Beach-EM 2004 in Timmendorfer Strand - Der Rückblick

 

Deutschlands Nummer 1 olympiareif

Das war schon eine äußerst eindrucksvolle Vorstellung, die Markus Dieckmann und Jonas Reckermann während der EM am Timmendorfer Strand boten. Sicherlich galten sie im Vorfeld, nicht nur aufgrund der Absage der Laciga-Brüder aus der Schweiz, als heißester Anwärter auf den Titel und 17.000,- Euro Preisgeld, doch eine so souveräne Leistung bis hin zum großen Finale konnte man nicht unbedingt erwarten. Schließlich galt es auf diesem Weg Teams, wie die Schweizer Heuscher/Kobel, die in der Weltrangliste noch vor den beiden Deutschen geführt werden, oder Egger/Heyer, die ebenfalls zu den Topten-Teams der Welt zählen, auszuschalten.

Bezeichnend für das hohe Niveau auf nationaler Ebene, war allerdings wieder einmal das Bruderduell, was mittlerweile schon zur Tradition wird. Das Los wollte es so, dass sich Jonas und Markus bereits im Gruppenspiel, den amtierenden deutschen Meistern Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug gegenüber sahen. Ein Spiel was gerade in Timmendorf, wo sich beide Teams im DM Finale 2003 gegenüberstanden, seinen besonderen Reiz hatte. Leider entschied sich die Wettkampfleitung dafür, dieses Spiel auf einem Nebencourt auszutragen, was nicht nur im Nachhinein aufgrund der gebotenen Weltklasseleistung beider Teams, gepaart mit einer höchst amüsanten Leistung des überforderten Schiedsrichters aus Frankreich, äußerst zweifelhaft war. So gaben die späteren Titelträger in diesem Match auch den einzigen Satz im Turnier ab.

Was folgte waren Zweisatzsiege gegen die Russen Arkaev/Barsouk, im deutsch-deutschen Duell gegen Ahmann/Hager und in der glanzvollen Vorstellung im Halbfinale gegen die Mitfavoriten Schweizer Heuscher Kobel, die ebenfalls eine starke Partie zeigten.

So kam es zum dritten Finaleinzug bei einer EM in Folge und auch in diesem Match zeigten sie keine Schwächen. So behielten sie gegen die Schweizer Egger/Heyer beim 21:16 und 27:25, auch bis hin zum sechsten Matchball, die Nerven und krönten ihre olympiareife Vorstellung mit dem Titelgewinn.

 

Die weiteren deutschen Herrenteams

Sicherlich die positivste Überraschung bei den weiteren deutschen Herrenteams waren David Klemperer und Niklas Rademacher. Sie wirkten durch die Entscheidung keine Wildcard für das Hauptfeld erhalten zu haben, sichtlich bestrebt durch ihre sportliche Leistung ihren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen. Nach einer qualvollen Qualifikation liefen beide am zweiten Tag der Hauptrunde zu Höchstform auf und schafften durch sensationelle Siege über Hoidalen/Kjemperud (NOR) und Berg/Dahl (SWE) den nicht für möglich geglaubten Sprung ins Halbfinale. Leider konnten sie diese Spannung, verständlich nach den Strapazen der vergangenen Turniertage, am Sonntag nicht mehr aufbauen. Doch der vierte Platz am Ende, hinter den Schweizern Heuscher/Kobel gehörte auf alle Fälle zu den erfreulichsten Überraschungen des Turniers.

Auch Jörg Ahmann und Axel Hager durften am Ende mit Platz fünf zufrieden sein. Mit zwei Siegen aus den letzten beiden Turnieren nach Timmendorf angereist, versprühten sie auch bei der EM viel Spielfreude und begeisterten das Publikum mit guter Leistung. Das Aus kam im Viertelfinale gegen die späteren Titelträger und die könnten schließlich auch in Athen in die Fußstapfen von „Vince“ und „Häger“ treten.

Eher enttäuscht zeigten sich Julius Brink und Kjell Schneider, nach dem K.O. noch vor der K.O.-Runde, und Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug, nach dem verschenkten Sieg im Achtelfinale gegen die späteren Finalisten Egger/Heyer, mit dem Abschneiden. So verspielten Christoph und Andi erst am Ende des entscheidenden dritten Satz ihre permanente Führung, unterlagen mit 13:15 und mussten mit Platz neun vorlieb nehmen.

