In diesem Jahr ist alles etwas kleiner – aber die DM bleibt ein Highlight

So ist es in Timmendorfer Strand

von beach-volleyball.de/Klaus Wegener
am 3. September 2020
um 16:46 Uhr

Es hat was von einem Miniaturpark, ähnlich dem Minidomm, das es vor Jahren in Düsseldorf-Ratingen gab. Alles ist irgendwie kleiner auf dem Eventgelände in Timmendorfer Strand, die nur 200 Zuschauer, die in der Ahmann-Hager-Arena erlaubt sind, wirken wie Play-Mobil-Männchen, die festgeklebt auf Plastikstühlen sitzen. Für Julia Sude ist es eine völlig außergewöhnliche Atmosphäre: „Man merkt extrem, dass die Lautstärke fehlt. Ich weiß genau, wo meine Leute sitzen und kann Gesichter von Menschen, die mir wichtig sind, klarer erkennen.” Ihre Partnerin Karla Borger registrierte nach dem Auftaktsieg gegen Svenja Müller und Sarah Schulz, „dass es ungewohnt ist, so wenige Zuschauer zu haben, die Moderatoren aus dem Livestream und dazu ein bisschen Musik zu hören.”

Die Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand sind das Mekka der Szene, alle sind heiß darauf, auch Vize-Weltmeister Julius Thole: „Schon wenn ich von der Autobahn abfahre und auf dem letzten Stück Richtung Hotel bin, spüre ich das Kribbeln.” Doch in diesem Jahr ist corona-bedingt alles anders. Der Deutsche Volleyball-Verband hat klare Richtlinien aufgestellt für den Umgang mit den erforderlichen Hygiene-Maßnahmen. Ein Kreis von mehr als 100 Personen musste eingenordet werden.

64 Spieler und Spielerinnen, plus jeweils einem Trainer pro Team plus medizinische Betreuer sollen sich möglichst im Hotel Maritim aufhalten, wo traditionell alle DM-Protagonisten untergebracht sind. Wo sonst der VIP-Bereich in der Trinkhalle des Kurortes und dem angrenzenden Außengelände als Schmuckstück hergerichtet ist, ist die Players-Area untergebracht. Dort sollen die Mahlzeiten eingenommen werden.

Im Hotel, wo auch normale Urlauber zu Gast sind, sind für alle Teams Doppelzimmer reserviert worden. Für viele, die sonst mit Freunden und/oder Familien in Ferienwohnungen oder –häusern Quartier beziehen, ist das ungewohnt, in diesem Jahr das Hotel nutzen zu müssen. Wenn sie außerhalb des Eventgeländes in einem Restaurant speisen wollen, sollen sie das nur mit auf den Corona-Virus getesteten Personen tun. Der Maßnahmenkatalog ist allen vor ein paar Tagen vorgestellt worden und stieß nicht überall auf Gegenliebe. Aber anders geht es nicht. Wer sich nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen, die sogar bis zu einem Ausschluss von den Titelkämpfen gehen können.

Auch für Medienvertreter sind die Bedingungen anders als gewohnt. Im Pressebereich sind die Arbeitsplätze mit Sicherheitsabstand aufgebaut. An den Courts dürfen sie nicht direkt zu den Spielerzonen marschieren, um Stimmen einzufangen. Dafür gibt es einen abgesteckten Bereich neben dem Spielfeld. Fotografen dürfen nur von wenigen festgelegten Positionen aus die Spieler ablichten. Auf der Seebrücke, die sonst als Zuschauerplatz beliebt ist, sind Trennwände aufgebaut, damit soll ein Pulk von Fans vermieden werden. Weil doch einige versuchten, einen Blick auf die Nebencourts zu werfen, wird am späten Nachmittag der Zugang zur Seebrücke abgesperrt. Verkaufsstände, auf denen sich üblicherweise die Partner der Beach-Volleyball-Szene präsentieren, gibt es keine.

Trotzdem versuchen die Moderatoren mit dem Einspielen der üblichen Musik gute Stimmung zu verbreiten. Und am Ende läuft es überall darauf hinaus, dass jeder sagt: „Gut, dass wir überhaupt spielen können.” Für Olympiasiegerin Laura Ludwig ist und bleibt die DM ein Höhepunkt. Der erste in diesem Jahr, für einige wenige Top-Teams stehen noch das „King of the beach”-Turnier in Utrecht und danach die Europameisterschaft in Lettland an. Aber Timmendorf bleibt das Wichtigste, egal, wie die äußeren Umstände sind.

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