„Macke” auf dem Weg in einen neuen Markt

Vermarktung

Ein Pionier verabschiedet sich aus der Beach-Volleyball-Szene: Frank Mackerodt startet eine Ausbildung zum Kaufmann, um in Hamburg einen Lebensmittelmarkt zu übernehmen.

Mit 57 ein mutiger Schritt in ein neues Kapitel

Frank Mackerodt darf als Pionier der Sportart Beach-Volleyball hierzulande eingestuft werden. Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends ist der Hamburger Junge als Spieler von der Halle in den Sand gewechselt und hat die Entwicklung der Sandvariante Volleyballs entscheidend mitgestaltet. Nun zieht er einen Schlussstrich unter das Kapitel: „Macke”, 57, hat die Akte Beach-Volleyball zugeklappt und fängt in diesen Tagen eine einjährige verkürzte Ausbildung als Kaufmann beim Rewe-Konzern an, um in gut zwölf Monaten als Unternehmer in eine Hamburger Filiale einzusteigen.

Es ist für den Konzern mit Sitz in Köln nicht das erste Mal, dass er auf ein prominentes Gesicht als Markenbotschafter setzt. Ebenfalls in Hamburg haben vor ein paar Jahren Holger Stanislawski, früherer Trainer und Spieler des FC St. Pauli, und Alexander Laas, Ex-Profi beim Hamburger SV, ein Center übernommen. Frank Mackerodt ist in der Hansestadt auch eine bekannte Größe. Als Volleyballer des HSV mit 111 Länderspielen, mit jeweils vier Meistertiteln und Pokalsiegen, zum einen, als Beach-Volleyballer (Deutscher Vizemeister 1993) ebenso, aber auch als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied des HSV.

Nach der WM änderten sich die Zeiten

Dass er sich nun nach fast 30 Jahren aus Beach-Volleyball verabschiedet hat mehrere Gründe. Die Weltmeisterschaft 2019 in seiner Heimatstadt war das i-Tüpfelchen, als Thole/Wickler mit dem Gewinn der Silbermedaille dafür sorgten, dass nicht nur ganz Hamburg aus dem Häuschen war. „Was soll jetzt noch kommen?”, fragte sich Frank Mackerodt. Einerseits hatte ihm DVV-Präsident René Hecht bei einem Essen während der WM eine Vertragsverlängerung mit Mackerodts Beach-Services Veranstaltungsgesellschaft für zwei Jahre plus Option für zwei weitere Jahre angeboten. „Bei der Hamburger Sportgala Mitte Dezember hat er das noch einmal bekräftigt”, sagt Mackerodt. Doch die Dinge entwickelten sich anders, zumal es personelle Veränderungen bei der Deutschen Volleyball- und Sport GmbH, der Vermarktungsgesellschaft des Verbandes gab.

Seit im März wegen Corona die Techniker Beach Tour abgesagt wurde, seit der Vertrag mit Mackerodt gekündigt wurde, und weil es letztlich keine Gespräche mehr miteinander gab, stand Mackerodts berufliche Veränderung endgültig fest: „Mit 61 mache ich das nicht mehr, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.” Hecht sagt über die Entwicklung: „Mit seinem Einsatz und Willen hat er einen wichtigen Beitrag zur rasanten Entwicklung des Beach-Volleyballs geleistet, das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Unser Ziel war es, dass wir nach der Corona-Pause gemeinsam die Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften ausrichten und danach über eine Fortsetzung der Kooperation über das Jahr hinaus sprechen. Dass Frank sich in den aktuellen Zeiten aber anders orientiert, ist vollkommen nachvollziehbar.” Mackerodts Angebot für konzeptionelle Hilfen in Sachen Beach-Volleyball hat weiter Bestand: „Ich bin keinem böse und habe mich für einen anderen Weg entschlossen.”

An dessen Anfang eine einjährige Ausbildung steht, in der der 57-Jährige auch Testphasen bestehen muss: „Sollte ich das schaffen, hat mir Rewe die Leitung eines Marktes in Hamburg in Aussicht gestellt. Der würde mir zu achtzig Prozent gehören, zwanzig bleiben bei Rewe.” Zur Ausbildung gehört auch das Auffüllen von Regalen, um zu wissen, wie es funktioniert und sich anfühlt. „Ich freue mich darauf”, im Sport hat er auch mal klein angefangen.

