Aus der Berliner WG in die Beach-Volleyball-Welt

FIVB World Tour Xiamen 18.04.2018 - 22.04.2018

Die eine ist überpünktlich, die andere fährt lieber auf den letzten Drücker los: Warum Sandra Ittlinger und Kim Behrens in einer WG in Berlin leben, sich so gut ergänzen und bereits nach kurzer Zeit im Beach-Volleyball zu ernsthaften Verfolgerinnen der Nationalduos geworden sind.

In China fing es an

Wenn Kim Behrens (25) und Sandra Ittlinger (23) am Mittwoch in der Qualifikation des 4-Sterne-Turnier der Beach-Volleyball Weltserie im chinesischen Xiamen antreten, hat das für sie eine besondere Bedeutung. Denn im Reich der Mitte standen sie 11. Oktober 2017, abgesehen von einer Interimslösung beim smart super cup 2015 in Kühlungsborn, das erste Mal als Beach-Volleyball-Team im Sand. 

Beim 3-Sterne FIVB World Tour Turnier in Qinzhou kamen die gebürtige Bremerin (Behrens) und die gebürtige Münchnerin (Ittlinger) prompt ins Viertelfinale und hatten mit Platz fünf zufrieden die Heimreise angetreten. Doch bevor es zurück in den Flieger ging, kam es noch zu einem „sehr gut gelungenen Abend“, wie Behrens die anschließende Feier umschreibt. Es war der Start nicht nur einer sportlichen Partnerschaft, sondern einer Freundschaft.

Warten auf die erlösende Nachricht

Doch fangen wir von vorne an. Nach den Deutschen Meisterschaften 2017 beendeten sowohl Behrens Partnerin Anni Schumacher, als auch Ittlingers Partnerin Teresa Mersmann ihre Profi-Karrieren. Daraufhin fanden Abwehrspezialistin Behrens und die auf den Bereich Block spezialisierte Ittlinger zusammen. Für Ittlinger ein Glücksgriff, sie betont, „dass es gar nicht so leicht ist, jemanden zu finden, der die gleichen Ziele und Einstellungen hat – aber bei Kim und mir ging das schnell“. „International spielen, langfristig erfolgreich sein – da war Sandra die beste Option für mich“, stimmt Behrens ihrer Partnerin zu.

Je länger die beiden zusammen spielten, desto größer wurde jedoch das Damoklesschwert, das über dem neu formierten Team schwebte. Behrens und Ittlinger hatten sich gegen das zentrale Hamburg-Projekt des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) entschieden und wollten lieber in Berlin mit ihrem Coach Kay Matysik trainieren. Dadurch entfiel auch die finanzielle Unterstützung des Verbandes.

Das Bangen um den Kaderstatus war eröffnet. Durch Umstrukturierung der Kader beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stand für Behrens/Ittlinger eigentlich nur der Perspektivkader zur Verfügung – für den Olympiakader nicht erfolgreich genug, für den Nachwuchskader schon zu alt. Eine Nicht-Berücksichtigung in der Kaderstruktur hätte weitreichende Folgen für Kim Behrens, ihres Zeichens verbeamtete Polizeikommissarin in Stuttgart, gehabt.

Profisportlerin und Vollzeit-Polizistin? „Ich hätte natürlich versucht es möglich zu machen, aber es wäre alles sehr schwer geworden“, stellt sich Behrens das mögliche Szenario vor, um sich dann im nächsten Satz doch zu korrigieren: „Die hohen Fehlzeiten mit den internationalen Turnieren – das wäre niemals möglich gewesen.“

So lag Kim Behrens‘ gesamte Karriere, nach ihrer bisher erfolgreichsten Saison, kurzzeitig in den Händen des DVV. Die Mail, die ihre Profi-Karriere noch länger andauern lässt, kam Ende November: Sie wurden als Perspektivteam eingestuft, für das Duo ein immens wichtiges Signal.

Berliner WG

Behrens zog Anfang des Jahres nach Berlin, da sie als Profisportlerin zu großen Teilen vom Polizeidienst in Stuttgart freigestellt ist. Und auch weil Ittlinger in Berlin Psychologie studiert und daher in der Bundeshauptstadt gebunden ist.

