Olympische Spiele 2012 - Interview Andreas Künkler

Olympia 2012 - Interview Andreas Künkler

„Welche Frage ich während Olympia gerne hören würde? Wie unsere Chancen im Halbfinale stehen.“ Andreas Künkler ist seit dem Jahr 2006 Trainer des Nationalduos Katrin Holtwick/Ilka Semmler, in London erlebt er seine vierten Olympischen Spiele. In einem Interview mit beach-volleyball.de spricht er über konspirative Wohngemeinschaften und Baustrahler als Olympia-Vorbereitung.

Olympia-Special und redaktionelle Serie zu den Olympischen Spielen

In unserem Olympia-Special findet ihr bereits alle wichtigen Informationen rund um die Olympischen Spiele. Bis zum ersten Anpfiff und auch während des Turniers stellen wir euch in loser Reihenfolge die Personen vor, die für die kommenden Olympischen Spiele von Bedeutung sind. Bereits erschienen ist ein Interview mit den Topfavoriten bei den Männern, den US-Amerikanern Phil Dalhausser und Todd Rogers.

Olympia ist der Höhepunkt einer jeden Sportlerkarriere – so auch für die weltbesten Beach-Volleyball-Spieler, die vom 28. Juli bis zum 9. August in London um Medaillen kämpfen. Doch auch die Trainer sind ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Athleten in London. Im Interview mit beach-volleyball.de schildern die Personen, was sie bewegt: Andreas Künkler betreut Katrin Holtwick und Ilka Semmler, aktuell auf Platz elf der Weltrangliste, seit sechs Jahren und möchte in London kein Déjà-vu der vergangenen Spiele erleben.

 

Du bist schon sehr lange Trainer von Katrin und Ilka. Worin haben sie sich am meisten verbessert?

„Sie haben sich natürlich spielerisch und auch athletisch in allen Elementen verbessert im Laufe der Jahre. Der größte Sprung, den wir jetzt in letzter Zeit gemacht haben, ist einfach, dass sie im Kopf stabiler geworden sind. Auch durch Hilfe von außen, durch den Sportpsychologen Lothar Linz, aber auch durch ihre Persönlichkeitsentwicklung, durch viele Gespräche auch im Team. Dadurch sind sie einfach nicht mehr so schnell aus dem Konzept zu bringen wie früher. Es war ja so, dass es früher öfters mal völlig chaotische Spiele gab, wo gar nichts mehr ging. Das ist jetzt, gerade in dieser Saison, kaum vorgekommen.“

Wenn du dir jetzt vorstellt, dass die beiden im Halbfinale in London stehen, was sagst du speziell Katrin vor der Partie?

„Ihr speziell sage ich, sie soll mutig sein in allen Aktionen. Das heißt, im Aufschlag volles Risiko zu gehen, sich im Angriff auch was zuzutrauen, immer mutig draufzuhauen und auch mal Fehler zu akzeptieren.“

Was sagst du zu Ilka?

„Ilka sage ich, sie soll sich auf ihre Instinkte verlassen und nicht immer nur das machen, insbesondere im Block, was sie vorher plant, sondern mehr noch auf sich selbst, auf ihre Instinkte, auf ihren Riecher vertrauen.“ 

Wie sehen eure letzten Tage vor London aus?

„Ich hatte mir für unser Abschlusstrainingslager in Berlin noch was Besonderes ausgedacht. Von Samstagabend an sind wir für vier Tage in Berlin, bis heute noch, am Mittwoch reisen wir dann nach London. Hier hatten wir sensationell gute Trainingspartner mit Karla Borger und Britta Büthe, die so freundlich waren, extra aus Klagenfurt nach Berlin zu fahren und uns hier auch unsere Gegner zu simulieren. Wir haben und wirklich ein paar besondere Sachen für die Mädels ausgedacht, ich denke, das war wirklich eine gute Geschichte.“

Was waren das für Besonderheiten?

