"Wir wollen in diesem Jahr noch mehr erreichen"

Interview Dirk Westphal Teil II

In dem zweiten Teil des Interviews mit beach-volleyball.de erzählt der 26-jährige Dirk Westphal, warum er sich mit seinem Partner Tilo Backhaus höhere Ziele für den kommenden Sommer setzen will. Im vergangenen Jahr waren beide außerordentlich erfolgreich – „wir sind eben zwei Zocker“, behauptet Dirk.

Dirk, der interessierte Beobachter konnte sehen, dass du dich bei den windigen Küstenturnieren außergewöhnlich gut geschlagen hast. Deine Bewegungen sehen vielleicht nicht immer so elegant aus, verglichen mit anderen Spielern. Du hast es allerdings geschafft, die für deine Körpergröße gute Ballkontrolle in den Sand zu übertragen. Ist das ein entscheidender Faktor?

Dirk Westphal: „Wie Bitte? Muss ich mir jetzt von beach-volleyball.de sagen lassen, dass ich keinen eleganten Beach-Volleyball spiele (lacht)? Nein, Spaß bei Seite. Meiner Meinung nach kann das nicht nur auf die Ballkontrolle pauschalisiert betrachtet werden. Ich denke Tilo und ich sind zwei Zocker. Das merkt man auf dem Spielfeld und ist auch ein Teil des Erfolges. Früher haben wir nach der Schule stundenlang Tischtennis gegeneinander gespielt – um 50 Pfennig. Und heute spielen wir halt um dieselbe Summe gegen andere Spieler auf der deutschen Tour. Na gut, vielleicht sind es auch ein paar Euro mehr (schmunzelt)

Du kannst also anscheinend mit dem hohen Druck auf dem Spielfeld gut umgehen. Sind die psychologischen Anforderungen gegenüber dem Hallen-Volleyball nicht viel höher? 


„Das ist schwer zu sagen. Ich denke der Druck für mich persönlich ist in der Halle höher, dort arbeite ich für meine Brötchen. Dort kann ich mir keine schwache Saison erlauben, weil ich bereits um einen Vertrag in der nächsten Saison spielen muss. Wenn ich im Beach-Volleyball schlecht spiele, dann ist das natürlich auch richtig blöd. Gerade weil ich die Verantwortung auch für meinen Partner mit trage. Ich persönlich kann psychisch mit dieser Situation aber besser umgehen.“

Es gibt nicht viele Hallen-Volleyballer, die auf Anhieb im Sand erfolgreich sind – wenn man absolute Ausnahmeathleten wie die deutschen Vize-Meister im Sand und Hallen-Nationalspieler Marcus Popp und Björn Andrae einmal weglässt. Kann es sein, dass sich viele die Umstellung auf Beach-Volleyball zu einfach vorstellen? Was denkst du? 

„Ich denke, es liegt an dem grundsätzlichen Denkfehler, dass man sich im Beach-Volleyball nur gegen einen Block- und einen Abwehrspieler mit dem eigenen Angriff durchsetzten muss. Als Aussage an sich mag das so stimmen. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass der Weg zum Angriff deutlich schwieriger ist als im Hallen-Volleyball. Dazu kommt das lästige Zuspiel, welches in der Halle als Angreifer wegfällt – wenn man frisch aus der Halle kommt, wird das von vielen Schiedsrichtern aus Prinzip abgepfiffen (lacht). Der lästige Sand lässt einen nicht mehr so hoch springen und wenn es dazu noch windig ist, hat man es mit zwei verschiedenen Sportarten zu tun. Deswegen würde ich beide Sportartarten nicht miteinander vergleichen, sie haben beide spezielle Schwierigkeiten.“

Wenn deine lange Saison in Belgien zu Ende ist, wirst du weiter mit Tilo Backhaus Beach-Volleyball spielen?

„Wenn nichts dazwischen kommen sollte, haben wir das so verabredet.“


Was könnte denn dazwischen kommen?

„Wir hoffen natürlich, dass wir verletzungsfrei bleiben. Aber ich musste mir auch meine Gedanken machen, ob ich nicht auch weiter in der Halle spiele. Ich spiele momentan eine gute Saison und bekomme auch aus der Bundesliga ein positives Feedback. Das ist wiederum immer mit der Frage verbunden, ob ich im Sommer wieder in der Hallennationalmannschaft spielen werde. Ich weiß sicherlich, dass dort gerade auf meiner Position ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Da besteht die Gefahr, dass man nicht viel von dem Spielfeld sieht. Im vorletzten Jahr war das bei mir der Fall und das hat mich sowohl mental als auch sportlich eher zurückgeworfen. Die Situation wollte ich im letzten Jahr vermeiden und hatte mit Tilo ein interessantes Jahr. Das hat mir richtig gut getan. Gerade deshalb will ich auch mit ihm in die nächste Saison gehen.“

Du würdest allen Anfragen aus der Nationalmannschaft zum Trotz weiter im Sand spielen wollen?

„Die Situation ist aktuell so, dass mich offiziell noch keiner gefragt hat. Was auch verständlich ist, da es erst seit einigen Wochen einen neuen Bundestrainer gibt (der Belgier Vital Heynen, Anm. d. Red.). Letztendlich weiß ich auch gar nicht, ob ich überhaupt eingeladen werde. Ich habe mich aber persönlich dafür entschieden, eine mögliche Einladung anzunehmen. Allerdings nur, wenn ich das Gefühl habe, dass ich der Mannschaft wirklich weiterhelfen kann. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele wäre ich dumm, wenn ich eine realistische Chance darauf nicht nutzen würde. Die Möglichkeit sehe ich aber in diesem Moment noch nicht.“

Dann stellen wir jetzt mal, aus der Sicht der Beach-Szene, ein optimistisches Szenario: du wirst nicht in der Halle spielen, sondern mit Tilo die smart beach tour bestreiten. Spielst du dann, weil es dir so viel Spaß bereitet oder siehst du vielleicht auch eine größere Perspektive?

„Wenn ich keine Perspektive sehen würde, würde ich nicht Beach-Volleyball spielen. Dafür bin ich zu ehrgeizig. Ich denke Tilo und ich hatten ein erfolgreiches erstes Jahr, mit vielen tollen Wettkämpfen. Gerade für mich war die Umstellung schon groß. Um ein gutes Blockspiel zu erreichen, musste ich mich von meinem Gedankenbild des Hallen-Volleyballs verabschieden und komplett umdenken. Das ist mir in der ersten Zeit nicht leicht gefallen und hat Tilo sicherlich auch ein paar mehr graue Haare wachsen lassen (schmunzelt). Ich hoffe, dass wir in der nächsten Saison noch mehr erreichen können. Letztes Jahr wollten wir in der deutschen Rangliste unter die besten Acht. Das haben wir geschafft. Da man sich kontinuierlich immer höhere Ziele setzten muss, sollte unsere Zielsetzung logischerweise jetzt Platz sechs lauten. Dass das eine riesige Herausforderung ist, ist uns bewusst. Gerade bei den Teams, die vor uns in der Rangliste stehen. Dazu kommen ja noch etliche andere Teams, die das gleiche Ziel verfolgen und uns sicherlich auch einholen wollen.“


Dirk, vielen Dank für das ausführliche Gespräch. Wir wünschen dir einen erfolgreichen Saison-Abschluss und einen erfolgreichen Sommer – egal auf welchem Untergrund!

Weitere Informationen zum Team Backhaus/Westphal

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews

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