 

Deutsche Mädels ohne Medaillen – Schweiz siegt

Man hätte sich, gerade im eigenen Land, sicher eine ähnlich Konstellation wie im Vorjahr bei der EM in der Türkei gewünscht. Damals spielten die deutschen Teams Pohl/Rau und Ahmann/Vollmer den Titel unter sich aus. Doch leider präsentierte sich kein deutsches Team in der Form, die für eine Medaille bei den Europameisterschaften von Nöten ist. Dennoch schafften die Vorjahrsfinalistinnen mit Rang fünf noch die besten Platzierungen der deutschen Damenteams. Für Stephanie Pohl und Okka Rau, denen im Moment sicher die Konstanz im Spiel fehlt und die immer wieder leichtfertig einen Vorsprung im Match verspielten, war im Viertelfinale gegen die späteren Finalistinnen Glesnes/Maaseide (NOR) Endstation. In diesem Spiel unterstrichen die beiden Hoffnungsträger für Athen 2004 noch einmal auf tragische Weise die Aussage von Stephie: “Es zieht sich bereits durch die ganze Saison. Immer verspielen wir ein Vorsprung am Ende durch dumme Fehler“ im Vorfeld des Matches, durch gleich drei vergebene Satzbälle in Durchgang eins. Auch wenn nach diesem Match berechtigter Weise eine Mitschuld beim Schiedsrichter gesucht wurde, mussten sie die gute Leistung der Gegnerinnen anerkennen und eine gewisse Ratlosigkeit ließ sich nach dem Match nicht verbergen.

Drei Satzbälle und die Chance in ihrem Match gegen die Mitfavoritinnen Gattelli/Perrotta aus Italien nach Sätzen auszugleichen, hatten Andrea Ahmann und Jana Vollmer. Doch daraus wurde nichts und so mussten sie sich am Ende ebenfalls mit Rang fünf begnügen.

Dann gab es da noch zwei neunte Ränge, von denen einer eine faustdicke Überraschung und der andere eher eine herbe Enttäuschung war. Für die Überraschung sorgten zweifelsohne Katrin Holtwick und Maria Kleefisch. Mit großem Engagement und Ehrgeiz kämpften sie sich nicht nur durch die Qualifikation, in der so manche andere deutsche Vertretung auf der Strecke blieb, sondern überstanden auch die Gruppenphase und landeten schließlich im Achtelfinale. Dort scheiterten sie an den späteren Europameisterinnen Kuhn/Schnyder-Benoit. Völlig ausgepumpt fühlten sich nach dem Ausscheiden gegen die Norwegerinnen Glesnes/Maaseide Danja Müsch und Susanne Lahme. Eigentlich präsentierten sich die beiden zu Beginn des Turniers in guter Verfassung, doch ging ihnen dann förmlich die Puste aus. Danja Müsch bekannt nach dem Ausscheiden: "Wir brauchen dringend eine Pause."

Die sympathischen Schweizerinnen Simone Kuhn und Nicole Schnyder-Benoit konnten nach dem Finale ihr Glück kaum fassen, hatten sie doch besonders im Halbfinale gegen die Italienrinnen Gattelli/Perrotta bange Sekunden im dritten Satz zu überstehen, als beim Stand von 14:15 der zweite Matchball der Italienrinnen dem ersten Anschein nach genutzt wurde. Doch wurde der vermeintlich ins Aus geschlagene Ball der Schweizerinnen nach langen Diskussionen der Unparteiischen schließlich doch gut gegeben und man konnte den Finaleinzug perfekt machen. Im Finale ließen sie dann gegen die Norwegerinnen Glesnes/Maaseide nichts mehr anbrennen und siegten klar verdient in zwei Sätzen. Auf dem dritten Platz landeten schließlich die Italienrinnen, die sich nach dem Sieg gegen die Tschechinnen Celbovà/Novakova immer noch als die eigentlichen Finalistinnen fühlten und dieses auch jedem Journalisten zu Protokoll gaben.

 

Publikum wie gewohnt Top in Timmendorf

Wenn auch nicht auf alles verlass war, was hinter den Kulissen ablief (Bericht und Interview mit Turnierdirektor Hinnerk Femerling folgt), war auf die Kulisse und damit das Publikum in Timmendorfer Strand wieder einmal hundertprozentig verlass. So nutzte die große Beach-Volleyball Fangemeinde die EM im Mekka der Sportart als willkommene Station , um die Wartezeit, auf die in diesem Jahr durch Olympia etwas später stattfindende Deutsche Meisterschaft, zu verkürzen. So ließen sich die Zuschauer selbst von strömenden Regen am Samstag nicht von den Tribünen vertreiben und zelebrierten mit Schlachtgesängen und tosendem Applaus eine Atmosphäre die wohl jedes deutsche Nationalteam egal welcher Sportart zu Höchstleistungen anspornen würde. Am Sonntag wurden die vielen deutschen Fans dann schließlich noch mit dem Titel und strahlendem Sonnenschein belohnt.

 

Beeindruckt waren auch die Teams anderer Nationen, auch wenn sie bei Spielen gegen deutsche Teams auf dem Centre Court zugleich auch gegen das Publikum spielen mussten. In diesem Sinne “1-2-vorbei“.

 

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