Kein echtes Leben: Nur gucken, nicht anfassen

Techniker Beach Tour

Für Anna Behlen sind die aktuellen Zeiten unwirklich: Beach-Volleyball ohne Blocken und Praxisausbildung bei der Polizei als Trockenübung: „Geht gar nicht.” Die Kielerin hofft auf bessere Tage.

Wohin Anna Behlen auch schaut: „Praxis ohne Anfassen”

Beach-Volleyball ohne Blocken und ohne in die Mitte zu spielen – das ist nicht Beach-Volleyball. Turnen ohne Hilfestellung – ist viel zu gefährlich und im normalen Sportalltag nicht erlaubt. Und eine Praxisausbildung bei der Polizei, also Durchsuchungen, Festnahmen, Lösen von Widerständen? Unrealistisch. „Ist wie Praxis ohne Anfassen”, sagt Anna Behlen. Die 27-Jährige erlebt in diesen ungewöhnlichen Zeiten viele neue Facetten, die sie sich bis dato nicht vorstellen konnte.

Anna Behlen, mit Partnerin Anne Krohn Fünfte bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Timmendorfer Strand, Ranglisten-Zehnte im DVV-Teamranking, Siegerin beim Zinnowitzer Turnier der Techniker Beach Tour im vergangenen Sommer, im normalen Leben Kriminalkommissaranwärterin. Die Kielerin studiert aktuell bei der Polizei in Altenholz und hätte im zweiten Semester eine Praxis-Ausbildung in Eutin mitgemacht. Hätte, denn de facto ist für sie Home Office angesagt.

Nach einer achtwöchigen Corona-Pause rollt die Ausbildungsmaschine immerhin langsam wieder an, wenn auch nur im Wechsel zwischen Praxis und Lernen daheim. Im praktischen Teil „geht es primär darum, zu lernen, wie gehe ich mit Menschen um, in welchen Situationen werden wie Widerstände gelöst, Leute in Gewahrsam genommen, Durchsuchungen ausgeführt.” Und dass ist nicht machbar, ohne Kontakt zu Menschen zu haben, sagt sie. Anna Behlens Bruder studiert Sport und soll derzeit Turnen ohne Hilfestellung. „Das ist ähnlich absurd.” Aber was bleibt ist, „das Beste daraus zu machen”.

Auch wenn sie manche Entscheidungen der Politik und Gesetzgeber für nicht „austariert genug hält”: „Ich bin sehr sportinteressiert, aber mir jetzt Fußball anzuschauen, macht überhaupt keinen Spaß.” Natürlich geht es in der Kickerbranche auch um jede Menge Arbeitsplätze, weiß sie, „aber es dreht sich auch sehr viel um Fernsehgelder. Die Polizei kann ihre Ausbildung nicht richtig anbieten, viele Innenjobs sind nur per Home office möglich, vieles ist heruntergefahren, aber die Fußball-Bundesliga darf trainieren und spielen.” Da vergeht ihr der Spaß.

Tolle Ausbeute bei der Premierensaison mit Anne Krohn

Die vergangene Saison im Sand gehörte sicher zu ihren besten, es war ihre erste mit Anne Krohn. Bei allen acht Stops der Techniker Beach Tour erzielten sie eine einstellige Platzierung und unterstrichen dabei, was sie auch ausmacht: „Anne und ich haben uns über die Wettkämpfe die Praxiserfahrung geholt, die wir gebraucht haben, um die fehlenden gemeinsamen Trainingsphasen auszugleichen.” Behlen, die Ende 2019 auch zur „Sportlerin des Jahres in Schleswig-Holstein” gewählt wurde, lebt und arbeitet in Kiel, Krohn im fast 300 Kilometer entfernten Stralsund.

In diesem Jahr haben sie sich noch nicht gesehen, alle Kontaktaufnahmen liefen fernmündlich ab und es zeichnet sich auch keine Änderung ab. Die Idee einer Beach-Liga, die ab Mitte Juni in Düsseldorf stattfinden soll, findet Anna Behlen „vom Grundsatz her gut, weil dadurch etwas in unserem Sport angeboten wird.” Aber für das Duo Behlen/Krohn kommt eine Teilnahme nicht infrage: „Mitspielen werden nur die, die es sich erlauben können, dafür zwei Wochen Urlaub nehmen zu können. Anne und ich sind berufstätig, das klappt bei uns nicht.”

Vielleicht findet das erste Wiedersehen überhaupt rund um die Austragung der Deutschen Meisterschaften Anfang September in Timmendorfer Strand statt, aber auch die ist nach wie vor fraglich. „Alle freuen sich auf die Tage in Timmendorf, weil die Atmosphäre so einzigartig ist.” Aber eine DM ohne Zuschauer, weil es die Corona-Epidemie erfordert? „Ich sehe mich da noch nicht spielen.”

Ihr großer Wunsch: „Kommt alle heil durch die Krise!”

In Schleswig-Holstein sind seit gut zwei Wochen die Spielfelder für Beach-Volleyball wieder geöffnet, was Anna Behlen und ihr Freundeskreis vom ersten Tag an ausgenutzt haben. Aber es ist kein echtes Training oder Spielen, „mehr ein sich mal wieder bewegen und an den Ball gewöhnen, statt zu joggen oder in der Bude zu sitzen.” Vor ein paar Tagen war sie Segeln mit zwei Skippern aus dem familiären Umfeld. Schöne Abwechslung, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, aber eben kein Beach-Volleyball. Es fehlen auch die großen Ziele wie die Tour-Teilnahme oder eben Wettkämpfe überhaupt.

Anna Behlen macht sich auch Sorgen um die Zukunft ihres Sports, um die Veranstalter und Macher der Tour, weil deren Arbeitsplätze in Gefahr sind. Aktuell weiß keiner, wie es im kommenden Jahr aussehen wird, 2020 ist ihr erster Sommer ohne Beach-Volleyball. Seit 2008 taucht sie in den Ergebnislisten bei Beach-Tournieren auf. Da ist die Sehnsucht verständlich und genauso ihr großer Wunsch, „dass alle in der Beach-Volleyball-Familie heil rauskommen aus der Krise.”

Wer wo spielt (17. - 19.7.)

Auf den beiden Turnierseiten findest du alle Infos.

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