„Let’s rock’n roll”

Weltmeisterschaft 2019

„Mit guten Losen hatte ich noch kein Glück” – Jürgen Wagner, Trainer von Kozuch/Ludwig, kann die Pool-Gegner noch nicht richtig einschätzen.

Eins, zwei oder drei (oder Lucky Loser-Runde)

Hannes Jagerhofer, Chef der Major-Series, brachte es auf den Punkt, als er im Hamburger Rathaus an der Reihe war, aus den Lostöpfen Teamnamen zu ziehen: „Let’s rock’n roll, Hamburg”, sagte der Österreicher. Es klang wie eine Art Startschuss, endlich geht es mal an den sportlichen Teil, der am Ende bei der Weltmeisterschaft für Begeisterung sorgen soll.

Mit der Auslosung der jeweils zwölf Vierergruppen für Frauen und Männer für die Vorrundenpools ist der nächste Schritt gemacht worden. Für die deutschen WM-Teilnehmer sind es mitunter harte Aufgaben, vor allem mit Blick auf den Modus. In den Pools gilt der Modus jeder gegen jeden.

Die Erst- und Zweitplatzierten aus jedem Pool sowie die vier besten Dritten ziehen direkt in die Runde der besten 32 ein. Die weiteren acht Drittplatzierten spielen in einer Lucky Loser-Runde um die letzten vier Plätze für die Teilnahme an der 1. K.o.-Runde. Für alle Viertplatzierten ist das Abenteuer am Rothenbaum nach den Pool Matches beendet.

Jürgen Wagner, Trainer von Margareta Kozuch und Laura Ludwig, hat schon manche WM erlebt, bis hin zu zwei Titelgewinnen. 2009 mit Julius Brink und Jonas Reckermann in Stavanger (NOR), 2017 mit Ludwig und Kira Walkenhorst in Wien. Zu den Pool-Gegnern in Hamburg sagt er: „Gegen die Brasilianerinnen haben wir in Ostrau knapp verloren, die Amerikanerinnen habe ich noch nie gesehen und von dem Team aus Nigeria noch nie gehört.” Seine Erfahrung zeigt: „Mit guten Auslosungen habe ich noch nie Glück gehabt.” Oft war der schwere Weg am Ende erfolgbringend.

DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand sieht es ähnlich: „Bei einer WM gibt jedes Team Vollgas. Unsere teils neuen Teams werden vielleicht vom Heimvorteil profitieren.” In erster Linie zählt das Weiterkommen, um die Zielsetzung des Verbandes zu erreichen: „Mit mindestens einem Team im Viertelfinale spielen.” Thole/Wickler sieht er als Favorit in ihrer Gruppe. Kozuch/Ludwig haben eine Pflichtaufgabe (gegen Nigeria) vor sich und zwei Gegner auf Augenhöhe: „Zwischen Platz eins und drei ist in diesem Pool alles möglich.”

Die Pools der deutschen Frauen

Sandra Ittlinger/Chantal Laboureur: Als an eins gesetztes Team des Gastgeberlandes konnten sie den ganz dicken Brocken aus dem Weg gehen. Aber: Die Italienerinnen Marta Menegatti und Orsi Toth sind sehr erfahrene Routiniers. Menegatti bestreitet schon ihre vierte WM. Mit dem Namen Toth ist ein Dopingfall verbunden, 2016 wurde sie kurz vor den Olympischen Spielen in Rio gesperrt. Mit den Zwillingsschwestern Megan und Nicole McNamara aus Kanada verbinden Ittlinger/Laboureur bereits ein Negativerlebnis (0:2 in Itapema). Gänzlich unbekannt, dafür aus der Kategorie „machbar”: Michelle Sharon und Patricia Carolina aus Paraguay.

Leonie Körtzinger/Sarah Schneider: Drei osteuropäische Kontrahentinnen bekamen die beiden deutschen Wild Card-Besitzer zugelost. Die Tschechinnen Hermannova/Slukova sind Weltranglisten-Zweite. Katarzyna Kociolek und Kinga Wojtasik aus Polen sowie Tina Graudina und Anastasija Kravcenoka zählen zum Mittelmaß der World Tour.

Kim Behrens/Cinja Tillmann: Gegen Bansley/Wilkerson aus dem Stall der starken Kanadierinnen und die Schweizerinnen Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré, die immer für eine Überraschung gut sind, hängen die Trauben sehr hoch. Nur gegen Camila Bausero (20) und Maria Rotti (22) aus Uruguay gehen Behrens/Tillmann als Favoriten ins Rennen.

