"Den Beach-Volleyball unter Beachtung der Werte unseres Sports fördern"

Für eine offene Diskussion: Paul Becker nimmt Stellung zu Entwicklungen im Beach-Volleyball-Sport in Deutschland. Wir veröffentlichen das Statement auf seinen ausdrücklichen Wunsch.

Bevor ich beginne, möchte ich kurz anmerken, dass Lars Gäbler als Pressereferent des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und Alexander Walkenhorst als Vertreter von Ohne Netz und Sandigen Boden und der New Beach Order diesen Artikel gestern mit der Bitte von mir zugesendet bekommen haben, diesen nicht vorab zu veröffentlichen. Ich wollte den Parteien die Möglichkeit geben, den Artikel vor der Öffentlichkeit zu lesen und eine Stellungnahme vorzubereiten. Auch mein Partner Armin Dollinger wird sich in den nächsten Tagen zur vorliegenden Thematik äußern. Obwohl wir uns inhaltlich einig sind, haben wir uns entschieden, uns unabhängig voneinander und in unseren eigenen Worten an die Öffentlichkeit zu wenden. Die „Sexismus-Debatte“ ist nicht ausschlaggebend für den gewachsenen Konflikt zwischen dem Verband und dem Team rund um Alexander Walkenhorst. Da es um eine grundlegende Stellungnahme zur Entwicklung des Beach-Volleyball-Sports in Deutschland geht, habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, diese nicht in meinem Statement zu kommentieren.

 

Alleine um „Growing the Game“ geht es schon lange nicht mehr!

Aufgrund der Entwicklungen der letzten zwölf Monate habe ich Angst vor einer dauerhaften Spaltung der Beach-Volleyballszene in Deutschland. Zudem glaube ich, dass sich die Sportart in der Zwietracht zwischen dem Verband und der Bewegung rund um Alexander Walkenhorst in der Öffentlichkeit schlecht präsentiert – der Umgang miteinander ist peinlich. Da die (Beachvolleyball-) Medien, der Verband und aktiven Spieler:innen ganzheitlich schweigen, die Situation aber immer weiter eskaliert, möchte ich versuchen, mit diesem Statement einen Anstoß in Richtung einer offenen Diskussion anzuregen.

Ich vertrete weder den Verband noch das Team rund um Alexander Walkenhorst. Ich verstehe diesen Kommentar als einen Appell an den DVV, die ONUSB-Crew, die (Beach-Volleyball-)Medien, die Spielerschaft und alle zugehörigen Akteur:innen in der Sache offen zu diskutieren, Rückgrat zu beweisen, sich kritisch zu hinterfragen und auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen: Den Beach-Volleyballsport in Deutschland unter Beachtung elementarer Umgangsformen und den Werten unseres Sports zu fördern – dies muss nicht bedeuten, dass man in der Praxis gemeinsame Sache macht!

Junge Athleten:innen, die den Mut haben, sich zu äußern, sollten dafür nicht bestraft werden!

Die letzten Wochen haben mich unzählige Anrufe und Nachrichten von Spieler:innen, Verbandsmitgliedern und vielen weiteren Akteur:innen erreicht. Das omnipräsente Thema: Alexander Walkenhorst und seine Anhänger. Interessant dabei war, dass sich zumeist zwei Gesprächsarten entwickelten, die zeigen, wie gespalten die Szene mittlerweile ist: Entweder sprach ich mit einem klassischen „Walkenhorst-Supporter“, der sich über jegliches Vorgehen des Verbandes aufregte, oder es meldete sich jemand, der mich fragte, was man gegen diese populistische Walkenhorst-Bewegung machen könne, um den unermüdlichen Werteverfall in unserer Sportart zu stoppen und den Sport vor Alexander Walkenhorst zu schützen.

Letztere Gespräche fanden deutlich häufiger statt, was sich meiner Meinung nach dadurch erklären lässt, dass ich in der öffentlichen Wahrnehmung eher dem „Verbandslager“ zugeordnet werde. Zudem habe ich mich während der „Road to Timmendorf“ im Sommer 2020 auf der „Content-Couch“ von Alex und Dirk auch schon kritisch gegenüber deren Sprachgebrauch geäußert. Auf der anderen Seite muss erwähnt werden, dass ich zu den Supportern von Trops4 gehöre. Ich habe seit fast einem Jahr ein Abonnement auf Twitch, bei dem ich knapp 5€ im Monat bezahle, um den Grundgedanken „365 Tage Beach-Volleyball“ zu unterstützen. Meine jahrelange Tätigkeit als Spielervertreter des DVV habe ich aufgrund mehrerer Meinungsverschiedenheiten mit Verbandsvertretern des Beach-Volleyball-Ausschusses im Jahr 2018 niedergelegt. Ich nehme für mich in Anspruch, zwischen den Stühlen zu stehen – wo genau, das überlasse ich eurem Urteil.

