Zwei Berliner mit World-Tour-Ambitionen

Neues Team

Eine neue Hauptstadt-Konstellation: Max Betzien und Dirk Westphal bilden in der kommenden Beach-Volleyball-Saison ein Team. Sobald die Hallensaison für Bundesliga-Spieler Westphal beendet ist, will das Duo loslegen – national, aber vor allem auch international.

Der Reiz des Neuen

Wenn Dirk Westphal über seine Sportart, die gleichzeitig seit 15 Jahren sein Beruf ist, spricht, gerät der 34-Jährige fast ins Schwärmen. „Volleyball ist für mich eine Passion. Das ist für mich Lebensqualität“, erzählt er, „ich habe nicht das Gefühl, zur Arbeit gehen zu müssen, ich spiele halt Volleyball. Ich mache das, was mich glücklich macht.“

Westphal war schon immer ein Weltenbummler, er hat Hallen-Volleyball in Deutschland, Italien, Belgien, Polen, Frankreich gespielt und war der erste deutsche Spieler, der in Iran aktiv war. In der Halle feierte der 2,03 Meter große Außenangreifer auch seinen größten Erfolg; mit der deutschen Nationalmannschaft holte er 2014 Bronze bei der Weltmeisterschaft. Seit 2018 ist er für die Netzhoppers KW-Bestensee in der deutschen Volleyball-Bundesliga aktiv. „Ich habe mein ganzes Leben lang Hallen-Volleyball gespielt und war dort auch deutlich erfolgreicher. Aber ich habe mich schon immer auf den Wechsel in den Sand gefreut, weil das einen neuen Anreiz bietet“, erklärt Westphal, der im Sommer seit 2016 regelmäßig auf der deutschen Beach-Volleyball-Tour zu sehen ist.

Als er im vergangenen Jahr spontan als Ersatzpartner einsprang, und mit Lukas Pfretzschner bei einem Drei-Sterne-Turnier in Lettland den 17. Platz belegte, wurde die Lust auf mehr internationale Luft geweckt: „Ich bin ein Typ, dem schnell langweilig wird. Wir können uns glücklich schätzen, so eine tolle Tour zu haben, aber was mir fehlt, ist der Reiz des Neuen“, bekräftigt Westphal. „Mir fehlt der Reiz, andere Leute zu sehen, andere Spielermentalitäten, andere Philosophien kennenzulernen und den Kick zu haben, in der Qualifikation innerhalb von 30 Minuten herauszufinden, wie man gegen Leute spielt, die du noch nie gesehen hast. Ich habe für mich gemerkt, dass ich viel konzentrierter bin.“ Mehr internationale Turniere sollten es also sein, und dafür hat Westphal den für ihn optimalen Partner gefunden: Max Betzien.

Schwierige Saison für Betzien

Betzien, 25 Jahre alt, ist ambitioniert, gehört zum Kader des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) – und er bringt internationale Punkte mit, die er vor allem in der ersten Saisonhälfte 2020 an der Seite von Jonathan Erdmann sammelte. Das Punktekonto hätte noch mehr wachsen können, hätte Erdmann nicht ab Ende Juni zunächst temporär, schließlich aber für die komplette restliche Spielzeit mit Sven Winter gespielt.

Betzien hadert heute vor allem mit dem Timing: „Das war insofern ungünstig, als dass im Juli einige internationale Turnier geplant waren und in diesem Zeitraum auch national keine Turniere stattfanden. Dadurch war eine Zeit lang kein Wettbewerb angesagt.“ Nach einer Knöchelverletzung war die Saison endgültig gelaufen, statt Techniker Beach Tour und Deutscher Meisterschaft standen Reha und Physiotherapie auf dem Plan. „Ich bin froh, dass ich wenigstens am Anfang der Saison ein bisschen was zeigen und gute Platzierungen holen konnte. Dadurch war die Saison nicht komplett unbefriedigend“, sagt der 1,95 Meter große Abwehrspieler.

So viel wie möglich international

Das große Saisonziel des Duos Betzien/Westphal ist die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand, trotzdem soll der Fokus auf den internationalen Turnieren liegen. „Wir sind ambitioniert und sind auch bereit, weit zu fahren, um Punkte zu sammeln und uns in den Ranglisten nach vorne zu arbeiten“, bekräftigt Westphal, „falls es passt, wollen wir gerade am Anfang der Saison lieber ein Zwei-Sterne-Turnier als einen nationalen Tourstopp spielen, um uns eine gute Ausgangsposition zu erarbeiten.“

Für das Duo wird es zu Beginn vor allem auf Spielpraxis ankommen, denn die Zeit für gemeinsames Training ist rar gesät: Die Vorbereitung kann erst beginnen, wenn die Hallensaison für Westphal beendet ist. Aktuell stehen die Netzhoppers auf dem achten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigen und den Start der Beach-Saison damit weiter verschieben würde. „Das ist das Kreuz, das Max mit seiner Wahl tragen muss. Ich bin nach dem Saisonende sofort für den Beach-Volleyball freigestellt, das werde ich nutzen“, sagt Westphal. Betzien trainiert in der Zwischenzeit in anderen Trainingsgruppen, arbeitet individuell im Kraftraum und in der Beachhalle.

Betzien und Westphal haben eine klare Vorstellung davon, was sie als Team leisten können: „Wir können im Sideout stark sein, wenn wir das liefern, was wir können. Die Block-Feldabwehr wird vermutlich eher nicht zu unseren Kernkompetenzen hören“, erklärt Westphal. „Heißt: Wir müssen den Gegner mit harten Aufschlägen so unter Druck setzen, dass wir einfache Situationen in Block-Feldabwehr kreieren können.“ Dazu bringen sie beide Erfahrung mit, sodass sie taktisch dem ein oder anderen Team voraus sein könnten, ergänzt Betzien. „Wir haben mittlerweile die Ruhe auf dem Feld, die Ballwechsel so zu gestalten, wie wir wollen.“

Von der Erfahrung von über einem Jahrzehnt Volleyball auf höchstem Niveau profitieren und seiner Leidenschaft nachgehen: Im Hinblick auf ein mögliches Karriereende mit 34 Jahren bleibt unterdessen Westphal ganz entspannt: „Ich mache das von Jahr zu Jahr abhängig. Solange ich mit dem, was ich auf dem Feld fabriziere, einverstanden bin, mache ich das so lange, wie es geht“, bekräftigt der Routinier. „Aber, wenn ich merke, dass ich jedes Spiel verliere und meine Knochen auch nicht mehr mitmachen, ziehe ich halt die Reißleine.“

Wer spielt wo (17.-19.7.)?

Auf den beiden Turnierseiten findest du alle Infos.

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