Tobias Rex: “Athleten sind auch nur Menschen, keine Maschinen”

Für Tobias Rex begann das Jahr mit einer Veränderung: Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt von Hamburg nach Stuttgart, um als OSP-Trainer Beach-Volleyball neben Jörg Ahmann zu arbeiten. 

Nicht nur der Trainer, sondern auch der Sportler muss verstehen, was er macht

Tobias Rex ist der neue Mann am Stuttgarter Olympiastützpunkt (OSP). Anfang 2021 übernahm er den Arbeitsplatz von Alexander Prietzel, der in Hamburg, der alten Heimat von Rex, eingesetzt wurde. Den Posten im Schwabenland will er bestmöglich mit Bundestrainer Jörg Ahmann weiterführen und findet lobende Worte für seinen Vorgänger: “Ich trete in große Fußstapfen. Alex hat einen sehr, sehr guten Job gemacht.”

Ähnlich wie für Prietzel kommt es auch für Rex darauf an, den Athleten und Athletinnen Raum zur eigenen Entwicklung zu geben. Im Training setzt er auf Dialog. “Man kann nicht nur fordern, sondern muss auch erklären, warum sie so trainieren”, führt Rex an. Durch Feedback und gemeinsame Evaluation der Einheit sollen sie besser nachvollziehen können, woran sie arbeiten müssen. Bewusstes Training in Kombination mit individueller Ausrichtung nach den Zielen und Präventivmaßnahmen zur Verletzungsminimierung, das ist für ihn der Schlüssel für eine ideale Entwicklung.

Auch ein guter, empathischer Umgang mit den Athleten sei ein unterschätztes Gut. Zu seiner Philosophie gehört, sich Zeit für die Person hinter dem Sport zu nehmen. Probleme, die die Spieler aus der Schule oder dem Studium mit ins Training bringen, sollten laut Rex nicht ignoriert werden. Es ist wichtig, über den Sport hinaus ein offenes Ohr für die Athleten und Athletinnen zu haben.

Als Spieler gestartet, als Trainer erfolgreich

Aus der Leichtathletik kommend profitierte Tobias Rex als Abwehrspieler von seiner Athletik. Zu den Höhenpunkten in seiner Sand-Karriere zählt er die Teilnahme am Renault Beach Cup von 2003 bis 2004, wo er bis ins Hauptfeld vorrückte, sowie Platz zwei bei den Deutschen Mixed-Meisterschaften 2017 mit Anna Behlen.

Erste Erfahrungen als Trainer sammelte Rex 2002 mit der Betreuung einer Damenmannschaft in der Bezirksliga. Als ihn Jana Köhler, die im Folgejahr U18-Weltmeisterin wurde, kontaktierte und im Rahmen des Trainings mit Bernd Schlesinger um Unterstützung bat, stand die Entscheidung schnell fest. “Ich habe bei Bernd Schlesinger in kürzester Zeit mehr gelernt als in jedem Trainerlehrgang und bin ihm sehr dankbar dafür”, sagt Rex.

Der nächste Schritt auf der Karriereleiter gelang ihm als Co-Trainer von Köhler/Schumacher am Bundesstützpunkt Hamburg. Nach der Trennung des Duos 2014 leckte er bei seinem ersten internationalen Turnier in Pattaya (Thailand) mit Schumacher/Seyfferth Blut. Rex schmiss seinen Job als Informatiker und begann ein Sportstudium in Berlin. Parallel wurde er als Landestrainer beim Volleyballverband Berlin tätig. Als Co-Trainer der Damenmannschaft des VCO-Berlin sammelte er neben Martin Frydnes Erfahrung in der 1. Hallen-Bundesliga, bis er 2018 nach Hamburg zurückkehrt. Für zwei Jahre arbeitete er als leitender Landestrainer Beach-Volleyball zusammen mit Imornefe "Morph" Bowes, Helke Claasen sowie Fabian Tobias und versuchte, vom Know-How der Chef-Bundestrainer zu profitieren. Beeindruckt hat ihn dabei vor allem Helke Claasens Umgang mit den Spielerinnen.

Ein turbulentes 2020 und zukünftige Ambitionen

Im vergangenen Jahr trainierte er unter anderem mit Kira Walkenhorst, die Gelegenheit bezeichnet er als “Riesenchance”. Auch wenn die Saison durch die Corona-Pandemie anders verlief als erhofft, spricht der fünfte Platz von Walkenhorst und Anna-Lena Grüne bei den Deutschen Meisterschaften für sich. Langfristig verfolgt Rex das Ziel, die Entwicklung eines Teams über drei bis vier Jahre zu begleiten - möglichst mit einem Höhepunkt wie einem wichtigen internationalen Turnier oder sogar den olympischen Spielen. Die Betreuung eines Athleten oder einer Athletin über viele Jahre hinweg blieb ihm im Nachwuchsbereich bisher verwehrt.

Das könnte sich nun in Stuttgart ändern. Momentan teilen sich Ahmann und Rex die Aufgaben noch auf, weil einige Partnerkonstellationen für die anstehende Saison noch nicht feststehen. Dabei soll der Schwerpunkt von Rex auf das Ball- und Krafttraining der Athleten und Athletinnen liegen, während Ahmann für die Gestaltung und Periodisierung der Trainingspläne zuständig ist. “Rückblickend betrachtet, war es der richtige Schritt meine Karriere als Trainer zu starten. Vorerst alle Stützpunkte in Deutschland kennenzulernen und schlussendlich in Stuttgart zu landen, habe ich so nicht erwartet. Das ist schon mal sehr, sehr viel”, so Rex.

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