Victoria Bieneck/Isabel Schneider: Noch fehlen Erfolgserlebnisse gegen die Pool-Kontrahenten, nur gegen Elsa Baquerizo und Liliana Fernandez (Spanien) standen sie beim 1:2 in Polen vor einem Jahr schon mal knapp vor einem Sieg. Der dürfte gegen die derzeit so starken Brasilianerinnen Ana Patricia/Rebecca (2019: zwei Turniersiege und einmal Bronze auf der World Tour) kaum möglich sein, gegen Nzayisenga/Judith aus Ruanda ist er dagegen Pflicht.

Karla Borger/Julia Sude: USA, China, Nicaragua; viel größer hätte man den Bogen nicht spannen können, auch sportlich nicht. Die Namen von Valeria Mendoza und Lolette Rodriguez (NCA) tauchen erstmals überhaupt international auf. Bei den Chinesinnen Xinxin Wang und Chen Xue ist letztere mit 31 Jahren sehr routiniert. In Hamburg bestreitet sie ihre sechste Weltmeisterschaft. Noch besser hat es bislang April Ross gemacht, mit dann sieben WM-Teilnahmen, einem Titelgewinn (2009) und einer Silbermedaille 2017 in Wien im Finale gegen Ludwig/Walkenhorst. Da bekommen es Borger/Sude mit sehr cleveren Gegnern zu tun.

Margareta Kozuch/Laura Ludwig: Bislang läuft noch nicht alles rund. Vielleicht kommt es ihnen zugute, dass Laura Ludwig mit dann acht WM-Teilnahmen unschlagbar viel Erfahrung hat. Die ist gegen die Brasilianerinnen Maria Antonelli und Carolina Salgado dringend notwendig. In Ostrau ließen sich Kozuch/Ludwig erst in drei Sätzen bezwingen, was ihnen Mut machen sollte. Kelley Larsen und Emily Stockman zählen zu den vielen US-Teams, die in der Szene oben mitmischen. Was man von Francisca Ikhiede und Tochuwku Nnoruga aus Nigeria nicht behaupten kann: Kein einziger internationaler Auftritt von Ikhiede, ihre Partnerin ist vor fünf Jahren mal auf Rang 31 gelandet bei einem Turnier auf Zypern.

→ Alle Frauenpools in der Übersicht

Die Pools der deutschen Männer:

Alexander Walkenhorst/Sven Winter: Mit den Norwegern Mol/Sorum haben sie den Titelfavoriten schlechthin erwischt: Weltranglisten-Erste, World-Tour-Sieger; die Überflieger haben die letzten drei Vier-Sterne-Turniere gewonnen. Ebenfalls eine übermächtige Aufgabe ist das Duell gegen die Brasilianer Pedro Solberg/Bruno Schmidt, 16. der Weltrangliste. Einzig gegen Sergio Reynaldo Gonzalez und Luis Enrique Reyes sollte was möglich sein. Die Kubaner zählen zu den großen Unbekannte der WM, in diesem Jahr haben sie noch an keinem FIVB-Turnier teilgenommen.

Philipp-Arne Bergmann/Yannick Harms: Die Polen Fijalek/Bryl glänzen seit gut einem Jahr mit Top-Five-Platzierungen und zählen in Hamburg zum Kreis der Medaillenanwärter. Martin Plavins und Edgars Tocs aus Lettland dürften ebenfalls eine Nummer zu groß sein. Ein Sieg gegen Mohamed Abicha und Zouheir Elgraoui ist dagegen Pflicht. Die Marrokaner haben nur eine internationale Platzierung auf dem Konto: Rang 37 bei der WM vor zwei Jahren in Wien.

Nils Ehlers/Lars Flüggen: Da die eigenen Leistungen bislang nicht überzeugen, ist für Ehlers/Flüggen jedes Spiel eine große Herausforderung. Die chilenischen Grimalt-Cousins Esteban und Marco zeigten zuletzt eine steile Kurve nach oben, die Russen Liamin/Myskiv sind ein neu formiertes Duo ohne großartige internationale Referenzen und die Mexikaner Lombardo Ontiveren/Juan Virgen haben sich jüngst beim Vier-Sterne-Stopp in Itapema als Deutschen-Schreck präsentiert. Da schlugen sie Thole/Wickler glatt in zwei Sätzen.

Julius Thole/Clemens Wickler: Die Hamburger sind der deutsche Hoffnungsträger und sollten glatt durch die Pools marschieren können. Tri Bourne und Trevor Crabb aus den USA hatten sie in Doha schon klar im Griff. Die Iraner Bahman Salemiinjehboroun und Arash Vakili aus dem Iran zeigen bislang nur Ein-Sterne-Niveau, für das Duo aus Ruanda, Patrick Kavalo und Olivier Ntagengwa, ist allein schon die WM-Teilnahme ein Highlight. Und dann dürfen sie höchstwahrscheinlich gegen Thole/Wickler auch noch die Atmosphäre auf dem Center Court erleben.

→ Alle Männerpools in der Übersicht

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