss mich fragen, wo der Fehler beginnt. Ich muss mir bewusst sein, dass auch ich Teil des Spiels bin und als solcher muss ich schauen, wie ich helfen kann.“

Mit wem würdet du im Beach-Volleyball am liebsten einmal arbeiten?

„Laura Ludwig und Kira Walkenhorst ist ein spannendes Team, mit einem guten Trainerstab. Ich denke, da gibt es riesiges Potential und wäre interessant, gerade weil sie international auch so gute Voraussetzungen mitbringen. Kira kenne ich schon sehr lange und verfolge ihre Entwicklung sehr genau.“


Kira und Laura spielen wie Katrin Holtwick und Ilka Semmler in der Weltspitze mit. Im vergangenen Sommer scheiterten beide allerdings denkbar knapp an einem Grand Slam Sieg, dem noch nie ein deutsches Damenteam gelang. Ist da der Druck vielleicht zu groß?

„Da hätte ich bei den Spielen daneben stehen müssen, um darüber jetzt urteilen zu können. Um aber knappe Situationen für sich zu entscheiden, muss man immer an sich und seine Fähigkeiten glauben, muss felsenfest davon überzeugt sein. Ansonsten kann man nur gewinnen, wenn der Gegner Fehler macht – mit Selbstzweifeln gewinnt man auf diesem Niveau kaum ein Spiel. Oft ist es so, dass wenn man das Ziel knapp vor Augen hat, die Konzentration auf das Wesentliche, also auf das Spiel an sich, verloren geht. Wenn ich denke: „Jetzt könnte ich den ersten Grand Slam Titel holen“, verliere ich die Konzentration und der Gegner macht die Punkte. Natürlich kommt es vor, dass diese Gedanken kommen, die darf man auch nicht unterdrücken. Der Trick ist aber, diese in positive Energie und Spielwitz umzuwandeln.“


Gibt es denn noch Vorurteile gegenüber Mentaltraining?

„Im Volleyball gibt es keine mehr, als ich damals angefangen habe, gab es die schon. Aber wer arbeitet auf der deutschen Tour denn schon mit einem Mentaltrainer? Das ist glaube ich immer noch so etwas wie die große Unbekannte. Viele wissen nicht genau, was da mit einem gemacht wird, wie das funktioniert. Den meisten ist klar, dass wenn sie zum Balltraining gehen, was auf sie zukommt. Beim Mentaltraining ist der Respekt vor der großen Unbekannte meistens größer als irgendwelche Vorurteile.“


Im Rahmen der Beach-Academy hast du auch einen Workshop für Freizeitspieler angeboten. Waren sie nur bei dir, um mal zu sehen, wie das funktioniert oder wollten sie in dem Bereich an sich arbeiten?

„Fast alle kamen mit konkreten Punkten zu mir. Die Spieler müssen auch nur wissen, dass sie was ändern müssen. Wie sie das machen, dafür bin ich dann da. Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Nicht allen hat es auf Anhieb geholfen, dafür ist in einer Stunde Zusammenarbeit nicht genügend Zeit vorhanden. Aber viele haben neue Erkenntnisse gewonnen, die sie versucht haben umzusetzen.“


Ich spiele immer einmal die Woche Beach-Volleyball. Egal wie gut ich drauf bin, ich verliere aber immer gegen meinen Erzfeind, den ich aber unbedingt schlagen möchte. Kann ich da mental überhaupt dran arbeiten?

„Das ist auf jedem Niveau möglich. Das was du geschildert hast, gibt es auf jedem Level. Als ich damals mit dem Team Hikel/Polte zusammengearbeitet habe, haben wir viel erreicht (u.a. Deutscher Meister 2002, Anm. d. Red.). Wir haben aber nie Ahmann/Hager geschlagen. Die Probleme der Spieler sind oft ähnlich, auch die Gedanken die sie haben. Das ganze spielt sich allerdings auf einem anderen technischen Level ab. Damit beschäftige ich mich aber nicht, sondern damit, wie sie es schaffen, die Blockaden im Kopf zu lösen. Solche Sachen besprechen wir in diesem Jahr auch wieder in dem Workshop der Beach-Academy. Das wird in diesem Jahr etwas anders laufen, die Betreuung wird intensiver sein. Ich biete an, ein oder mehrere Teams auch während der Turnierwoche zu betreuen. Im Vorfeld biete ich an, Probleme anzusprechen und zu lösen, ich werde dann die Spiele beobachten und schauen, wie die Teams an sich arbeiten. Das wird dann natürlich ausgewertet und wir schauen gemeinsam, wo sich vielleicht neue Ansätze finden lassen.“


Weitere Infos über die Person Bernhard Wagner, einen kurzen Steckbrief und seine Erfolge als Trainer findet ihr hier.

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