Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Beach national

Max Betzien und Dirk Westphal wollen ihre Ziele 2021 noch einmal gemeinsam in Angriff nehmen. Bis dahin sind sie in anderen Bereichen gefordert.

Kernkompetenz Schnäppchenjäger

In diesem Jahr, in dem vieles still steht und alles langsamer läuft, war bei Dirk Westphal mehr Bewegung drin als gedacht - und trotzdem war alles anders: Beach-Liga statt Techniker Beach Tour, Aufgaben im Management statt Playoffs-Teilnahme mit dem Hallen-Volleyball-Bundesligisten Netzhoppers KW-Bestensee, dazu wurde Westphal zum zweiten Mal Vater, im August kam sein zweiter Sohn Mads auf die Welt. Der 34-Jährige scheint aber dennoch trotz seiner vielschichtigen Aufgaben nicht überfordert zu sein.

In der Bundesliga holten die Netzhoppers zwei Erfolge aus drei Spielen, im Pokal-Achtelfinale drehten sie einen 0:2-Rückstand noch in einen Sieg: Es läuft für die Netzhoppers, und das obwohl Routinier Westphal nach einer Rückenverletzung etwas kürzer treten musste. Und doch trägt er Anteil an dem erfolgreichen Saisonstart: Nach dem Rückzug von langjährigem Trainer und sportlichem Leiter Mirko Culic war eine Lücke im sportlichen Bereich der Netzhoppers entstanden - diese Vakanz füllt Westphal aus. “Übergangsweise”, wie er betont. “Ich helfe im Bereich Trainerfindung und Kaderzusammenstellung aus. Ich stehe in einem engen Austausch mit den Trainern, wir diskutieren viel über das Entwicklungspotential des Vereins und der einzelnen Spieler”, erklärt er. “Die Entscheidungen treffen aber andere.”

Nichtsdestotrotz hat Westphal Einfluss auf den Kader der Netzhoppers, obwohl er selber aktiver Part davon ist. “Da gerät man relativ schnell in einen Interessenkonflikt. Das bringt auch Unruhe in das Team, wenn da einer Mitspieler und Buddy ist, aber auch über deine Zukunft entscheiden kann”, stimmt Westphal zu. “Langfristig wollen wir das natürlich vermeiden, aktuell assistiere und helfe ich. Dabei soll es bleiben.”

Auch wenn ein Karriereende derzeit noch nicht absehbar ist (“Dafür fühle ich mich zu athletisch und zu leistungsbringend”), hat Westphal Gefallen an diesem Aufgabenbereich gefunden. “Es war wie ein Puzzle, bei dem Etat Spieler und Trainer so aufzustellen, dass eine ausgeglichene Truppe entsteht. Was am meisten Spaß gemacht hat, ist die `Schnäppchen` zu finden, durch Ligen zu stöbern, Videos zu schauen und Spieler in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis zu finden - das ist ja praktisch Kernkompetenz bei den Netzhoppers”, sagt er und lacht.

Keine DM für Westphal, Betzien steht vor Herausforderungen

Viel Bewegung also beim Hallen-Volleyballer Westphal, der Beach-Volleyballer Westphal hat dagegen einen Sommer der anderen Art erlebt. An den Turnieren der nationalen Beach-Tour und an der Deutschen Meisterschaft nahm Westphal nicht teil, weil er das Spielsystem als unfair und “nicht bis zum Ende gedacht” kritisierte. “Mir ist bewusst, dass wir in diesem Jahr Kompromisse eingehen mussten, eine faire Lösung für alle gibt es wohl nicht. Aber der gefundene Kompromiss war einfach zu groß für mich”, erklärt er. “Wenn ich nicht dahinter stehe, muss ich das in meinem Alter nicht mehr machen.”

Seine Entscheidung hat Westphal nicht bereut, er konzentrierte sich stattdessen auf die Organisation von zwei Turnieren und seinen Aufgaben bei den Netzhoppers, auch zwei internationale Ein-Sterne-Events standen im Kalender. Sein Partner Max Betzien (26) trug zwar die Entscheidung zur Nicht-Teilnahme von Westphal mit, entschloss sich aber dennoch zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Gemeinsam mit Philipp Arne Bergmann belegte er in Timmendorfer Strand den neunten Platz.

Mit dem Ende der Saison verlor Betzien seinen Platz im Perspektivkader des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Weil der 26-Jährige ohnehin als Teilzeit-Kraft im Bereich vegane Bio-Sporternährung angefangen hat, kann er trotzdem weiterhin Leistungssport betreiben: Von seinem Arbeitgeber wird Betzien für Trainingseinheiten und Turniere freigestellt, im Sommer kann er sich komplett auf Beach-Volleyball konzentrieren. Neben finanziellen Einbußen bekommt Betzien aber aktuell praktische Konsequenzen zu spüren: Der Olympiastützpunkt in Berlin ist im November zwar weiterhin geöffnet - allerdings aufgrund der Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nur für Athleten und Athletinnen mit Kaderstatus.

“Das Beste draus gemacht”

Im Sand feierten Betzien und Westphal (Hauptstadt Beacher) in diesem Sommer dennoch einen Erfolg: Sie siegten bei der Premieren-Auflage der Beach-Liga, für die Westphal viele lobende Wort findet. Der Umstand, dass kaum Zuschauer und Zuschauerinnen vor Ort waren und stattdessen digital dazu geholt wurden, spielten dem Duo dabei vielleicht sogar in die Karten. “Wir sind beide nicht die emotionalen Typen, die dann auf einer Welle reiten. Das war ganz reines Volleyball, so blöd, wie sich das anhört, ich habe das sehr genossen”, so Westphal. An einer möglichen Winter-Edition könnte Westphal aufgrund seines Engagements bei den Netzhoppers nicht mitwirken, Betzien ist auf der Suche nach einem Ersatz für ihn.

Auch wegen der Beach-Liga fällt das Fazit von Westphal im Rückblick positiv aus: “Sicherlich lief das Jahr anders als gedacht, am Ende haben wir aber das Beste draus gemacht und sind kreativ geworden.” Betzien und Westphal wollen ihre Partnerschaft fortsetzen und die “Ziele, die wir uns eigentlich für 2020 vorgenommen hatten, 2021 weiterzuverfolgen”, wie Westphal hofft. Bis dahin steht Hallen-Volleyball im Fokus - im Pokal-Viertelfinale wartet Branchen-Primus Berlin Recycling Volleys.

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