Die Peitsche am Aufschlag

Junioren

Simon Pfretzschner gilt als eines der größten deutschen Beach-Volleyball-Talente – auch deshalb warnen einige Experten schon jetzt vor zu hohen Erwartungen. Pfretzschner selbst hat ein klares Ziel: Olympia-Gold.

„Der Junge hat ein sehr hohes Potenzial”

Es gibt nicht viele Talente, die schon mit Lobeshymnen bedacht werden, bevor sie wirkliche Heldentaten vollbracht haben. Bei dem Beach-Volleyball-Spieler Simon Pfretzschner (18) müsste es eigentlich in den Ohren klingeln, würde er all das hören können, was über ihn erzählt wird.

Kay Matysik, Nachwuchs-Bundestrainer am Berliner Stützpunkt, sagt: „An Simon werden wir noch viel Freude haben.” Fabian Tobias, Bundesstützpunkttrainer in Hamburg, sagt: „Simon muss nur eine Hantel anschauen, dann bekommt er schon Muskelzuwachs.” Markus Dieckmann, Deutscher Meister, Europameister, Olympia-Teilnehmer, sagt: „Der Junge hat ein sehr hohes Potenzial.” Dieckmann ist erfahren genug und hat schon andere Straucheln gesehen, daher warnt er: „Man sollte ihn nicht schon jetzt auf einen zu hohen Sockel stellen.”

Bei einer Sichtung des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) Anfang Januar in Hamburg hat er ihn zum ersten Mal im Training beobachten können. Dabei fiel eins auf: Wenn Simon Pfretzschner zum Aufschlag antrat und den Ball perfekt traf, dann hörte sich das in der riesigen Halle an wie ein Peitschenschlag. Das kennt auch sein Bruder Lukas, der rund zwei Jahre älter ist: „Er ist mittlerweile stärker als ich und haut schon irre Aufschläge übers Netz.”

Wenn das Knie mehr verhindert

Der Hochgelobte weiß selbst, dass er den Ball flach halten wird. Das hat ihn seine noch kurze Karriere schon gelernt. Seit August 2018 ist er im Bundestützpunkt Berlin angesiedelt und hat dort ein Jahr mit den gleichaltrigen Mitspielern der Jahrgänge 2001/2002 in der 3. Liga Hallen-Volleyball gespielt – konnte aber mit dem Einstiegsjahr nicht zufrieden sein: „Bis Dezember konnte ich spielen, dann meldete sich mein rechtes Knie mit einer chronischen Entzündung in der Patellaspitze”, sagt Simon Pfretzschner.

Mit Blick auf die Beach-Volleyball-Saison 2019 hat er das Programm verändert, spielte als Libero in der Halle, machte keine Sprünge mehr im Training. Offenbar war das Knie der gestiegenen Belastung nicht gewachsen, „es war ein dauerndes on und off, mal Schmerzen, mal nicht.”

Simon Pfretzschner hatte wie sein Bruder Lukas lange Zeit beim ASV Dachau gespielt, ebenfalls in der 3. Liga. Annahme-Außen war seine Position und schon früh war klar, da wächst einer heran.

Der Weg nach Berlin, um eine zentrierte Förderung zu erfahren, lag schnell auf der Hand. Lukas war schon seit einem Jahr dort untergebracht, und musste keine Überzeugungsarbeit leisten: „Lukas hat mir nicht abgeraten, nach Berlin zu gehen, er hat ja selbst sehr schnell sportliche Fortschritte gemacht.”

Die wollte Simon auch machen, doch erst einmal musste die Reißleine gezogen werden. Denn auch im Sand lief es nur suboptimal. Zwei Turniere konnte er im Frühsommer 2019 mit Filip John bestreiten. Ein Kategorie-1-Turnier in Hannover (Platz sieben) und den Auftakt der Techniker Beach Tour in Münster (Platz neun). Auf dem Schlossplatz der Westfalen-Metropole trafen John/Pfretzschner im Achtelfinale auf Pfretzschner/Sowa, ein Duell also auch der beiden Brüder gegeneinander. Der Sieg ging mit 15:9 im Tiebreak an den großen Bruder.

Bock zu zocken

Beide sind sie Abwehrspieler und insofern auch Konkurrenten, aber auf dem Weg nach oben unterstützen sie sich: „Klar will ich besser sein als er”, sagt Simon, „aber ich will auch besser sein als alle anderen.” Lukas definiert seine Ziele mit den Worten: „Olympia-Gold zu gewinnen hängt von so vielen Faktoren ab. Selbst wenn man der Beste der Welt ist, garantiert das kein Olympia-Gold. Mit dem, was ich wirklich liebe, will ich meinen Lebensunterhalt bestreiten und vielleicht mal eine Familie ernähren können.”

Für Simon muss auf die Frage nach seinem Ziel keine Sekunde lang überlegen: „Gold bei Olympia.” Etwas anderes gibt es nicht. „Ich bin schon immer sehr wettkampffreudig gewesen, habe Bock zu Zocken, stehe sehr gern auf dem Feld.”

In der Trainingshalle der Beach-Volleyballer auf dem Gelände des Sportforums in Hohenschönhausen hängen unter der Decke riesengroße Poster deutscher Beach-Helden: Brink/Reckermann, Ludwig/Walkenhorst, Kay Matysik, Jonathan Erdmann. Olympia-Sieger, Weltmeister, Europameister, die hierzulande Geschichte geschrieben haben. Simon Pfretzschner kennt nur Matysik und Erdmann persönlich, aber die Fotos hat er abgespeichert: „In der Trinkpause guckt man natürlich immer nach oben. Ich hoffe, dass ich auch mal da oben landen werde.” Wenn man von nichts träumt, wird auch nichts kommen.

„Realistische Chancen auf Olympia“

Bislang lassen die Erfolge auf sich warten, zumindest im Erwachsenenbereich. Der Name Pfretzschner taucht seit Jahren in den Listen der Deutschen Jugendmeister auf. Namen wie die der Sagstetters, Johns und Pfretzschner werden dort immer wieder aufgelistet, auch in anderen Konstellationen, auch mal zusammengewürfelt.

Das ist ein Anfang, Simon Pfretzschner will mehr, musste aber lernen, das Tempo zu drosseln. Nach dem Start in Münster hat er eine Pause eingelegt, mehrere Monate lang ging es nur darum, die Entzündung auszukurieren. „Jetzt fühlt es sich sehr gut an”, sagt er Mitte Januar, „ich war schon lange nicht mehr so zufrieden mit meiner Physis.” Im Sommer 2020 will er eine Saison lang komplett im Sand spielen, auch, um die Reaktion des Knies abzuwarten.

Ein möglicher Partner hätte Jonathan Erdmann sein können, doch der hat Simon Pfretzschner abgesagt und sich für seinen Teamkameraden Theo Timmerman von den Netzhoppers KW-Bestensee entschieden. Simon Pfretzschner ist noch auf Partnersuche und dann soll es auch endlich schneller nach oben gehen auf der Erfolgsleiter, um dem ganz großen Traum von Olympia näher zu kommen. „Das ist doch der Traum eines jeden Sportlers”, sagt Simon Pfretzschner, „und ich habe im Beach-Volleyball realistische Chancen, das zu erreichen, wenn ich weiter hart an mir arbeite.”

Handzeichen im Beach-Volleyball

Die "Road to Timmendorfer Strand" startet am 17.7. Wenn du dich mit den Handzeichen und den dazugehörigen Block-/Abwehrstrategien noch nicht auskennst, findest du hier die Erklärung und bist damit optimal vorbereitet.

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