Erste Erfahrungen auf Sand im spanischen Almeria

Mit 16 begann er das Volleyballspielen beim SC Langenhorn, wurde erfolgreich mit dem HSV und sammelte 1991 erste Erfahrungen auf sandigem Boden. Mit seinem Freund Hauke Braack nahm er an einem Turnier des Weltverbandes im spanischen Almeria teil, das Spuren hinterließ. „Mittags um zwölf Uhr bei 42 Grad Hitze gegen zwei spanische Nobodies fast zu verlieren, weil ich nichts mehr getroffen habe, war die eine Seite.” Mackerodt/Braack wurden Achte. Beeindruckender war das Ambiente: „Ein Stadion für 5000 Zuschauer und die Abendspiele, das ist bei mir hängengeblieben.” Mackerodt sagte sich: „Das funktioniert in Deutschland auch.”

Es entwickelte sich die deutsche Tour, 1995 fand in Berlin das erste Turnier der World Tour statt, 1996 wurde Beach-Volleyball olympisch, vier Jahre später gewannen Ahmann/Hager Olympia-Bronze in Sydney, 2012 wurden Brink/Reckermann Olympiasieger in London, 2016 Ludwig/Walkenhorst in Rio de Janeiro, kurz nachdem sie in Hamburg das erste Majors in Deutschland gewonnen hatten.

Der letzte Höhepunkt war die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr im Tennisstadion im Hamburger Rothenbaum: „Ich habe alles erreicht, wovon ich seit 1991 nicht mal zu Träumen gewagt habe.” Seither stellte er sich die Frage: „Was soll jetzt noch kommen?” Eine Steigerung wäre nur möglich mit vielen Neuerungen, „um das Niveau, das wir ohnehin schon hatten, weiter zu entwickeln.”

Die deutsche Serie gilt als die stärkste europäische Tour. „Wir waren die ersten, die bei Sportevents während der Pausen zwischen den Ballwechseln, Musik eingespielt haben. Wir sind in vielen Dingen Vorreiter gewesen.” Dank vieler Partner, die mutig waren, den Weg mitzugehen. Auch nach der Insolvenz 2003, so erzählt er, kamen sechs Wochen später die Sponsoren auf ihn zu: „Wir machen weiter, wenn Ihr auch weiter macht.”

Es gehört zu den Schlüsselerlebnissen der Vergangenheit, sagt er, und natürlich auch das Glück, die richtigen Wegbegleiter zu haben. Bei der Beach-Tour war es sein Freund Frank Ehrich, im Grunde sein Marktleiter in Sachen Beach-Volleyball, der wusste was zu tun ist. Gemeinsam firmierten sie in Büroräumen unter der Adresse „Rothenbaumchaussee 1” in Hamburg, von wo aus sie alles planten und organisierten: „Wir Frankies haben uns immer stark ergänzt. Ihm und seinem Team bin ich sehr dankbar.”

Steigerung muss her, um die Tour zu entwickeln

Mackerodt darf es sich erlauben, der Szene weiter Tipps zu geben, auch weil sein Herz daran hängt: „Die Sponsoren warten auf ein neues Konstrukt der DVS für das nächste Jahr. Vielleicht muss die Tour auf fünf, sechs Turniere verkleinert werden, mit kleineren Teilnehmerfeldern, mit höheren Preisgeldern, und der Garantie, dass Nationalteams regelmäßig am Start sind. Dazu eine Ebene darunter wie eine Art 2. Liga, um auch die 1. Liga zu stärken.” Darin sieht er die Zukunft Beach-Volleyballs hierzulande.” Er selbst wird sich gern weiter blicken lassen, „ich gehe ja nicht als persona non grata und wünsche der Szene nur das Beste.” Für sich selbst aber wird er sich auf und in einem neuen Markt bewegen.

Wer wo spielt (17. - 19.7.)

Auf den beiden Turnierseiten findest du alle Infos.

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