Inzwischen steht Behrens/Ittlinger sogar nicht nur auf den Spielberichtsbögen dieser Beach-Volleyballwelt, sondern auch auf einem Klingelschild einer Berliner Wohnung. „Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen, vor allem weil Kim in meiner Wohnung in Berlin Untermieterin ist“, freut sich Sandra Ittlinger. Sie spielen beispielsweise gerne zusammen Karten, schauen Filme, gehen tanzen oder machten gemeinsam die Nacht des Super Bowls durch.

Wichtig ist beiden, dass sie sich nicht nur auf dem Platz gut verstehen. „Auch neben dem Feld haben wir ein super Klima. Wir können drauf los quasseln und Spaß zusammen haben und genauso ist es völlig unproblematisch, wenn man sich mal zurückzieht“, erklärt Behrens das WG-Leben. Diese Konstellation lässt schon erahnen, wie gut sie nach einem halben Jahr zueinander passen. Denn ein Beach-Volleyballteam, das zusammen wohnt, ist zwar kein Einzelfall, jedoch längst keine Regel.

Wer so viel Zeit miteinander verbringt, wie es Beach-Profis in der Regel tun, lernt schnell auch die Schwächen des Anderen kennen – und nimmt es im besten Fall wie Behrens und Ittlinger mit Humor. Da gibt es beispielsweise die Unpünktlichkeit von Behrens. „Sie ist eher die auf-den-letzten-Drücker-losfahren-Person. Da musste ich schon das ein oder andere Mal mehr Gas geben auf dem Weg zum Training“, erklärt Ittlinger lachend. Doch die Retourkutsche der zwei Jahre älteren Mitbewohnerin  lässt nicht lange auf sich warten. Auf die Frage, welche Schwächen Ittlinger denn habe, entgegnet Behrens mit einem Augenzwinkern: „Ihre Pünktlichkeit – ich muss mich immer beeilen, weil sie schon immer in der Tür steht.“ Wenn das die größten Probleme des Duos bleiben, sollte dem sportlichen Erfolg nur wenig im Wege stehen.

Ziel: Olympia 2020

Als Perspektivteam werden die Teams betitelt, denen vom Verband gute Chancen für zukünftige Olympische Spiele eingeräumt werden. Tokio 2020 ist auch das angestrebte Ziel der beiden, laut Sandra Ittlinger: „Wir haben uns natürlich nicht nur zusammengetan, um ein bisschen was von der Welt zu sehen, sondern wollen zusammen erfolgreich sein.“

Im Moment sind Behrens/Ittlinger sehr erfolgreich. „Wir haben jeder individuell die besten Ergebnisse unserer bisherigen Karrieren aufgestellt und dann wieder verbessert“, so Ittlinger weiter. Ihre guten Leistungen brachten sie bereits ins Viertelfinale höherklassiger Turniere, der Sprung ins Halbfinale steht für Behrens/Ittlinger noch aus.

Dennoch sind sie zu ernsthaften Verfolgerinnen der Nationalteams Ludwig/Walkenhorst, Laboureur/Sude, Borger/Kozuch und Bieneck/Schneider geworden. Mittlerweile sind dem Duo sogar Siege gegen internationale Top-Teams zuzutrauen: Beim Fort Lauderdale Major hatten sie ihre Gruppe gewonnen und dabei die olympische Silbermedaillengewinnerin 2016, Agatha, mit ihrer neuen Partnerin Duda geschlagen.

Vier Teams darf jedes Land bei internationalen Turnieren stellen, in Deutschland würden diese Plätze derzeit die vier Nationalteams besetzen. Da aber Ludwig/Walkenhorst in dieser Saison pausieren, haben Behrens und Ittlingler voraussichtlich viele Möglichkeiten, sich auf der großen Bühne der Weltserie zu beweisen.

Jetzt geht es erstmal wieder nach China. Beim 4-Sterne-Turnier in Xiamen müssen sie aber durch die Qualifikation. Doch wer weiß, vielleicht verbinden sie nach einem erfolgreichen Turnier mit einigen „sehr gut gelungenen“ Abenden noch viel mehr Positives mit dem Reich der Mitte.

Alle Infos: FIVB World Tour Xiamen

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