"Ich genieße diese Freiheit"

Interview mit Thomas Kaczmarek

Thomas Kaczmarek, 29 und amtierender Meisterschaftszweiter, legt die Karten auf den Tisch und gibt viel von seinem Gefühlsleben preis. Dies wirft ein anderes Licht auf die Trennung von seinem Partner Sebastian Fuchs.

"Leer, ausgelaugt und nicht mehr bei 100%", so beschreibt Thomas Kaczmarek seinen Gefühlszustand, den er bereits vor neun Monaten bei sich entdecken musste. "Die Freude und der Spaß an meinem so geliebten Sport waren einfach nicht mehr da. Das war alarmierend." beach-volleyball.de sprach mit dem Abwehrspezialisten im Rahmen des supercups in Kühlungsborn.


Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Ist Kühlungsborn dein letztes Turnier?
"Gute Frage…Ich kann das noch nicht beantworten. Ich dachte schon, die Europameisterschaft wäre mein Abschiedsturnier. Die Deutsche Meisterschaft kann ich nur spielen, wenn die Sonderregularien greifen sollten. Und das würde ich auch nur machen, wenn ich einen Partner hätte, mit dem ich Chancen auf eine Medaille hätte."

In eurer Pressemitteilung beschreibst du in einer nicht selbstverständlichen Offenheit deinen Gefühlszustand. Du sagst, du hättest dich leer und ausgelaugt gefühlt, nicht mehr bei 100%.

"Wie man sich psychisch fühlt, ist im Sport ein Tabu-Thema. Ich bin einfach ehrlich und gerade aus und das wollte ich am Ende auch sein. Es war mir wichtig, die gesamte Situation klar zu stellen. Ich war einfach nicht mehr mit 100% dabei, und wer mich kennt, weiß, dass das alarmierend ist. 10 Jahre Leistungssport waren einfach hart. Die Country Quota, die Widerstände mit dem Verband, sich nach Verletzungen zurückkämpfen, die ganze Reiserei, jedes Turnier mit einer Niederlage beenden, im Winter nur eine kurze Pause und dann wieder Vollgas – ich habe mich nachher nur noch durchgequält. Das Schwierigste daran war es, es sich selbst einzugestehen, dass ich für meinen geliebten Sport nicht mehr die nötige Kraft aufbringen kann."

Dieser Hintergrund wirft natürlich auch ein ganz anderes Licht auf die Neuformation Fuchs/Windscheif.

"Sebastian hat aufgrund der Neuformation mit Stefan Windscheif auch viel Negatives abbekommen. Aber er ist der loyalste Spieler auf der Tour, ganz ehrlich. Er hat mich in der schwersten Zeit unterstützt, wir sind beide über die gesamten Jahre durch Dick und Dünn gegangen, alle Widerstände zusammen gemeistert. Er hat mich in der schwierigsten Zeit unterstützt, hätte sich niemals von mir getrennt, obwohl er wusste, dass ich nicht mehr in der Lage war, weiter unseren Zielen nachzueifern. Anfang des Sommers habe ich ihm auch gesagt, schau dich um, guck, ob du jemanden findest. Wir sind dicke Kumpels, ich unterstütze ihn auch in seinen Zielen. Und sein Ziel ist nachwievor Olympia. Als sich mit Stefan Windscheif plötzlich diese Tür aufgetan hat, habe ich ihm auch gesagt, er muss das unbedingt machen. Wir sind ein echtes Team, welches über den Sport hinausgeht und wir bleiben ein Team."

Auch Sebastian sagte, wenn es mit Rio klappt, würde auch ein großer Teil von Kacze dabei sein.

"Ja, das hat mich sehr berührt. Wir sind einfach ein echtes Team, auf dem Feld und Abseits des Sportgeschehens. Sowas gibt es kaum noch."

Und nun hier in Kühlungsborn: Das erste Spiel gegen Dollinger/Kröger sah schon gut aus. Was sind nun die Pläne für dieses Turnier?

"Ohne Druck und mit viel Spaß hier zu spielen. Eine Interimslösung ist sowieso ganz entspannt, man kann befreit und unbefangen aufspielen. Wenn ich nicht einen Partner bekommen hätte, den ich mag und mit dem ich gern spiele, hätte ich hier auch nicht gespielt. Dirk kenne ich schon aus der Jugend, wir haben in der Halle schon gegeneinander gespielt. Er für die Auswahl Berlin, ich für Nordrhein-Westfalen, später im Sand auch als er mit Thilo Backhaus gespielt hat. Und jetzt hatte er noch etwas Zeit, bevor es für ihn zur EM-Vorbereitung geht."

Vielleicht ist dies dein vorerst letztes Turnier, vielleicht klappt es noch mit Timmendorf. Es ist Abschied, aber irgendwie auch nicht, oder?

"Es ist sowieso kein endgültiger Abschied von meinem geliebten Sport. Ich trainiere sowieso weiter, fühlt sich richtig an, mache mein Studium gerade zu Ende. Ich freue mich jetzt aber auch auf andere spannende Dinge. Einfach mal ein Wochenende haben, oder Herbst, Reisen, um Länder wirklich zu sehen, und einfach das machen, wozu ich Lust habe. Ich genieße diese Freiheit gerade."

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