„Wir haben ein Feld am Olympiastützpunkt mit Baustrahlern ausgerüstet, im Flutlicht eine Night Session simuliert. Bis Mitternacht haben wir trainiert und uns mit der zunehmenden Kälte und den Mücken auseinandergesetzt. Karla und Britta habe ich Spielerprofile unserer Gegnerinnen gegeben und ihnen gesagt, ‚heute bist du Juliana und greifst so und so an und schlägst so und so auf‘. Gestern hatten wir dann ein nettes Abschlussessen mit dem Team und Freunden, wo uns ein japanischer Spitzenkoch verwöhnt hat.“   

Wie werden eure ersten Tage in London vor Ort aussehen?

„Am Mittwoch Anreise für die Mädels, damit sie dann im olympischen Dorf direkt einchecken können. Das alles aufsaugen da, das dauert ja auch schon ein paar Stunden, eh man erst einmal akkreditiert ist. Danach werden sie die Zimmer in der WG beziehen und sich im olympischen Dorf umgucken. Den Mittwoch sollen sie komplett da verbringen, einfach mal alles gucken, das ist ja alles neu für sie. Ab Donnerstag und am Freitag jeweils eine Stunde Training, aber dann eben auch Freiräume für andere Dinge. Mit der Familie vielleicht London mal anschauen oder einfach mal die Wettkampfstätten ansehen, das ist ja auch was Besonderes, wenn man die zum ersten Mal sieht. Das ist ja alles ganz groß und toll, da sollte man sich auch mal ein bis zwei Stunden außerhalb vom Training aufhalten. Dann kam die Entscheidung mit dem Spielplan, das wir nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen werden, da wir am Samstagmorgen gleich das zweite Spiel haben.“ 

Du lässt dir die Eröffnungsfeier aber nicht entgehen?

„Für mich gilt das gleiche. Ich mache jetzt nichts, was die Mädels nicht machen sollten. Ich habe in Peking die Eröffnungsfeier mitgemacht, das war ein tolles Erlebnis, mir wäre es aber lieber, wenn wir das erste Spiel gewinnen.“

Woran werdet ihr im Training vor Ort speziell noch arbeiten?

„Wir werden uns nochmal ein paar besondere Kombinationen im Angriff antrainieren. Die kommen jetzt nicht aus dem Nichts, müssen aber nochmal gefestigt werden. Und wir werden nochmal speziell am Verhalten bei Block-Lösesituationen arbeiten.“

Wer fährt mit dir mit?

„Für mich kommt meine Frau Julia nach den ersten ein, zwei Vorrundenspielen und bleibt dann auf jeden Fall. Mein Vater und meine Schwiegereltern kommen auch, wobei ich das jetzt nicht so sehe, dass sie für mich kommen, sondern eher für das Team und aus Interesse an den Spielen. Ich wohne von Anfang an in einer WG mit Marc Stöckel, unserem Manager. Ansonsten ist noch der Lothar Linz dabei, unser Sportpsychologe. Wir versuchen so von außerhalb eine konspirative WG zu gründen, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden und auch ein Ort der Ruhe ist.“

Aus eurer ‚konspirativen‘ WG könnte man sicherlich auch gut eine Fernsehsendung für Beach-Volleyball schalten…

„Genau. Die Beach-WG oder so, das müssen wir uns noch überlegen.“

Wie werdet ihr vor Ort mit den anderen deutschen Beach-Teams umgehen?

