Als Ausrichter Weltklasse

Weltmeisterschaften 2017

Die Veranstalter der Beach-Volleyball-WM in Wien setzen organisatorisch neue Maßstäbe – auch sportlich wünscht sich das kleine Land mit der großen Exportkraft Erfolge.

Hannes Jagerhofer hat einen Traum: „Ein WM-Finale mit österreichischer Beteiligung“, wünscht sich der Veranstalter der Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft, die an diesem Freitag in Wien beginnt.

Einmal hat der 55-jährige Kärntner es in seiner Zeit als Turnierveranstalter bislang erlebt, dass ein österreichisches Team beim Heimturnier ganz oben auf dem Podest stand: 2013 gewannen die Schwestern Stefanie und Doris Schwaiger die Europameisterschaft in Klagenfurt. Sieben Duos wollen nun mit dem Heimpublikum im Rücken bei der WM auf der Wiener Donauinsel überraschen.

 

Doppler/Horst als Topteam unter Druck

Der größte Druck lastet auf dem Topteam der Männer, Clemens Doppler (36) und Alexander Horst (34) – das einzige Team der Österreicher, das sich über die Weltrangliste für das Großereignis qualifiziert hat. Europameistertitel hat Doppler bereits zwei (2003, 2007), mit Horst wurde er 2010 Vize-Europameister, außerdem haben beide Athleten schon einige Medaillen auf der World Tour erspielt – bei einer Weltmeisterschaft sind sie aber bislang noch nie über Platz neun hinausgekommen.

„Die WM ist das schwierigste Turnier mit den Besten der Besten. Olympia ist mit 24 Teams nicht zu vergleichen. Deshalb ist es umso schwerer, nach vorne zu kommen“, betont Doppler. 

48 Männer- und 48 Frauenteams kämpfen ab Freitag bis zum 6. August um Medaillen und um insgesamt eine Million US-Dollar Preisgeld. Jagerhofer traut Doppler/Horst viel zu. „Sie können alle schlagen“, bekräftigt er. Für die perfekten Bedingungen ist er zuständig. Im August 2016 gab der Weltverband FIVB im Rahmen der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro bekannt, dass die WM 2017 in der österreichischen Hauptstadt stattfindet. Ursprünglich war Sotschi in Russland als Austragungsort vorgesehen. „Die haben aber Probleme bekommen mit der Rubelabwertung und dem Öl“, erklärt Organisator Jagerhofer. Der Österreicher, der mit seinem Team der Swatch Major Series in dieser Saison die hochkarätigen Turniere auf der FIVB World Tour in Fort Lauderdale , Porec, Gstaad und Hamburg organisiert, übernahm kurzfristig. Damit ist Österreich das einzige Land der Welt, in dem nach Klagenfurt 2001 zum zweiten Mal eine Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft stattfindet. „Jetzt können wir den Wienern endlich mal Beach-Volleyball auf dem höchsten Niveau zeigen“, freut sich Jagerhofer. 

 

Beach-Volleyball-Disneyworld auf der Donauinsel

25 Tage dauert der Aufbau auf dem 65.000 Quadratmeter großen Eventgelände auf der Donauinsel. 2.500 Tonnen Sand werden in 100 Lkw-Ladungen geliefert, 500 Mitarbeiter sind im Dauereinsatz, in das eigens für die WM erbaute Stadion passen 10.000 Fans. „Das hat es weltweit noch nicht gegeben. Mit diesem Stadion, diesem Drumherum, den Attraktionen – das ist wie ein Beach-Volleyball-Disneyworld”, betont Jagerhofer.

Die WM als moderne Form der Sportveranstaltung versteht er als „großes Puzzle”. Wichtig seien nicht nur spektakulärer Sport und die Interaktion mit dem Publikum, auch die Nähe zu den Athleten und ein reichhaltiges Rahmenprogramm müssen geboten werden.

Mit 23 Attraktionen im Beach Village, einem Musik-Festival-Gelände und täglichen Side Events will Jagerhofer nicht nur das Publikum, sondern auch wichtige Sportfunktionäre wie den angekündigten IOC-Präsidenten Thomas Bach und potenzielle Sponsoren beeindrucken. „Denen wollen wir die Kraft dieser Sportart näher bringen.” Auf neun Millionen Euro beläuft sich das Budget und trotz der Erfahrung seiner Agentur ACTS mit Großturnieren, spürt Jagerhofer dieses Mal eine besondere Anspannung. „Klar gibt es einen Grund nervös zu sein”, sagt der Kärntner.

 

Österreichischer Verband hofft auf eine WM-Medaille

Dabei haben die Österreicher als Organisatoren in den vergangenen Jahren bereits Weltklasseformat bewiesen. Jagerhofer und sein Team waren es, die nicht nur Klagenfurt seit 1996 zum absoluten Beach-Mekka entwickelten mit über 100.000 Besuchern jährlich, sie haben das Konzept inzwischen auch in andere Länder exportiert und besonders in den USA etabliert. Die besondere Stadionatmosphäre kreieren seit 13 Jahren die Tiroler Tobias und Florian Rudig, die sogar von den Organisatoren der Olympischen Spiele im vergangenen Jahr nach Rio de Janeiro geholt wurden, um an der Copacanaba, dem Heimatort des Beach-Volleyballs, für Stimmung zu sorgen. 