Zurück zum Thema: Abgesehen von den verhärteten Fronten, die sich durch die Gespräche immer weiter abzeichneten, erschütterten mich vor allem die Antworten von Athlet:innen, die mir sagten, dass sie Angst hätten, die Walkenhorst-Bewegung öffentlich zu kritisieren. In abgeschwächter Form kenne ich dieses Verhalten auch von (Jugend-) Nationalspieler:innen, die ihre eigene Meinung gerne mal für sich behalten, bevor man sich Ärger mit dem Verband einhandelt. Ich frage mich: Ist es wirklich so, dass man nach kritischen Bemerkungen keinen Zugang mehr zu den neuen Turnierformaten bekommt, doofe Scherze in einem Podcast gemacht werden oder man für dumm erklärt wird? Bucht der Verband mich zukünftig nicht mehr für die Moderation des Pokalfinals oder verwehren die Medien mir das Interview, weil ich sie kritisiert habe? Wir werden es sehen!

Ich habe mir vorgenommen, die festgefahrene Situation zwischen dem DVV und der Walkenhorst-Crew aus meinem Blickwinkel zu beleuchten. Die Plattform beach-volleyball.de habe ich gebeten, den Artikel zu veröffentlichen. Ich lasse mich inhaltlich gerne durch gute Argumente vom Gegenteil überzeugen. Ich bin auf die Reaktionen und Konsequenzen gespannt!

Der Deutsche Volleyball-Verband trägt die Verantwortung dafür, dass es mittlerweile ein neues Produkt auf dem Markt gibt

Die Überlegung, eine Winterliga zu spielen und Beachvolleyball zu einer 365-Tage Sportart zu machen, werden seit über 20 Jahren in der Szene diskutiert. Zeit genug hatte man also, um diese Marktlücke zu belegen. Alexander Walkenhorst und seine Crew waren zu Beginn der Corona-Krise schnell, innovativ, modern und mutig – Adjektive, die mir in Bezug auf den Verband wohl eher nicht eingefallen wären. Zusammen mit der Sportstadt Düsseldorf konnte innerhalb kürzester Zeit ein Beach-Event über 4 Wochen auf die Beine gestellt werden - digitale Revolution inklusive! Ein Format, welches interaktiv, jung und extrem nah an den Sportler:innen ist. Sicherlich hat man durch diese Form der Übertragung auch einige Menschen außerhalb der Bubble, wahrscheinlich mehrheitlich aus der Gaming-Branche, mit Beach-Volleyball in Kontakt gebracht. Vor allem haben es Alex, Dirk und CO. geschafft, eine richtige Community um ihr Format aufzubauen – keine leichte Aufgabe in Volleyball-Deutschland! Viele Spieler:innen berichten, dass sie mehr (digitale) Aufmerksamkeit bekommen als auf der deutschen Tour – sie fühlen sich geschmeichelt und anerkannt! Ist dies nicht vielleicht der richtige Zugang zu den Athlet:innen, um dauerhaft nahbaren und authentischen Sport zu produzieren?

Auch außerhalb des eigenen Kanals hinterließ die Walkenhorst-Crew indirekt ihre Spuren – der DVV fühlte sich veranlasst, die Übertragung der Deutschen Meisterschaften 2020 qualitativ aufzustocken. Zudem beeindruckt, in welcher Geschwindigkeit und dauerhaften Qualität die Walkenhorst-Crew im Jahr 2021 schon mehr als 7 Wochen Beachvolleyball produziert hat – teilweise sogar absoluten Spitzensport! Die Tour des Deutschen Volleyball-Verbandes startet im Juni und endet mit den Deutschen Meisterschaften Anfang September.

