Kommentar

Der neue Qualifikationsmodus in einer Übersicht

Nicht zu Ende gedacht...

Im ersten Moment klingt der neue Qualifikationsmodus sozial, sport-politisch sehr wertvoll – wenn man ihn erst einmal überhaupt verstanden hat, was auch für Beach-Kenner wirklich nicht ganz einfach ist. Jedenfalls haben über den Continental Cup und das World Cup  auch kleinere (Beach-)Nationen die Chance, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.


Wer es sich nicht leisten kann, die World Tour zu spielen, hat über diese beiden Turniere die Möglichkeit, sich den Traum von Olympia zu erfüllen. Und das ist ganz im Sinne des olympischen Geistes: Sozial schwächere Nationen werden motiviert teilzunehmen. Das verschafft dem Land Aufmerksamkeit, die ganze Welt wird für seine Probleme sensibilisiert, Verbesserung kann eintreten. Diese Verantwortung hat nun mal der Sport inne, und Sport wäre nicht Sport, wenn er nicht diese politische Mission hätte.

Doch wenn man sich aus der Sicht der Athleten genau überlegt, wie der Modus in der Praxis aussieht, tauchen erste Zweifel auf, allein soziale und sport-politische Gründe wären die Hauptmotivation für die Veränderung der Qualifikationsregeln.

Zunächst einmal erhalten die Verbände noch mehr Macht über die Athleten durch die Tatsache, dass sich über den Continental Cup die Verbände qualifizieren und nicht die Teams. Der jeweilige Verband kann sogar bestimmen, welches Team zu Olympia fahren darf. Unabhängig davon, ob dieses Team am Continental Cup teilgenommen hat oder nicht. Und ja, es gibt nur EIN Olympia-Ticket, obwohl mindestens ZWEI Teams dieses erkämpft haben. Klar stärkt das den Nationalgedanken nach dem Motto "Alle für einen", aber bei solch einem wichtigen Turnier wie die Olympischen Spiele sagt keiner "Ach, fahr du mal hin".

Und was passiert, wenn sich z.B. Brink/Reckermann und Klemperer/Koreng über die Weltrangliste qualifizieren, die Continental Cups nicht spielen, und z.B. Erdmann/Matysik und Dollinger/Windscheif über den Continental Cup ein Olympia-Ticket holen? Wer wird um das Olympia-Ticket betrogen, denn es können maximal zwei Teams einer Nation zu Olympia fahren? Tja, das liegt im Ermessen des Verbandes...

Und wenn ein Team weiß, dass es sich über die Weltrangliste qualifizieren wird, muss es dann den Continental Cup trotzdem spielen? Ja, besser wäre das. Ansonsten kann sich die Konkurrenz aus dem eigenen Lande über diese kontinentalen Wettkämpfe qualifizieren. Und dann sind wir wieder bei dem Punkt, dass der Verband entscheidet, wer zu Olympia fahren darf. Der Deutsche Volleyball-Verband will alle Eventualitäten durchgehen und transparente Regelungen dafür finden, damit sich keiner um sein Olympia-Ticket betrogen fühlen kann. Bleibt zu hoffen, dass alle weiteren Verbände ebenfalls auf eine sportlich-faire Lösung setzen.

Dieser Modus schreit auch nach Wettbewerbsverzerrung. Starke Beach-Nationen könnten bestimmen, wer den Continental Cup gewinnt. Wenn Deutschland z.B. weiß, dass es über die Weltrangliste ohnehin schon qualifiziert ist, könnte es einen solchen "Länder-Vergleich" entweder "krankheitsbedingt" absagen oder die Nation, die es sympathisiert gewinnen lassen. Wir haben ja schon bei der WM 2009 erfahren, dass "Lücken im System" von den Spielern auch logischerweise zum eigenen Vorteil genutzt werden.

Es wird auch zu einer Qualitätseinbuße des olympischen Turniers kommen. Einige Nationen, wie Japan oder Kanada, die bisher kaum in Erscheinung getreten sind, werden es nun wahrscheinlich zu Olympia schaffen, zu Lasten jedoch der zahlreichen guten europäischen Teams. Eigentlich müssten die kontinentalen Ausscheidungskämpfe ohne die starken Nationen wie USA, Brasilien, Deutschland stattfinden, denn dann hätten die "kleinen" Nationen eine tatsächliche zweite Chance auf Olympia.

Für die meisten Sportler sind diese Wettkämpfe eine zusätzliche Belastung. Die Beach-Volleyball-Profis fliegen von einem Turnier zu nächsten, der Kalender ist voll. Wenn sie aus trainingswissenschaftlichen Gründen eine Pause einlegen wollen, dann müssen sie jetzt schon ein Turnier ausfallen lassen. Und nun sollen zusätzliche Turniere eingeplant werden.

Typisch FIVB wieder: Die Durchführung der kontinentalen Turniere wälzt der Weltverband schön auf die kontinentalen Verbände ab, die sich jetzt den Kopf über ein entsprechendes Wettkampfformat zerbrechen müssen. Dabei soll es mit den ersten Runden bereits im Mai losgehen.

Und wozu dient eigentlich das World Cup Final? Angeblich zur "Ehrung der Kontinental-Meister", das aber nichts mehr mit der Olympia-Qualifikation zu tun hat. Einfach so ein Show-Turnier mit den Besten der besten Nationen? Wenn da nicht wirtschaftliche Hintergedanken dahinterstecken...

Spätestens hier wird man wirklich skeptisch. Wurde das alles gemacht, um mehr Events zu produzieren, die man vermarkten kann, und um evtl. wirtschaftlich wichtige Länder wie Kanada und Japan mit ins Boot zu holen? Vom Grundgedanken geht der Modus in Ordnung, denn die Olympischen Spiele sollen nicht nur ein Turnier für Europäer, Brasilianer und US-Amerikaner sein, doch leider haben die FIVB-Funktionäre nicht ganz zu Ende gedacht.


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