Raus aus der Komfortzone, rein in den Kopf

super cup Münster, 08.05. - 10.05.2015

Todd Rogers war Olympiasieger und Weltmeister, doch nicht nur das macht ihn zu einer Legende im Beach-Volleyball. Der 41-jährige US-Amerikaner war schon immer einer, der über das Feld hinausdenkt. Beim smart super cup in Münster war er mit uns im Gespräch.

Ein Olympiasieger im Spätherbst der Karriere

„Ich hasse es noch immer, zu verlieren. Es nervt“, erzählt Todd Rogers, nachdem er sich auf dem Liegestuhl im Zelt von beach-volleyball.de niedergelassen hat. Einige Schweißtropfen wischt er sich noch aus dem Gesicht, ansonsten erinnert in seiner Mimik und Gestik nicht mehr viel an die Partie in der zweiten Runde gegen das deutsche Nationalteam Alexander Walkenhorst/Stefan Windscheif, die mit 0:2 deutlich verloren ging. Trotz der Niederlage stürzten sich die Autogrammjäger auf den 1,86m großen US-Amerikaner.

Dass einer wie Todd Rogers, Weltmeister 2007 und Olympiasieger 2008, mit seinem aktuellen Partner Stafford Slick bei dem smart super cup in Münster aufschlägt, ist für die Szene etwas Besonderes. Der Kontakt kam über einen Sky-Mitarbeiter zu Stande, den Rogers in seiner Heimat Kalifornien traf. „Warum nicht?“, dachte er sich, als ihm die Frage gestellt wurde, ob er nicht auf der deutschen Tour spielen wolle. Im Spätherbst seiner Karriere genießt der US-Amerikaner, dass er nicht mehr überall spielen muss, sondern nur dort aufschlägt, wo es ihm Spaß macht oder - wie in Münster - wo er noch nicht war.


Der eloquente Professor

Die Frage nach dem Karriereende drängt sich bei Rogers, der im September 42 Jahre alt wird, natürlich auf. „Vielleicht mache ich nach dieser Saison Schluss, vielleicht aber auch erst nach der nächsten. Solange ich mich weiterhin so gut fühle und gesund bleibe, macht es für mich einfach finanziell Sinn, weiterzumachen. Mit dem Geld der Sponsoren wie Red Bull und den Preisgeldern kann man gut auskommen“, sagt Rogers.

Dass Rogers in den letzten Zügen seiner mittlerweile 25 Jahre langen Profi-Karriere wohl kein Turnier auf der World Tour mehr gewinnen wird, spielt für die Geldgeber eine untergeordnete Rolle: „Red Bull ist auch Sponsor bei Phil und Rosie (Phil Dalhausser und Sean Rosenthal, aktuell Weltranglistenerste, Anm. d. Red.). Sie müssen rausgehen, und Turniere gewinnen. Ich kann Vorträge halten, als Coach arbeiten, das ist mein Job für Red Bull.“

Ohne weiteres traut man das dem eloquenten Rogers zu, wenn er auch eher zu der Art Spieler gehört, der einen Punktgewinn ohne große Regung quittiert. Nicht umsonst ist er "der Professor". Den Spitznamen hat Todd Rogers, der einen Hochschulabschluss in Religionswissenschaften hat, einen Trainerschein besitzt und als einer gilt, der das Spiel verstanden hat. Warum ihm der Ruf als Taktik-Genie vorauseilt? „Ich versuche immer, die Spieler aus ihrer Komfortzone zu bringen. Das ist dann mein Spiel, dann läuft es so, wie ich es will. Es gibt viele Spieler, die einfach nur spielen, immer hart schlagen wollen. Ich habe schon immer auch mit dem Kopf gespielt“, sagt Rogers.


Ära Dalhausser/Rogers

Dazu kann Kay Matysik eine Anekdote erzählen. In einer Partie von ihm und seinem damaligen Partner Christoph Dieckmann gegen Rogers und Phil Dalhausser 2009 in Brasilia, stellte sich der Abwehrspieler bei einem Angriff Dieckmanns einfach zwei Meter hinter die Grundlinie des Spielfeldes. „Und was passierte? Christoph schlägt den Ball oben an Dalhaussers Finger, Rogers spielte ihn locker nach vorne, Dalhausser knallte uns das Ding um die Ohren. Das war verrückt“, erzählt Matysik.

Todd Rogers muss lachen, als er die Geschichte hört. Natürlich kann er sich daran erinnern, zweimal klappte das sogar. Die sieben Jahre mit Dalhausser (2005 bis 2012) waren seine erfolgreichsten, zusammen mit dem 2,05m langen Blockspieler avancierte er zu einem der erfolgreichsten Beach-Duos der Geschichte: Neben Olympiagold und WM-Titel gewannen die US-Amerikaner 20 weitere Turniere auf der Weltserie. Seine Rolle in den Teams nach der Ära mit Dalhausser verstand er auch weiterhin als eine Konstellation, in der er in die Rolle des Coaches schlüpfte.

Ryan Doherty und Theo Brunner hievte er auf Weltniveau, auch den Schlacks Dalhausser holte er damals so gut wie aus dem Nichts auf die World Tour und machte ihn zu einem der besten Beach-Volleyballer überhaupt. Auch heute noch. „Wenn Phil und Rosie gesund bleiben, können nicht viele Teams gegen sie gewinnen. Die Italiener Lupo/Nicolai sind vielleicht das einzige Team, das auf ihrem höchsten Level mitspielen kann“, erzählt Rogers.


„Ich hasse es noch immer, als Verlierer vom Platz zu gehen“

Er ist einer, der über das Feld hinaus denkt. Das brachte ihn in den vergangenen Jahren immer wieder Angebote ein, nach der Karriere als Trainer in Universitäten oder im Stab der AVP, der US-Beach-Volleyball Tour, zu arbeiten. Noch aber ist Rogers nicht so weit. Der Alltag aktuell heißt für ihn smart beach tour auf dem Schlossplatz, und da musste er schon eine Niederlage verdauen, spielt ab jetzt in der Verliererrunde um den Verbleib im Turnier.

„In den Jahren 2008 und 2009 waren Phil und ich unschlagbar, wenn wir unser bestes Beach-Volleyball spielten. Da hat es mich genervt, wenn wir verloren haben, weil wir dann nicht am Limit gespielt haben. Heute sind Teams wie Walkenhorst/Windscheif besser als Stafford und ich, da müssen wir sehr, sehr gut spielen, um eine Chance zu haben. Ich mag es noch immer nicht, als Verlierer vom Platz zu gehen.“

Offensichtlich kann er damit aber gut umgehen. Der Respekt vor dem Familienvater mit den unzähligen Titeln ist bei den Gegnern noch immer riesengroß, auch wenn er nicht mehr auf dem Niveau spielt, das ihn zum Olympiasieger machte. „Man merkt schon, dass man mittlerweile gute Chancen gegen ihn hat, er nicht mehr das spielt, was er in seiner besten Zeit spielte. Aber sein Stellungsspiel ist beispielsweise immer noch überragend, das verlernt man nicht“, erzählt der deutsche Nationalspieler Kay Matysik. Aber Todd Rogers ist immer noch auf einem Niveau, das zu Platz vier beim FIVB Open in Fuzhou reichte. Wie weit es beim super cup in Münster noch geht, entscheiden die kommenden Partien.

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