Eine Meinung hat der Mann: stark, extrem polarisierend, manchmal populistisch

Da Alex selten an derber Kritik gespart hat und auch heute noch gerne austeilt, gehe ich mal davon aus, dass er nicht nur austeilen, sondern auch einstecken kann. Für mich ist Alex, wie viele andere, erfolgreiche Athlet:innen ein „Kind des Verbandes“. Das wundert sicherlich den ein oder anderen, aber Alex hat in vielerlei Hinsicht von der Struktur und der Arbeit des Verbandes profitiert. Das würde er wohl auch nicht verneinen. Er war im Juniorennationalkader, wurde von Bundestrainern ausgebildet, konnte auf der besten nationalen Tour Europas seine ersten professionellen Erfahrungen sammeln und hat jahrelang über den Verband eine Förderung der Bundeswehr bezogen.

Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: Dies war absolut berechtigt! Alex war und ist einer der besten Spieler Deutschlands und versteht deutlich mehr von unserem Sport als die meisten anderen. Durch seine Art hat Alex in der Vergangenheit auf viele Unzulänglichkeiten in unserer Sportart hingewiesen - das ist nichts Verwerfliches, im Gegenteil! Eine Meinung hat der Mann: stark, extrem polarisierend, manchmal populistisch. Es geht an dieser Stelle nicht darum, dass man seine Meinung vertritt, sondern wie!

Eine Stellungnahme zu dem "Thema des Jahres“ hätte ich mir ehrlich gesagt auch einmal von unseren „Beach-Volleyball-Medien“, den Online-Portalen, Zeitschriften und Podcasts gewünscht. Ich frage mich wirklich, wie man so lange an dieser Thematik vorbeischreiben und vorbeireden kann, wenn man einen journalistischen Anspruch hat? Und man fragt sich: Wo war der Verband – gibt es vielleicht mal ein Statement von offizieller Seite? Wo sind unsere Spielervertreter? Hätte man sich in dieser Position nicht längst öffentlich zur Debatte äußern müssen? Ich glaube ehrlich gesagt, dass zumindest die „Alex-Gegner“ gehofft haben, dass Alex sich in der Szene nicht etabliert oder sich durch eine cholerische Aktion selbst eliminiert. Wahrscheinlich gab es auch deshalb wenig öffentliche Kritik. Man hat gehofft, dass es sich verläuft. Einige, vor allem Spieler:innen, haben sich aber auch einfach nicht getraut, das weiß ich aus privaten Gesprächen. Das Spielfeld ist von allen „Alex-Kritiker:innen“ unbespielt geblieben – selbst Schuld! Die „Walkenhorst-Bewegung“ hat es besetzt und hat mittlerweile einen großen Einfluss in der Szene!

Vorbildfunktion Fehlanzeige - der Sprachgebrauch geht unter die Gürtellinie!

Die Art und Weise, mit der sich Alex in der Vergangenheit zu verschiedenen Themen geäußert hat, ist für mich in einigen Fällen untragbar und hochgradig diskriminierend. Ein Beispiel ist sicherlich die Auseinandersetzung mit David Klemperer, dem Geschäftsführer der DVS, den Alex öffentlich u.a. als „verfickten Profilneurotiker“ und „dummes erbärmliches Schwein“ (2.8.2020 und 3.8.2020) bezeichnet hat. Ich weiß, dass Alex die Aussagen gegenüber David zurückgenommen und sich für die „Art und Weise“ der Äußerung entschuldigt hat. Ist dies aus ehrlicher Reue geschehen, aus Anstand oder aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Der Verband hat jedenfalls auf eine Anzeige verzichtet – Alex hat die entsprechenden Aussagen aus der Öffentlichkeit entfernt.

Ich glaube, jeder weiß, dass es sich bei diesem verbalen Ausbruch und der anschließenden Entschuldigung nicht um einen Einzelfall handelt. Ich kann die Menschen, die Alex insgeheim oder sogar in der Öffentlichkeit für diese „direkte Art“ feiern, in keiner Weise verstehen! Das hat nichts mit Ehrlichkeit oder Authentizität zu tun! Zudem kann man sich nicht immer wieder für etwas entschuldigen, das man wiederholt. Was ist eine Entschuldigung dann noch wert? Ich schäme mich, wenn meine Jugendlichen im Training Ausdrucksweisen wie „dummes erbärmliches Schwein“ (vgl. ebd.) benutzen und sich wie selbstverständlich abwertend über andere Menschen äußern. Auch, wenn ich weiß, dass ein Großteil des produzierten Contents ohne diese Ausdrucksweise übertragen wird, wird man daran gemessen – und das zurecht! Gerade, weil es keinen Einzelfall darstellt. Die Aufmerksamkeit und die Reichweite, die sich Alex und Co. durch ihr gutes Produkt aufgebaut haben, bringt auch eine Verantwortung mit sich. Zu dieser Verantwortung gehört, dass man gewisse Grenzen nie überschreitet oder dies spätestens nach einem einmaligen Fehlverhalten unterlässt.

