Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Beach-Volleyballer

Auch der Freizeitsport ist stark betroffen

von beach-volleyball.de
am 18. März 2020
um 12:46 Uhr

Flugverbot: Eine niegelnagelneue Beach-Arena wartet im 5-Sterne-Club in Side auf die Teilnehmer und Profis der Beach-Academy.

Natürlich “regiert” der Coronavirus auch den Beach-Volleyball: Längst sind alle internationalen Turniere (vorerst bis Ende April) und mittlerweile auch die Techniker Beach Tour abgesagt, Turniere auf Landesverbandsebene werden folgen – und noch ist nicht absehbar, wann es einen geregelten Spielbetrieb wieder geben wird.

Wie bin ich als Hobbyspieler betroffen?

Selbst jegliches Indoor-Training oder Besuche im Fitness-Studio sind in diesen Tagen zum Erliegen gekommen, die meisten Hallen und Studios wurden entweder von Amts wegen oder vom Betreiber selbst vorübergehend dicht gemacht. Und die alljährliche Karawane von Beach-Volleyballern, die sich regelmäßig von Ende März bis Mitte Mai in Gang gesetzt hat, um sich unter südlicher Sonne auf die Saison vorzubereiten, wurde schon vor dem Start gestoppt – nahezu alle Camps in diesem Frühjahr wurden schon oder werden wohl noch abgesagt. 

All dies hat nicht nur eine sportliche, sondern vor allem auch wirtschaftliche Dimension, und zwar für Veranstalter und Teilnehmer.

 

Ich habe ein Camp gebucht. Bekomme ich mein Geld zurück?

Beim alljährlich größten Event, dem Beachline-Festival in Riccione, zeichnete sich schon früh ab, dass angesichts der dramatischen Umstände in Italien mit einer Absage zu rechnen sei. Bis zuletzt hofften allerdings die gemeinsamen  Partner alpetour-Gruppenreisen, Funtec und beach-volleyball.de noch auf ein „Wunder“, das aber ausblieb, so dass die Absage unumgänglich war. Auch in diesem Jahr wollten allein bis Anfang März über 1700 Teilnehmer an die Adria reisen, um auf fast 250 Spielfeldern zu trainieren und spielen. Alpetour, als der Reiseveranstalter und Vertragspartner der Teilnehmer, wird sowohl den Reisepreis und in Absprache mit Funtec und beach-volleyball.de auch die  Festival-Package-Gebühr und für die über 1200 Trainingsteilnehmer die Campgebühr  in voller Höhe erstatten. Gleichzeitig denken die Verantwortlichen über eine Alternative für den Herbst nach.

beach-volleyball.de, in rund 15 Jahren zum mit Abstand größten europäischen Camp-Anbieter  mit der Trainingsmarke Beach-Academy gewachsen, ist natürlich entsprechend hart betroffen. Ist doch aktuell  davon auszugehen, dass auch alle weiteren Frühjahrscamps (Türkei, Spanien, Griechenland und Bulgarien) nicht stattfinden werden.  Besonders traurig im Hinblick auf die für den 30. März geplante große Einweihung (u.a. mit den Vize-Weltmeistern Thole/Wickler, Olympiasieger-Trainer Jürgen Wagner) der neuen Beach-Arena im Blue Waters Club im türkischen Side.

Doch auch hier sind die Teilnehmer wie bei alpetour auf der sicheren Seite: beach-volleyball.de arbeitet seit fast zehn Jahren eng mit dem Veranstalter schauinsland-reisen zusammen, so dass alle über das beach-volleyball.de-Reisebüro gebuchten Auslandsreisen als Pauschalreisen mit der entsprechenden rechtlichen Absicherung gelten. Beispielsweise wurden die weit über 600 Teilnehmer, die eine der ersten drei Campwochen in der Türkei gebucht hatten, noch am Wochenende – nach der Flugverbotsankündigung der Türkei am Freitagabend - von schauinsland-reisen über die kostenlose Stornierung und Rücküberweisung informiert.  Gleiches gilt bei der Beach-Academy auch für die Camp-Gebühr: beach-volleyball.de hat allen Teilnehmern unmittelbar die volle Rückerstattung oder eine entsprechende Gutschrift ohne jegliche Stornogebühr angeboten. Geschäftsführerin Julia Krumbeck: "Für uns ist die volle Rückerstattung wie die schnelle Information und Transparenz eine Selbstverständlichkeit. Aber gerade deshalb freuen wir uns über das unglaublich positive Feedback und die Solidarität unserer Teilnehmer, die sich wie wir auf das Nachholen der Beachcamps freuen."

