„Das Kribbeln ist da“

Von Absage bedroht, schließlich verschoben, nun ganz anders, aber trotzdem besonders: Die Olympischen Sommerspiele stehen vor der Tür. Für die deutschen Beach-Volleyball-Teams hat das Abenteuer Tokio bereits begonnen. Unser Wochenausblick.

Wer spielt wann gegen wen?

"Jetzt, wo es wirklich stattfindet, ist das Kribbeln da, die Freude ist da", sagt Laura Ludwig, kurz bevor sie in den Flieger in Richtung Tokio steigt. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto und letzten Interviews ging es gemeinsam mit der deutschen Beach-Volleyball-Delegation und 78 weiteren Athlet:innen am Sonntag um 18:15 Uhr mit dem Lufthansa-Flug LH716 in die japanische Hauptstadt. Dort erwarten sie 28 bis 33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit – Bilder von Kühlpacks und Wasserspaß sind also garantiert. Die Beach-Volleyball-Teams haben knapp eine Woche Zeit, sich zu akklimatisieren und sich an die Atmosphäre zu gewöhnen, ehe am Samstag die Gruppenphase des olympischen Turniers startet.

Als erstes Team steigen Ludwig und Partnerin Margareta Kozuch in das Turnier ein. Während Ludwig schon 2008 in Peking zum ersten Mal bei Olympia dabei war und nun bereits ihre vierten Sommerspiele erlebt, ist es für Kozuch die lang ersehnte Premiere – die Spiele waren einer der Hauptgründe, warum sie 2017 vom Hallen- zum Beach-Volleyball wechselte. Zur besten deutschen Frühstückszeit spielen sie am Samstagmorgen um 8 Uhr deutscher Zeit gegen die Schweizerinnen Nina Betschart und Tanja Hüberli. Zu einem weiteren Deutschland-Schweiz-Duell kommt es zwei Stunden später, wenn Julia Sude und Karla Borger auf Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré treffen. Julius Thole und Clemens Wickler steigen einen Tag später in das Geschehen ein, um 13 Uhr deutscher Zeit geht es gegen die Italiener Nicolai/Lupo – alle Spiele werden im Livestream übertragen.

Zwischen den Gruppenspielen liegen für die Teams jeweils zwei bis drei Tage Pause, ab dem 1. August steigt die K.o.-Phase. Die Medaillen der Damen werden am 6. August vergeben, die Herren krönen ihren Sieger am 7. August. Wie der Olympiasieger von 2012, Julius Brink die deutschen Gruppengegner:innen einschätzt und welche Teams er vorne sieht, könnt ihr an dieser Stelle nachlesen. Alle TV-Zeiten gibt es hier.

Insgesamt treten 24 Teams pro Geschlecht an – kurzfristige Änderungen nicht ausgeschlossen: Am Montag meldete der Internationale Volleyball-Verband (FIVB), dass der Tscheche Ondřej Perušič positiv auf das Corona-Virus getestet wurde und sich in Isolation begeben musste. Weitere Informationen will der Weltverband schnellstmöglich bekanntgeben.

Szenen-Gespräch

Normalerweise ist das Olympische Dorf die Begegnungsstätte für die Sportler:innen aller Länder. Doch in Tokio erwartet die Olympioniken eine gänzlich andere Atmosphäre: So müssen sie stets mindestens zwei Meter Abstand halten, und das auch beim Essen. Kontakte sollen die Athlet:innen reduzieren, sich weder umarmen noch die Hände schütteln. Auch müssen sie außerhalb ihrer eigenen Zimmer stets Masken tragen. Kontakte zur einheimischen Bevölkerung sind genauso untersagt wie touristische Ausflüge. Erst wenige Tage vor ihrem ersten Wettkampf dürfen sie ins Dorf einziehen, spätestens zwei Tage nach ihrem letzten Einsatz sollen sie wieder abreisen. Die Delegationen mussten sich schon vor der Anreise zwei PCR-Tests unterziehen und waren dazu aufgerufen, ihren Kontaktkreis klein zu halten. Trotz des strengen Hygienekonzepts häufen sich die Corona-Fälle im Dorf. „Wir halten das Risiko minimal, aber es ist unvermeidlich, dass wir einige Fälle haben“, sagte IOC-Olympiadirektor Christophe Dubi den Nachrichtenagenturen.