„Das wird dieses Mal glaube ich ganz anders als bei den letzten Olympischen Spielen. Ich habe das jetzt schon mehrfach erlebt und es war immer ein Konkurrenzkampf bis auf die letzte Rille, sowohl im männlichen als auch im weiblichen Bereich bei den 2004er- und 2008er-Spielen. Das war dieses Jahr gar nicht so. Gerade im weiblichen Bereich, das weiß ja jeder, sind Goller/Ludwig und Holtwick/Semmler seit Jahren befreundet und machen eh schon immer viel zusammen, auch Privat. Auch Brink/Reckermann sind schon deutlich mehr Team-Player von einem gesamtdeutschen olympischen Beach-Volleyballteam als noch vor Jahren, als sie mehr Einzelgänger waren. Ich denke, wir werden jetzt tatsächlich zum ersten Mal eine richtig geile Teamstimmung haben, wo wirklich jeder dem anderen gönnt, dass er so weit wie möglich kommt. Klar, wenn man gegeneinander spielt, ist es was anderes, aber ich glaube schon, dass es vom Team-Spirit gut wird. Da freue ich mich auch drauf, auch auf die anderen Leute, die mit dabei sind, Ray Wenning vom deutschen Volleyball-Verband oder auch unsere Physiotherapeutin Renate. Das wird eine gute Sache.“

Wie oft denkst du täglich an London?

„Oh. Oft während der Trainingsphasen oder wettkampffreien Zeit. Auf den letzten Turnieren allerdings, wie in Berlin zum Beispiel, habe ich nur ganz selten dran gedacht, da lag der Fokus dann doch schon mehr auf das Tagesgeschehen. Ansonsten ist es schon so, dass ich auf jeden Fall abends vor dem Schlafengehen fast immer noch darüber nachdenke.“

Welches Ziel ist realistisch für Katrin und Ilka?

„Realistisch ist, in Etappen zu denken. Das heißt, als erstes Mal aus dem Pool rauszukommen, dann ist man automatisch schon Neunter. Und dann wollen wir auf jeden Fall das erste K.o.-Spiel gewinnen. Wenn wir dann tatsächlich so weit sind, werden wir uns zusammensetzen und überlegen, wo der Weg noch hingehen kann.“

Und welche Zielsetzung habt ihr?

„Wie gesagt, unser erstes Teilziel ist, das erste K.o.-Runden Spiel zu gewinnen, damit ist man Fünfter. Und dann aber nochmal zu gucken, gegen wen spielt man als nächstes, wer ist noch im Rennen – dann werden wir das wieder neu definieren.“

Welche Frage sollten wir dir in London nicht stellen?

„Nicht stellen solltest du vielleicht die Frage, ob es in London für mich persönlich noch einmal so ein Déjà-vu gibt wie in Peking 2008, als mein mitfavorisiertes Team eine komplette Bauchlandung hinlegte. Sprich, ob man da noch viel darüber nachdenkt oder ob man so was noch einmal erlebt.“

Und welche Frage würdest du gerne hören?

„Wie unsere Chancen im Halbfinale sind.“

Andi, vervollständige bitte folgende Sätze. Wenn der erste Angriff von meinen Mädels kommt, dann…

„…halte ich die Luft an.“

Für London hoffe ich, dass…

„…wir unsere gute Form in Ergebnisse umsetzen können.“

London ist…

„…eine tolle Stadt und ein guter Ort für Olympische Spiele.“

Ich bin glücklich in London, wenn…

„…wir so spielen, wie wir können und die entsprechend gerechte Platzierung dabei heraus kommt.“

Aus London nehme ich…

„…hoffentlich eine Medaille mit.“ 

Andi, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Olympischen Spiele! 


Andreas Künkler ist Doktor der Trainingswissenschaft und begann seine Trainer-Karriere vor 26 Jahren, seit 1996 ist er als Beach-Trainer tätig. Zuerst arbeitete Künkler im Beach-Jugendbereich des WVV, 2002 wechselte er in den Erwachsenen-Leistungssport und trainierte bis zur Saison 2005 das Team Julius Brink/Kjell Schneider, das bei der Weltmeisterschaft in Berlin Bronze gewann. Anschließend wurde er Trainer des Teams Brink/Dieckmann, das im Jahr 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking als Medaillenkandidat spektakulär in der Vorrunde scheiterte. Seit 2006 betreut der 44-Jährige Katrin Holtwick und Ilka Semmler, das nach der Auflösung des Teams Brink/Dieckmann das vorrangig von ihm betreute Duo ist.  

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