Vielleicht kurz noch ein paar Sätze zu der Auseinandersetzung zwischen David Klemperer und Alexander Walkenhorst. Ich habe keine Ahnung, was genau zwischen Alex und David abgelaufen ist. Ehrlich gesagt ist mir das auch egal! Ich kann nur sagen, dass ich David als ehrlichen und freundlichen Menschen kennengelernt habe. Für den deutschen Beach-Volleyballsport spielt dies jedoch keine Rolle. Es ist egal, ob der Geschäftsführer der DVS nett ist, oder nicht. Lasst uns David, der diesen Job in einer schweren Zeit übernommen hat, nach zwei oder drei Jahren als Geschäftsführer der DVS an seinen Verdiensten für unseren Sport bemessen – negative, sachliche Kritik eingeschlossen!

Von beiden Parteien sollte eine friedliche Koexistenz unter dem Dach des DVV angestrebt werden

Ich weiß nicht, ob allen Beteiligten überhaupt klar ist, dass die New Beach Order und die Deutsche Beach-Volleyball-Tour völlig unterschiedliche Produkte sind. Die Trops4-Crew greift bei ihrem Format beispielsweise auf bereits ausgebildete und professionelle Spieler:innen und Schiedsrichter:innen zurück. Mit der Koordination von Vereinen, Landesverbänden, der Organisation und Finanzierung der Jugendausbildung, der Coach- und Schiedsrichterausbildung hat das neue Streaming Format (noch) nichts zu tun. Die Arbeit an der Basis leistet momentan ausschließlich der Verband – und das nicht nur unerfolgreich! Immerhin schauen wir auf ca. 20 Jahre zurück, in denen in Deutschland die erfolgreichste und beste nationale Tour Europas ausgerichtet wurde. Die Strukturen im Verband ermöglichten es (ohne die Eigenleistung der Athleten:innen schmälern zu wollen), dass in den vergangenen Jahren zwei Goldmedaillen bei olympischen Spielen gewonnen werden konnten.

Ist das Verhalten der Trops4-Crew nun verwerflich? Erst einmal nicht! Die Jungs haben Beach-Volleyball während der Pandemie zurück auf die Bildfläche gebracht. Das Turnierformat verzeichnete viele Erfolge, von denen ich einige bereits aufgeführt habe. Für verschiedene Junior:innen bietet es eine tolle Gelegenheit, sich in einer eigentlich „wettkampflosen Phase“ weiterzuentwickeln und Spielpraxis zu sammeln. Jedoch muss aus meiner Sicht angemerkt werden, dass es keineswegs dem Motto „Growing the Game“ entspricht, wenn man indirekt von der Verbandsarbeit profitiert und diese gleichzeitig auf das schärfste diskreditiert. Diesen Vorwurf muss ich der Crew rund um Alex leider machen. In ihren Statements zum Verband steht die (teilweise nachvollziehbare) negative Kritik in keiner Relation zu den erbrachten Leistungen. Entweder muss die Walkenhorst-Bewegung in Zukunft die ganze Arbeit an der Basis in Eigenregie abdecken, oder sie ist dauerhaft auf den Verband angewiesen. Nicht sehr weitsichtig, wenn man dann so agiert!

Zudem verfügt der DVV letztendlich über alle Rechte eines Fachverbandes, wie z.B. die Nominierungen für internationale Wettbewerbe, die Olympischen Spiele und das Ausspielen einer Deutschen Meisterschaft. Während einer regulären Saison, in der die Spieler:innen auf der deutschen Tour oder der World Tour um wichtige Punkte für z.B. eine DM- oder WM-Qualifikation spielen, wird es für die New Beach Order sicherlich nicht leicht, weiterhin Turnierformate mit einer hohen sportlichen Qualität anzubieten. Ich glaube, dass man darauf angewiesen ist, zukünftig vom Verband bei der Vergabe von Rechten für die Durchführung von Veranstaltungen berücksichtigt zu werden. Dies wäre sicherlich auch im Sinne vieler Spieler:innen, die den Grundgedanken „365-Tage Beach-Volleyball“ unterstützen.