Die veränderten Bedingungen „machen die Spiele sehr nüchtern. Das wird kein großes Fest des Austausches“, stellte Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und Leiter der deutschen Beach-Volleyball-Delegation, fest. Der Alltag im Dorf biete wenig Abwechslung, die Sorge vor Lagerkoller ist groß. „Es fehlt ein Rückzugsort. Die Trainer und Psychologen haben alle Szenarien mit den Athlet:innen durchgesprochen und versucht, sie so gut wie möglich vorzubereiten“, ergänzt Hildebrand. Vor allem Clemens Wickler und Julius Thole machten sich Gedanken – mehr dazu unter „Zitat der Woche“.

Ungewohnt wird auch die Atmosphäre bei den Wettkämpfen selber, nach der Verlängerung des Corona-Notstands in Tokio sind im Shiokaze Park keine Zuschauer:innen zugelassen. „Das wird eine Geisterstimmung wie ganz am Anfang des Lockdowns, man hört jedes Wort“, so Hildebrand. Für die Teams ist das nach den letzten Monaten nicht mehr komplett ungewohnt, nach den gut gefüllten Tribünen beim Vier-Sterne-Turnier in Gstaad bedeutet es aber eine erneute Umstellung. Laura Ludwig versucht es positiv zu sehen: Es werde "natürlich anders", aber wenn die Sportlerfamilie aus aller Welt zusammenkomme, sei es immer "etwas Besonderes", sagt die 35-Jährige.

Und sonst so?

  • Apropos Laura Ludwig: Die Olympiasiegerin von 2016 stand als Fahnenträgerin für die Eröffnungsfeier der Spiele am Freitag zur Wahl. Das Ergebnis wird am Donnerstag bekanntgegeben.
  • Chantal Laboureur und Sarah Schulz haben beim Zwei-Sterne-Turnier in Rubavu/Ruanda die Silbermedaille geholt. Ebenfalls auf dem Podium landeten Svenja Müller und Sarah Schneider, die den dritten Platz belegten.
  • Eine weitere internationale Medaille: Im belgischen Leuven ziehen Chenoa Christ und Anna Grüne in das Endspiel ein, am Ende wurde es für das junge Duo ebenfalls die Silbermedaille.
  • Nach einer Woche Pause steht am Wochenende das nächste Qualifier-Turnier für die Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand an. Dieses Mal geht es nach Königs Wusterhausen, der Volleyball-Heimat von Dirk Westphal, Jonathan Erdmann und Theo Timmermann. Außerdem am Start: Sandra Ittlinger und Kim Behrens wie auch Victoria Bieneck und Isabel Schneider.

Zitat der Woche

„Wir hätten auch auf dem letzten Platz am Stadtrand von Tokio mit selbstaufgebautem Netz gespielt“ - Clemens Wickler, dem auch die Geisterkulisse die Vorfreude auf die Spiele nicht trüben kann

„Clemens versucht seit drei Wochen, einen TV zu organisieren. Seine größte Angst ist, dass er seine Playstation nicht anschließen kann“ – Julius Thole, gibt sich ebenfalls entspannt

"Es gibt immer wieder Phasen in unserem Spiel wie zuletzt in Gstaad, wo man denkt, jetzt ist der Knoten geplatzt, jetzt haben wir es. Doch dann sind wir wieder zu inkonstant. In Tokio wollen wir beweisen, dass wir unser bestes Beach-Volleyball spielen können. Und da haben wir den ersten Platz von Rom 2019 natürlich mit im Hinterkopf, dass wir es können, wenn wir alles abrufen.“ – Laura Ludwig

 

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