Durch den Schneeregen in die mexikanische Frühjahreshitze

Momentan tragen die deutschen Beach-Volleyball-Damen erstmals wieder eine Country Quota aus. Was die Spielerinnen dazu sagen.

21 Grad Temperatur-Unterschied

Am Morgen des ersten Spiels der Country Quota zwischen Victoria Bieneck/Isabel Schneider und Leonie Körtzinger/Sarah Schneider ist es in Hamburg 21 Grad kälter als im etwa 8.000 Kilometer entfernten Cancun. Dort finden ab nächster Woche drei hochkarätige Vier-Sterne-Turniere in Folge statt. Und um die letzten deutschen Startplätze für diese Events wird seit Dienstagmorgen bei regnerischem Hamburger Aprilwetter in der Beachhalle am Bundesstützpunkt gespielt.

Von Dienstag bis Donnerstag wird jeweils entschieden, ob Kim Behrens/Sandra Ittlinger, Bieneck/Schneider oder Körtzinger/Schneider als viertes Duo noch Mexiko fliegen, für jedes Turnier gibt es einen neuen Ausscheid. In der Country Quota für das dritte Event in Mexiko treten Chantal Laboureur und Sarah Schulz statt Behrens/Ittlinger an. Behrens/Ittlinger rutschen dann in das Hauptfeld, weil Laura Ludwig auf eine Teilnahme verzichtet und ihre Partnerin Margareta Kozuch stattdessen mit Cinja Tillmann spielt. Einen Stream wird es nur am Mittwoch geben, die Ergebnisse gibt es hier. Die erste Partie ging mit 2:0 (21:17, 21:12) an Körtzinger/Schneider, die nun am frühen Abend auf Behrens/Ittlinger treffen. Die Siegerinnen qualifizieren sich für das erste Event in Cancun.

Sportliche Fairness über Planungssicherheit

Bei allen Turnieren hat Deutschland schon jeweils drei Teams im Hauptfeld sicher, weil sie in der Weltrangliste weit oben platziert sind. Laut Regularien steht Deutschland aber noch ein vierter Startplatz in der Qualifikation zu, der derzeit in Hamburg ausgespielt wird. War es in den vergangenen Jahren beim Deutschen Volleyball Verband (DVV) noch üblich, die bis zu vier Startplätze an die vom DVV nominierten National- und Perspektivteams zu vergeben, so wurde diese Praxis mit der Country Quota nun von einer alten neuen Lösung ersetzt.

„Wir haben in Deutschland viele gute Teams und Spielerinnen, so dass der CQ die fairste Methode ist die Startplätze zu vergeben“, heißt es in einem Statement von Bieneck/Schneider. Für Cancun gibt es inklusive des Interimsduos Chantal Laboureur/Cinja Tillmann sechs deutsche Teams, die genügend Punkte für das Hauptfeld oder die Qualifikation des Vier-Sterne-Events hätten. Perspektivisch könnte Deutschland mit Svenja Müller/Cinja Tillmann sowie Laboureur und Partnerin sogar sieben Teams auf diesem Niveau stellen. „Natürlich sind diese Spiele eine Zusatzbelastung, gerade zu Corona-Zeiten sind wir über jede Planungssicherheit froh. Es ist aber auch schön zu sehen, dass wir in Deutschland so viele Teams auf internationalem Niveau haben!“, schreiben Bieneck/Schneider.

Plan A bis D in der Hinterhand

Mit Blick auf die 93-prozentige Regenwahrscheinlichkeit in der Hansestadt wird klar, warum sich Bieneck und Schneider tendenziell für eine Country Quota am Ort des Turniers aussprechen: „Aufgrund der Corona-Situation ist es sinnvoll, dass sie in Deutschland ausgetragen wird. Wir denken jedoch, dass es langfristig fair ist, die Spiele auch vor Ort stattfinden zu lassen. Die Bedingungen sind bei jedem Turnier anders“, heißt es weiter.

Leonie Körtzinger sieht die finanziellen und organisatorischen Erleichterungen einer Country Quota in Deutschland: „Drei Turniere am Stück ist natürlich eine besondere Situation, wir müssen jetzt einen Plan A, B, C und D in der Hinterhand haben – je nachdem, wie die Spiele ausgehen. Da sind wir schon sehr froh, dass der DVV entschieden hat, dass die Spiele in Hamburg stattfinden können.“

Das Spiel an sich als Mehrwert

Der Rechtsstreit zwischen dem DVV und dem ehemaligen Team Kim Behrens/Cinja Tillmann rund um die Nominierung zu internationalen Turnieren hat gezeigt, wie kontrovers das Thema von den Beteiligten bewertet und diskutiert wird. Leonie Körtzinger hatte in der Vergangenheit als Perspektivspielerin eher davon profitiert, dass keine Country Quota gespielt wurde. Mit ihrer Partnerin Sarah Schneider hatte sie bei einigen Turnieren ein Startrecht sicher, für die sie sich in Zukunft erst durch den Länderausscheid qualifizieren muss. Dennoch sieht die 24-Jährige positive Aspekte in deren Wiedereinführung: „Genau aus solchen mental schwierigen Spielen können wir viel für unsere Karriere mitnehmen. Wir haben zuhause die Chance auf Wettkämpfe auf höchstem Niveau.“

 

 

Über die Country Quota:

Die Country Quota würde immer dann zum Einsatz kommen, wenn zu viele deutsche Teams für ein Event gemeldet haben. Bei einem World Tour-Turnier der Damen können maximal vier deutsche Teams im Hauptfeld gesetzt sein. Wenn also drei Duos aufgrund ihrer Punkte schon in der Gruppenphase sind und es dann noch zwei oder drei Teams gibt, die genug Punkte für die Qualifikation hätten, würde es zu einem bzw. zwei Spielen in einem Länderausscheid kommen.

Update: Für das dritte Turnier in Mexiko haben noch einmal andere Konstellationen gemeldet. Daher spielt in dieser Country Quota noch einmal ein neues Team, wir haben das ergänzt.

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