 

Was passiert bei kleinen Anbietern?

Sehr viel unsicherer ist offenbar die Lage bei einigen kleineren Campanbietern, die Rückzahlung in voller Höhe ist – nach entsprechenden Informationen an die Teilnehmer -  wohl nicht überall gesichert oder nur nach Insolvenz, wenn ein Reisesicherungsschein ausgestellt wurde. Die meisten bieten an, den gezahlten Betrag für ein späteres Camp "stehen zu lassen". Die (vollständige) Erstattung von Flugkosten bei selbst gebuchtem Flug ist nicht automatisch abgesichert und muss mit der jeweiligen Fluggesellschaft ausgehandelt werden.  

Bleibt also zu hoffen, dass hier nicht viele Beach-Volleyballer auf ihren Kosten sitzen bleiben, zumal manche Camp-Anbieter bei "Höherer Gewalt" mehr oder weniger hohe Stornokosten einbehalten wollen. Da bewegen sie sich allerdings rechtlich auf sehr dünnem Eis, wie nachfolgender Kurzabriß zeigt, um den wir einen „beachenden Rechtsanwalt“ baten, und der – ohne Gewähr, da es immer auf den Einzelfall und die evtl. juristisch zu überprüfende Gültigkeit der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ankommt – gerne wie folgt wieder gegeben wird:

Wird das Camp von den Behörden abgesagt, ist der bezahlte Camp-Beitrag zu erstatten. Aufgrund der mit der Absage regelmäßig einhergehenden Unmöglichkeit, wird auch der Teilnehmer von seiner Pflicht zur Zahlung befreit. Mit der Absage entsteht ein verschuldensunabhängiger Anspruch auf Rücktritt und Rückzahlung des Kartenpreises wegen Unmöglichkeit nach §§ 346 Abs. 1 2. Alt., § 326 Abs. 5, § 275 BGB.

Erbringt ein Vertragspartner seine Vertragspflichten nicht, wird sein Verschulden gemäß § 275 Abs. 4 i.V.m. §§ 280 BGB vermutet. D.h. der Camp-Veranstalter muss sich exkulpieren und darlegen und ggfls. beweisen, dass er den Ausfall nicht verschuldet hat. Andernfalls drohen Schadenersatz und Ansprüche auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen nach §§ 275 Abs. 4, 284 BGB.

Die Exkulpation wird ihm im Falle einer offiziellen Absage ganz klar möglich sein. Da er die behördliche Entscheidung nicht zu vertreten hat, kann er nicht gemäß §§ 275 Abs. 4, 280 Abs. 1, 281 BGB auf Schadenersatz (etwa wegen weiterer Nebenaufwendungen gebuchter Flug; gebuchte Unterkunft) in Anspruch genommen werden.
Im Falle der Absage ist auf jeden Fall die Camp-Gebühr zu erstatten. Ob sich der Veranstalter hierbei schadenersatzpflichtig macht oder zum Ersatz von Aufwendungen, etwa für das gebuchte Hotel, verpflichtet ist, hängt davon ab, ob ihn ein Verschulden an der Absage trifft. Die Frage des Verschuldens ist im jeweiligen Einzelfall zu prüfen.

Ein Verschulden für die Absage trifft den Veranstalter nicht in Fällen „höherer Gewalt“. Wann „höhere Gewalt“ gegeben ist, ist nicht gesetzlich festgelegt. Nach der Rechtsprechung deutscher Gerichte wird sie angenommen bei betriebsfremden, von außen herbeigeführten Ereignissen, die unvorhersehbar und ungewöhnlich sind, und die mit wirtschaftlich erträglichen Mitteln auch durch die äußerste, nach der Sachlage vernünftigerweise zu erwartenden Sorgfalt nicht verhütet oder unschädlich gemacht werden können.

Hiernach fallen unter den Begriff „höhere Gewalt“ bspw. Ereignisse wie Naturkatastrophen, Streiks und terroristische Angriffe. Aber auch Epidemien und Seuchen können als höhere Gewalt angesehen werden. Dies haben z.B. das AG Augsburg (Urteil v. 9. November 2004 – 14 C 4608/03) im Hinblick auf den Ausbruch des SARS-Virus und das AG Homburg (Urteil v. 2. September 1992 – 2 C 1451/92-18) bezüglich eines Ausbruchs von Cholera entschieden.