In diesem Zusammenhang muss sich der Verband ehrlich fragen, ob er aus eigener Kraft überhaupt im Stande ist, Beach-Volleyball hausintern populärer zu machen und zu einer Ganzjahressportart weiterzuentwickeln. Ist dies nicht der Fall, sollten der jungen Initiative keine Steine in den Weg gelegt werden! Grundlegend dafür wäre jedoch ein respektvoller und menschenwürdiger Umgang miteinander, ohne öffentliche Anfeindungen und verbale Ausschreitungen. Das Einhalten der „normalen“ Normen und Werte. Gelänge dies über einen längeren Zeitraum, könnte man sich ergänzen – wäre ja zumindest mal eine Überlegung wert!

Ihr habt es geschafft, jetzt komme ich zum Ende. Typen, die nicht den Mainstream verkörpern und vehement ihre Meinung vertreten, sind sehr wichtig für unseren Sport! Alex und seine Crew haben in den letzten Monaten viel erreicht und der Verband hat sich mit einigen, hausgemachten Problemen schwergetan. Jedoch darf man die Leistungen, die der Verband erbracht hat, nicht pauschal und unreflektiert von der Hand weisen. Im konstruktiven und respektvollen Umgang sollte im Ringen um die richtige Sache immer Kritik geübt werden dürfen – ich hoffe, dass ich in diesem Sinn verstanden werde!

Ich appelliere an die Athleten:innen, die Medien und alle Beteiligten, sich in dieser Debatte zu äußern und für die eigenen Werte einzustehen. Ebenso erwarte ich vom DVV, dem Team um Alexander Walkenhorst sowie von der Öffentlichkeit einen offenen, konstruktiven und wertschätzenden Umgang mit aufkommender Kritik. Menschen, vor allem junge Athleten:innen, die den Mut haben, sich zu äußern, sollten dafür nicht bestraft werden! Um eine dauerhafte Spaltung der Beach-Volleyballszene zu vermeiden, müssen sich die Parteien auf ein Ziel verständigen: Den Beach-Volleyballsport in Deutschland unter Beachtung elementarer Umgangsformen und den Werten unseres Sports zu fördern - wahrscheinlich unter dem Dach des DVV. Grundlegend dafür wäre, sich in jeglicher Form von Diskriminierung zu distanzieren, sich dementsprechend auszudrücken und zu verhalten. Sollte dies nicht gelingen, wäre es ein Armutszeugnis für unsere Sportart.

Anmerkung von beach-volleyball.de:

Wir veröffentlichen diese Stellungnahme von Paul Becker (ehemaliger Aktiven-Vertreter und langjähriger Spitzenspieler der nationalen Tour) auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, damit diese Thematik im Zusammenhang mit der aktuellen Wertediskussion im (Beach-)Volleyball eine weitaus größere Zielgruppe erreicht. Bisher betrifft es vornehmlich Spieler:innen aus dem nationalen Tourbereich sowie Interessent:innen, die das Geschehen z.B. auf Twitch verfolgen.

Wir begrüßen jede offene und konstruktive Diskussion und möchten auf diesem Wege das Engagement eines mündigen Athleten würdigen, werden aber generell nicht von unserer Leitlinie abweichen. Eines unserer übergeordneten Ziele als beach-volleyball.de-TEAM ist es, zum Wachstum der Sportart Beach-Volleyball beizutragen, was wir seit zwanzig Jahren auf verschiedenen Wegen umsetzen.

Wie in der Vergangenheit werden wir auch weiterhin darauf verzichten, durch das Konfliktpotential von Themen und die zu erwartenden Interaktionen vor allem in den Social-Media-Kanälen lediglich Aufmerksamkeit generieren zu wollen und damit unter Umständen dem Ansehen bzw. der Sportart zu schaden. Organisationen oder Personen, die in dieser Richtung agieren, bieten wir keine Bühne. Die Kontrollfunktion, die der Journalismus innehat, die kritische Berichterstattung und die unabhängige Arbeit unserer Redakteur:innen darf und wird darunter nicht leiden.

Aus den sozialen Medien