Je weniger Aufmerksamkeit, desto besser die Arbeit

Interview mit Florian Stanglmeier

Florian Stanglmeier, 29, ist Leiter des Beach-Büros beim Deutschen Volleyball-Verband. Seit drei Jahren arbeitet er hinter den Kulissen und ist doch das Gesicht des Verbandes vor Ort bei den Turnieren der smart beach tour. Im Sommer arbeitet er am Strand, im Winter im Büro. Ein Traumjob? Er verrät uns dies im Interview und erklärt, was es mit "frisch gepressten" Trikots auf sich hat...

Hallo Herr Stanglmeier! Der Sommer ist vorbei, die Tour zu Ende – haben Sie jetzt überhaupt etwas zu tun?

Florian Stanglmeier: "Im Winter ist Arbeit im Büro angesagt. Ich stecke gerade in den Vorbereitungen für 2014. Ausrichterbewerbungen gehen ein, Trikots müssen bereitgestellt werden etc. Wir hatten gerade die Beach-Volleyball-Ausschuss-Tagung, in der Reglementänderungen, Durchführungsbestimmungen besprochen wurden. Es wurden Abstimmungen getroffen, Ausblicke getätigt, Grundsteine also für nächstes Jahr gelegt. Zudem ist den wenigsten bekannt, dass ich nur die Hälfte meiner Arbeitszeit für Beach-Volleyball aufwende. Ich kümmere mich zusätzlich um die Ausrüstung für Hallennationalteams und für die Nachwuchshöhepunkte im Beach. Damit also die Spieler zum richtigen Zeitpunkt, die richtigen Klamotten in richtigen Größen bekommen."

Sie sind schon gedanklich im Jahr 2014, doch sagen Sie uns, wie aus Ihrer Sicht diese Saison gelaufen ist? Es ist ja die erste Saison mit dem Fernsehsender Sky.

"Es war auf jeden Fall erst einmal ein großer Kraftakt, den alle Beteiligten geleistet haben. Sie erinnern sich vielleicht, dass wir nur drei Monate als Vorbereitungszeit zur Verfügung hatten. Es gab viele neue Dienstleiter, Partner, vor Ort wurde einiges z.B. am Erscheinungsbild verbessert. Für die Öffentlichkeit ist natürlich die TV-Präsenz das, was am meisten auffällt. Es gab sehr gute, tolle Bilder. Für die Spieler gab es Hotelübernachtungen und stark erhöhte Preisgelder. Auch internationale Teams wie die Polen Fijalek/Prudel, die beiden besten niederländischen Frauenteams Meppelink/van Gestel und Keizer/van Iersel oder die Europameisterinnen aus Österreich Doris und Stefanie Schwaiger haben mitgespielt und sehr gutes Feedback gegeben. Ich bin also sehr zufrieden."

Sie sind dafür zuständig, dass die Turniere vor Ort, das Sportliche also, reibungslos durchgeführt werden. Hat die TV-Präsenz auch in Ihrer Arbeit konkrete Veränderungen mitgebracht?

"Im sportlichen Bereich musste der Spielplan minutiös geplant werden, die Anforderungen seitens des Verbandes sind auch gestiegen. Das war erst einmal Neuland und die Abstimmung eine große Herausforderung, aber es hat aber alles sehr gut funktioniert. Das Zusammenspiel zwischen den beteiligten Gruppen – von Frank Mackerodt als Tourorganisator, über Sky, bis hin zum Shuttle Service – hat sehr gut geklappt." 

Wenn man als Zuschauer auf den Tribünen den schönen Sport genießt, dann ist einem wahrscheinlich gar nicht bewusst, welche Fäden alles im Hintergrund gezogen werden?

"Wenn nicht jeder mitbekommt, was wir leisten, dann haben wir die Arbeit gut gemacht. Wir wollen ja auch den Sport in den Vordergrund stellen. Natürlich bekomme ich Feedback von Frank oder von den Spielern, darüber freue ich mich auch. Dennoch, je weniger ich im Vordergrund stehe, desto besser meine Arbeit (schmunzelt)."

Nicht viele Leute können von sich behaupten, dass sie da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ist das wirklich ein Traumjob oder sieht es nur so aus?

"Meine Freunde sagen manchmal neidisch, ich arbeite am Strand und habe lauter hübsche Menschen um mich (lacht). Das stimmt ja auch (lacht). Ich habe aber auch natürlich im Sommer sehr anstrengende Monate. Ich arbeite sieben Tage die Woche, drei davon im Büro, vier vor Ort, hinzukommen die ganzen Anfahrten. Doch die Stimmung ist toll, es sind Top-Events und das macht einfach Riesenspaß, sonst würden wir das alle nicht machen. Wenn das Wetter auch noch passt wie in diesem Jahr, dann ist es einfach ein Traum. Ich genieße es aber auch, im Winter eher im Büro zu arbeiten. Es ist schön, diesen Wechsel zu haben."

Also wirklich ein Traumjob?

"Definitiv."

Welches Turnier war dieses Jahr Ihr Favorit?

"Wir hatten ja dieses Jahr Glück mit dem Wetter, das war wunderschön – sowohl am Strand als auch in der Stadt, der Wechsel machtŽs. Als Highlights kann ich Binz und Kühlungsborn nennen. Als Bayer hätte ich nicht gedacht, dass Deutschland so schöne Strände hat (schmunzelt). Sportlich war der Supercup in Münster mein Favorit mit Spitzenteams und sportlich auf höchstem Niveau."

Sie haben auch beim Grand Slam in Berlin mit Ray Wenning die Wettkampfleitung gemacht. Wie unterscheidet sich da Ihre Arbeit von der Arbeit bei den deutschen Turnieren?

"Bei einem FIVB-Turnier ist alles größer, förmlicher, Regularien noch umfangreicher. Ein großer Unterschied ist natürlich, dass die Spielershirts vor Ort von einem Dienstleister bedruckt werden. Just in time sozusagen. Es gibt fünf verschiedene Farben, fünf verschiedene Größen jeweils für Männer und Frauen. Man versucht natürlich, die entsprechenden Farben zu den jeweiligen Nationen zuzuordnen. Ab der Single Elimination ist es ein schönes Puzzle, das alles zu beachten und entsprechend fertig zu stellen. Meist kommen dann die Shirts fünfzehn Minuten vor dem Spiel frisch gepresst zu den Spielern (schmunzelt)." 

Was wünschen Sie sich für die nächste Saison?

"Es wird wieder vier Supercups und vier normale Cups geben plus die Deutsche Meisterschaft. Wir haben viel positive Rückmeldung seitens der Spieler, des Tourorganisators, Sky hinsichtlich der Organisation bekommen. Die Supercups werden von allen als sehr gut bewertet. Man sieht auch, dass Sky jetzt schon mit Hochdruck arbeitet, das ist toll. Mein Wunsch ist jetzt, dass auch die Cups in ihrer Wertigkeit steigen, sich weiterentwickeln und die Differenzen zu den Supercups kleiner werden."

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Stanglmeier, und viel Erfolg bei den Wintervorbereitungen. 

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