Nach den allgemeinen Darlegungs- und Beweisregeln muss derjenige, der sich auf das Vorliegen „höherer Gewalt“ beruft, diese – im Zweifel vor Gericht – darlegen und beweisen können. Dies wird ihm vor allem gelingen, wenn es etwa offizielle Erklärungen seitens der Gesundheitsbehörde oder Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gibt.

Es kommt darauf an, ob zum Zeitpunkt des Camptermins eine Reisewarnung aktuell besteht. Derzeit besteht sie für überall.
Ob sich der Veranstalter schadenersatzpflichtig macht, ist – wieder im Einzelfall – zu prüfen. Eher gegen ein Verschulden spricht, wenn das gesamte oder wesentliche Teil des Teams unerwartet an Covid-19 erkrankt oder es kurz vor oder während des Camps unter Quarantäne gestellt wird. Stellt sich allerdings heraus, dass schuldhaft gegen die vom Robert Koch Institut veröffentlichten Empfehlungen verstoßen wurde würde dies wiederum für ein Verschulden des Camp-Veranstalters sprechen. Das ist aber für den Teilnehmer in praxi kaum zu beweisen und läuft daher so gut wie leer.

Fazit: Kosten komplett erstatten, aber kein Schadensersatz

Zusammengefasst kann man - unter Berücksichtigung der aktuellen/tatsächlichen Situation - sagen: Reine Campanbieter müssen die Campgebühr in voller Höhe erstatten (ohne jegliche Stornogebühren etc.); natürlich können die Kunden einer Gutscheinregelung (in mind. voller Höhe) zustimmen. Für die Erstattung der Reisekosten ist der Reiseveranstalter zuständig. Veranstalter, die sowohl Reise, Transfer, Übernachtung oder Verpflegung mit dem Camp  kombinieren, müssen die gezahlten Kosten für das gesamte Paket (ohne jegliche Stornogebühren) erstatten. Theoretisch ist auch hier eine Gutscheinregelung denkbar; das Risiko im Falle einer Insolvenz (ohne Sicherungsschein) für den Teilnehmer allerdings erheblich.

Die gute Nachricht für die Anbieter: Etwaige Regressansprüche (Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude etc.) haben alle in der gegenwärtigen Situation eher nicht zu befürchten.

Wichtiger Hinweis: Manche Veranstalter behalten sich in ihren AGB vor, im Falle Höherer Gewalt von der Leistungspflicht und der Pflicht zur Rückzahlung frei zu sein. Eine solche Klausel ist nach der Rechtsprechung des EuGH unwirksam (EuGH, Urteil v. 26.9.2013, C 509/11).

 

Wie sind es bei Beach-Hallen-Abos aus?

Ähnlich problematisch – wenngleich aufgrund der sehr viel niedrigeren Beträge wirtschaftlich nicht so bedeutend – stellt sich die Situation aktuell für Abo-Inhaber einiger Beach-Hallen und Fitness-Studios dar. Diese sind flächendeckend behördlich geschlossen.


Der Mainstream der rechtlichen Autorenschaft zu diesem Thema (Rechtsprechung gibt es naturgemäß nicht) geht dahin, dass die Verbraucher bei einem Fitnessclub, der nun geschlossen ist, anteilig für die No-Show-Zeit nicht zahlen müssen.

Das gilt auch für Beachhallen-Abonnements. Habt ihr, wie zumeist, das Abo vorentrichtet, solltet ihr euch wegen einer Rückzahlung oder fairerweise wegen eines Gutscheines für die „Zeit danach“ recht zügig an den Hallenbetreiber wenden. Es gilt aber auch hier – unjuristisch – dasselbe wie gegenüber Künstlern und kleinen Bühnen, Veranstaltern kultureller Events: Seht es als allgemeines Schicksal und lasst ihnen die wenigen Euros, um die es angesichts der ausgehenden Hallensaison nur noch gehen kann.

Wir alle müssen befürchten, dass der überschaubare Markt an Beachhallen dann zusammenbricht,  wenn Schließungen länger anhalten müssen, und die Hallenbetreiber unter immer größeren wirtschaftlichen Druck geraten.    


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