Im Kampf um das Recht auf Sport: Ein Aufruf an die Politik

Techniker Beach Tour

Rechtsanwalt Ricardho (Düsseldorf) will sich mit dem Sportverbot nicht abfinden und hat sich an die Landesregierung Nordrhein-Westfalens gewandt.

Mit Leidenschaft nicht nur auf dem Feld

Ricardho ist leidenschaftlicher Beach-Volleyball-Fan und Amateurspieler. Vor gut 13 Jahren haben den Rechtsanwalt aus Düsseldorf Spielerinnen wie Laura Ludwig und Sarah Goller auf die Sandspur gebracht, als Fan und bald Freund und Berater von Brink/Reckermann ist er den späteren Olympiasiegern schon damals auf der World Tour hinterhergereist. Aktuell unterstützt er Teams wie Becker/Schröder, Behrens/Tillmann und die Overländer-Twins Sarah und Lena bei strategischen Themen oder promotet sie auch. Teams, die zuletzt auf den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand zu sehen waren und sich Mitte Mai beim Start der Techniker Beach Tour 2020 in Münster präsentieren wollten. Daraus wird bekanntlich nichts, die Tour ist abgesagt.

In Zeiten der Corona-Krise, in der auch Sporttreiben auf öffentlichem oder privatem Gelände untersagt ist, juckt es auch ihn natürlich in den Fingern. Sogar so sehr, dass er sich rechtliche Gedanken um die Verhältnismäßigkeit des pauschalen Sportverbotes machte und an Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes Nordrhein-Westfalen gewandt hat.

Unter seinem richtigen Namen Horst Schmidt hat er Andrea Milz wissen lassen, dass er „größtes Verständnis für den Inhalt der sehr eilbedürftig erstellen Rechtsverordnung des Gesundheitsministeriums vom 22. März 2020 hat”, er aber doch darum bittet „ernsthaft und seriös zu erwägen, dass/ob die Sportart Beach-Volleyball im Freien, bei der vier Personen auf 128 qm Spielfläche mit zwei Spielern auf jeder Feldseite nicht doch erlaubt werden kann.” Die Begründung einer Kontamination des Balles hält er für absurd, ebenso wie die Begründung einer „nachher möglicherweise eintretenden Geselligkeit”, wie sie im Tennis für das Verbot des Spiels eins gegen eins herhalten musste.

Sportverbände wie Tennis und Golfen machen sich bereits länger stark für die Aufhebung des Verbotes des Sportbetriebs, weiß Ricardho. In beiden Sportarten gibt es kaum körperliche Nähe zum Gegenspieler, und dass durch die Spielgeräte wie einem Tennisball das Virus übertragen werden kann, hält auch die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig für keine Gefahr. Brinkmann wurde mit den Worten zitiert: „Ich sehe beim normalen Umgang mit einem Tennisball kein Problem, zumindest unter der Voraussetzung, dass die Spieler nicht kräftig auf den Ball spucken und ihn dem Gegner in den Mund werfen.”

Kollisionslagen gibt es auch im Sand

Das gilt als ziemlich ausgeschlossen. Ricardho weist in seinem Schreiben an die Staatssekretärin auch auf das Klientel im Beach-Volleyball hin: „Eine überwiegend von Akademikern und gebildeten Personen, zumeist auch deutlich über 18, betriebene Sportart.” Er weiß aber auch, dass es in der Sandvariante des Volleyballsports zu körperlicher Nähe kommen kann, „wie bei einer Husband-and-Wive-Situation oder beim Blocken am Netz.” Da dauert zwar der Moment der Nähe oder der eventuellen Berührung nur eine sehr kurze Zeit, zu kurz, um als Einwirkzeit für einen Virus zu gelten.

Aber Ricardho befürchtet, dass diese „Kollisionslagen” vom anzurufenden Oberverwaltungsgericht Münster dazu genutzt werden könnten, das Verbot von Beach-Volleyball auf dem Rechtswege nicht aufzuheben. Eine solche Klage gegen die pauschale Sportsverbotsnorm der ab heute geltenden Corona-Schutzverordnung NRW zieht er durchaus in Betracht, wie er schreibt: „Es wäre bedauerlich, wenn nach dem 19. April diese Sportart weiterhin verboten bliebe. Ich müsste mir vorbehalten, aus dem Gesichtspunkt der Unverhältnismäßigkeit und auch wegen des Verstoßes gegen Art. 3 des Grundgesetz in Verbindung mit den erlaubten Lockerungen im Fußball, eine etwaige, das Verbot unter anderem auch von Beach-Volleyball umfassende (neue) Rechtsverordnung vor dem Oberverwaltungsgericht Münster zur Überprüfung stellen zu müssen.” In Artikel 3 geht es um das Gleichheitsrecht, und das sieht Ricardho nicht gewahrt, wo doch Bundesliga-Fußballer schon wieder gemeinsam trainieren dürfen, wenn auch unter Auflagen. Zudem gibt es andere Landesregierungen, die Ausnahmeregelungen für beispielsweise Tennis und Golfen aufgestellt haben.

Ende April wird wieder neu beraten und beschlossen

Eine Antwort hat er von der Staatssekretärin bereits erhalten, in der sie ihr Interesse am Sport bekundet, aber inhaltlich nicht auf Ricardhos Forderungen eingeht. Immerhin lässt sie durchblicken, es werde in kleinen Schritten daran gearbeitet, den Sport wie das gesamte öffentliche Leben Schritt für Schritt wieder zu aktivieren: „Die muss jedoch gut vorbereitet werden und in jedem Einzelfall durch Schutzmaßnahmen so begleitet werden, dass das Entstehen neuer Infektionsketten bestmöglich vermieden wird.”

Und weiter: „Die Länder und der Bund werden sich am 30. April, also in gut zehn Tagen, wieder austauschen. Wir hoffen sehr, dass dann ab dem 4. Mai erste Lockerungen der Beschränkungsmaßnahmen im Sport erfolgen können.” Bis dahin wird sich auch Ricardho gedulden müssen, wenn nicht noch länger, bis er wieder selbst aktiv den Sand umwühlen darf.

Wer wo spielt (17. - 19.7.)

Auf den beiden Turnierseiten findest du alle Infos.

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