„Das Schlimmste ist, wenn das Team, das die wesentlich größere Unterstützung im Publikum genießt, sein Leistungsvermögen nicht abrufen kann“, erklärt Florian Rudig. Er hat das schon erlebt – auch in Klagenfurt, wo die Österreicher sich ihre Teams natürlich auf dem Podest wünschen. In Wien wird es nicht anders sein, allerdings hat Österreich in der 20-jährigen WM-Geschichte noch nie eine Medaille gewonnen.

„Wir erhoffen uns natürlich eine Medaille, aber wir können sie nicht erwarten“, sagt Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyball-Verbandes. Wie der deutsche Verband hat der ÖVV in diesem Jahr die Zentralisierung eingeführt, um die Beach-Volleyballer intensiver fördern zu können. „Ziel ist es, dass Spieler und Trainer sich ausschließlich um das Spielen und das Trainieren kümmern müssen“, erklärt Kleinmann.

Doch Änderungen brauchen Zeit und so stolperte der ÖVV genau wie der deutsche Verband über Hindernisse. Die Suche nach qualifizierten Trainern gestaltete sich schwieriger als gedacht, dann blieben die ersten Erfolge aus und vor lauter Nervosität und Erfolgsdruck entspann sich eine kuriose Posse um die Wild Cards, die der österreichische Verband als Ausrichter für die WM zur Verfügung hat. 

 

Diskussionen um Wild-Card-Vergabe

Mit Doppler/Horst und Thomas Kunert/Christoph Dressler waren zwei Spots für Österreich als Ausrichter vergeben. Zwei Wild Cards bekam der ÖVV darüber hinaus vom Weltverband für die Männer. Eine erhielt Ende Juni das Duo Robin Seidl/Tobias Winter.

Bei der Auslosung der WM-Gruppen Anfang Juli in Porec wurde offiziell ein Trial verkündet, in dem mehrere Teams um die letzten Wild Card kämpfen sollten, doch zwei Tage nach der Auslosung vergab der ÖVV das letzte Ticket doch eigenmächtig an das Duo Martin Ermarcora (23)/Moritz Pristauz (21). Eine Vorgehensweise, die einige Athleten fassungslos zurückließ.

„Das Entscheidungskriterium, wer Österreich bei der Beach WM vertritt, ist natürlich diskutabel“, gesteht Präsident Kleinmann und fügt an: „Die sportliche Führung des ÖVV hat es sich nicht leicht gemacht und die Entscheidung dem Team mit der größten Perspektive für Tokio 2020 die Möglichkeit zu geben bei einem so großen Event Erfahrung zu sammeln.“ 

Während das Angebot an WM-Teilnehmern im Männerbereich größer war als die verfügbare Anzahl an Plätzen, hatte der ÖVV im Damenbereich seine liebe Mühe, überhaupt drei schlagkräftige Teams zu finden. Europameisterin Stefanie Schwaiger gewann vergangenen Woche mit Interimspartnerin Theresa Strauss den smart super cup in Binz, mit Partnerin Katharina Schützenhöfer, die in dieser Saison immer wieder mit Schmerzen zu kämpfen hat (Innenbandeinriss im Knie), feierte sie mit dem fünften Platz beim Drei-Sterne-Turnier in Xiamen den bislang größten Erfolg der Saison.

Theresa Strauss musste ihr Partnerin und Zwillingsschwester Nadine wegen einer Schulterverletzung im April ersetzen, sie geht mit Katharina Holzer (19) an den Start, die bislang noch kein internationales Turnier im Erwachsenenbereich bestritten hat.

Lena Plesiutschnig und Conny Rimser sind bislang von Verletzungen verschont geblieben, sie holten zu Saisonbeginn Bronze beim Ein-Stern-Turnier in Langkawi, sind aber bei den letzten Major-Turnieren in der Qualifikation gescheitert.

 

„Die WM ist ein Zwischenziel“

Die WM sei für die Österreicher ein Zwischenziel auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020, sagt Kleinmann. „Unser wichtigstes Ziel ist es, Beach-Volleyball populärer zu machen. Wir müssen Kinder zu dem Sport bringen, aus denen dann wieder Spitzensportler entstehen.“ Auch deshalb findet im Rahmen der Beach WM eine Jugendmesse in Wien statt, außerdem werden diverse Trainingseinheiten für Kinder und Jugendliche angeboten. Tickets für das hochkarätige Turnier sind über die offizielle Homepage des Events erhältlich, die Preise liegen zwischen vier Euro für die billigste Tageskarte und 840 Euro für die VIP-Packages.

Unabhängig von den Ergebnissen der Österreicher hofft Jagerhofer am Final-Wochenende auf bis zu 30.000 Zuschauer. „Ich glaube, das kann richtig groß werden“, sagt er. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind die Übertragungen der TV-Stationen. Neben dem ORF werden von der WM unter etlichen anderen auch ARD/ZDF und der US-Sender NBC live berichten. Auch an die Nachnutzung ist gedacht: Aus dem Sand soll nach der Veranstaltung ein Strand auf der Donauinsel entstehen. Für weitere Beach-Volleyball-Events in Wien läge der Sand also bereit.

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