Ungeahnte Effekte: Ein Trainer vermisst seine Zöglinge

Techniker Beach Tour

Am Bundesstützpunkt Berlin ruht der Schul- und Trainingsbetrieb. Nachwuchs-Bundestrainer Kay Matysik macht neue Erfahrungen und muss auch Hiobsbotschaften verarbeiten.

Stützpunkt geschlossen – alle Athleten sind in ihren Heimatorten

Kay Matysik macht in diesen Tagen eine neue Erfahrung: „Ich fange an, meine Zöglinge zu vermissen.” Kein Wunder, seit gut drei Wochen sind alle seine Athleten, die der Ex-Nationalspieler in der Abteilung Beach-Volleyball als Nachwuchs-Bundestrainer sonst rund um die Uhr am Bundesstützpunkt im Berliner Sportforum Hohenschönhausen um sich versammelt hat, zuhause bei ihren Familien.

Wie die Pfretzschner-Brüder Lukas und Simon, die jetzt wieder bei ihren Eltern in Karlsfeld in der Nähe von München leben. Lukas Pfretzschner und Robin Sowa waren zum Zeitpunkt der Stützpunkt-Schließung in Australien, wo sie an einem Turnier der World Tour teilnehmen wollten, Simon Pfretzschner bereitete sich auf einen Start in Mexiko vor. Aber alles wurde abgesagt, jetzt sind sie wieder zurück auf deutschem Boden. „Wir haben uns auferlegt, von Tag zu Tag zu denken”, sagt Matysik, „wir können auch nur Hinweise geben oder die Maßnahmen der Behörden weiterreichen.”

Auch daheim muss geackert werden

Derzeit findet kein Training statt im großzügigen Areal für die Beach-Volleyballer. Matysik ist noch hin und wieder am Stützpunkt, um ein paar organisatorische Dinge zu erledigen. Im Übrigen steuert er die Betreuung vom Home Office am nordöstlichen Stadtrand Berlins aus. „Wir haben im Trainerteam die Köpfe zusammengesteckt, per Telefon natürlich, um Heimtrainingspläne zu erstellen.”

Die körperliche Fitness soll erhalten bleiben, Sprungkraft- und auch Balltraining bleiben angesagt. Mit jedem Athleten werden montags und freitags ab 8.30 Uhr Videotelefonate geführt, auch an Samstagen wird trainiert – jedenfalls so gut es geht.

Pech beim Heimtraining: Lea Kunst brach sich ein Sprunggelenk

Am vergangenen Montag gab es ein mehr als unangenehmes Meeting: Lea Kunst hatte sich beim Training im Garten daheim in Varel das rechte Sprunggelenk gebrochen. Sechs Wochen Pause in der ohnehin schon reduzierten Trainingsphase sind für Sportler keine Wohltat. Sie wollen ja was tun, um ihre Fitness zu wahren. Von den großen Saisonzielen hat sich die 18-Jährige ohnehin erst einmal verabschieden müssen.

Mit Svenja Müller wollte sie auf der Techniker Beach Tour durchstarten, die vor zwei Wochen abgesagt wurde. International wollten sie an der U-20-Europameisterschaft teilnehmen, die für Mitte August im tschechischen Brünn angesetzt und noch nicht abgesagt ist. Im vergangenen Jahr hatten Kunst/Müller bei der U-20-EM in Göteborg Platz neun belegt.

Lea Kunst ist vor anderthalb Jahren im Berliner Stützpunkt eingezogen und hat sich den Umzug vorher reiflich überlegt. Zwischen Varel und Berlin liegen fast 500 Kilometer, „aber ich habe es nicht bereut, es war die richtige Entscheidung.” Zumal sie in Varel oder dem nahe gelegenen Oldenburg kaum Möglichkeiten zu einer Förderung gehabt hätte, wie der in Berlin, und sie sich bereits klar für Beach-Volleyball ausgesprochen hat. Jetzt ist sie aber erst einmal in heimischen Gefilden und muss dort weiter Geduld haben, wie alle anderen Stützpunktathleten auch.

Beach-Anlagen sind vielerorts geschlossen, es wird improvisiert. Lukas Pfretzschner hat sich eine Netzanlage bestellt und den Vorteil, mit seinem Bruder Simon trainieren zu können. Wo es irgendwie geht, führen die Stützpunkttrainer Zweier-Kombinationen zusammen, Treffen von mehr als zwei Personen sind ohnehin nicht erlaubt.

Für die Trainer hat sich die Belastungssteuerung geändert: „Wenn wir sonst sofort korrigieren und eingreifen können, ist das jetzt nicht möglich.” Freitags gibt es das Angebot zu einem Online-Yoga-Training. Dabei können sich alle mal per Videoschalte wiedersehen. Die Athleten nutzen das, sie müssen ohnehin lernen, sich selbst zu trainieren. „Wer jetzt die Leidensfähigkeit hat, Schule und Sport selbständig fortzuführen, wird gegenüber seinen Mitkonkurrenten gestärkter herauskommen aus der Krise”, so Matysik.

Neue Challenge: Wann gibt’s ein Wiedersehen?

Die Corona-Krise stellt alle vor neue Herausforderungen. Matysik ist natürlich auch im privaten Bereich betroffen. Seine Freundin arbeitet in einem Krankenhaus, ihr Vater ist auch Arzt, weshalb beschlossen wurde, erst einmal getrennt zu leben. „Krasse Nummer, nach nur wenigen Tagen habe ich schon gemerkt, wie hart es ist”, sagt Matysik, der aber nicht klagen will: „Es geht uns gut.”

Mit seinen Athleten hat er derweil eine Challenge begonnen: „Die Fragestellung lautet: Wann werden wir wohl am Stützpunkt erstmals wieder gemeinsam trainieren?” Die Antworten liegen zwischen Anfang April und Anfang Juni. Lea Kunst hat auf den 1. Juni gesetzt. Wer am dichtesten dran liegt, wird belohnt, in der ersten Woche des Wiedersehens nicht den Sand harken zu müssen. Wahrscheinlich wären aber alle froh, wenn sie in diesen Tagen wenigstens harken könnten.

Deutschland-Camps 2020

Das Warten hat ein Ende. Die neue Übersicht der Deutschland-Camps 2020 ist da. Zusätzliche Wochenend-Camps und sogar Inlands-Camps über eine ganze Woche sind neu im Programm. Schau doch mal rein, ob etwas für dich dabei ist.

Muskelkater? Dann helfen diese Tipps

Wer endlich wieder das erste Training im Sand absolvieren konnte oder in Vorfreude darauf noch mal richtig Gas im Home Gym gegeben hat, der kennt ihn: den Muskelkater. Dr. Johannes Wimmer gibt dir Tipps.

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