Brasilien: Zurück im Sand

Beach International

Turniererfolge mit besonderer Bedeutung, Familiengründungen und politischer Protest im Sport: Wir werfen einen Blick auf den brasilianischen Beach-Volleyball.

Der Familie gewidmet

Der Brasilianer Alison Cerutti hat schon viele Turniere in seiner erfolgreichen Karriere gewonnen und doch war der Erfolg vom Wochenende für Alison und seinen Partner Alvaro Filho ein besonderer. “Wir erleben beide eine magische Zeit abseits des Feldes, das macht den Sieg umso besonderer”, betonte Alison gegenüber dem Internationalen Volleyball-Verband (FIVB). Kurz zuvor hatte das Duo den vierten Stopp der ranghöchsten nationalen Tour Brasiliens, den Circuito Brasileiro de vôlei de praia, gewonnen - für Alvaro war es die erste Goldmedaille als Vater, vor zwei Wochen wurde sein Sohn Dom geboren. Und auch Alison erwartet mit Partnerin Tatiana ein Kind.

Sechs Monate hatte der brasilianische Beach-Volleyball aufgrund der Corona-Pandemie ruhen müssen, seit Mitte September fliegt der Ball wieder, wenn auch unter veränderten Umständen. Der brasilianische Volleyball-Verband Confederação Brasileira de Voleibol (CBV) adaptierte das “Bubble”-Prinzip anderer Sportevents: Die Athleten und Athletinnen dürfen das Turniergelände bis zu ihrem Ausscheiden nicht verlassen und werden regelmäßig auf das Coronavirus getestet, die Spiele finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Brasilien ist von der Corona-Pandemie stark betroffen: Das südamerikanische Land verzeichnet über 150.000 Tote im Zusammenhang mit dem Virus, bei knapp über 5,4 Millionen positiven Tests.

Trotzdem können Fans zumindest virtuell dabei sein: Ähnlich wie in der NBA wurde eine hohe Videoleinwand am Spielfeldrand aufbaut, auf der Zuschauer und Zuschauerinnen dazu geschaltet werden. Die Turniere finden im Trainingszentrum des brasilianischen Verbandes in der Küstenstadt Saquarema statt. Rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Rio de Janeiro entfernt will der CBV insgesamt zehn Events - fünf für die Frauen und fünf für die Männer - bis Ende des Jahres durchführen. Die Damen- und Herren-Konkurrenz wird ähnlich wie in Deutschland voneinander getrennt, jeweils 16 Duos kämpfen an vier Tagen um den Titel. Das nächste Turnier findet vom 5. bis zum 8. November statt, dann sind wieder die Damen an der Reihe.

Der “Circuito Brasileiro de vôlei de praia” war im Frühjahr bei noch zwei ausstehenden Turnieren abgebrochen worden. Zu Brasiliens Meistern 2020 wurden die Führenden der Rangliste ernannt, André Stein und George Wanderley bei den Männern sowie Ana Patrícia Ramos und Rebecca Silva bei den Frauen.

Solberg: Protest gegen Präsident Bolsonaro

Für großes Aufsehen sorgte Carolina “Carol” Solberg am Rande des ersten Turniers in Saquarema: “Fora Bolsonaro”, rief die 33-Jährige am Ende eines Live-Interviews kurz nach dem Spiel um Platz drei. Das bedeutet so viel wie “Bolsonaro raus” und ist der Schlachtruf der Opposition des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. “Ich war sehr glücklich mit der Bronzemedaille und als ich das Interview gab, musste ich trotz aller Freude an all das denken, was in Brasilien passiert, an all die Brände, den Amazonas, das Pantanal und die Todesfälle von Covid und alles und auf halbem Weg kam ein völlig spontaner Schrei der Traurigkeit und Empörung über alles, was geschieht”, erklärte Carol laut der Website globoesporte.com

Auch wenn Carol nicht zu den ganz großen Stars der brasilianischen Beach-Volleyball-Szene gehört, ist sie in ihrer Heimat eine bekannte Sportlerin. Die Resonanz auf das Interview war dementsprechend positiv wie negativ hoch. Im brasilianischen Sport sind politische Äußerungen weiterhin selten - Carol musste sich dafür vor einem Gericht verantworten, dem Superior Court of Sports Justice.

Weil sie gegen Wettbewerbsbestimmungen verstoßen hat - die Spieler und Spielerinnen mussten für die Teilnahme an der Tour eine Klausel unterzeichnen, die eine Meinungsäußerung, die direkt oder indirekt das Image vom CBV und/oder Geschäftspartnern beschädigen könnte, verbietet -, wurde sie verurteilt. Das Gericht beließ es bei einer Verwarnung anstelle von hohen Geldbußen oder einem Wettbewerbsausschluss. Schon während der Verhandlung hatte Carol ohnehin betont: „Ich nehme nichts zurück und bereue nichts.“

Ordentlich Bewegung in der Szene nach Olympia-Nominierung

Während der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) angekündigt hatte, seine Teams erst nach Ende des Qualifikationszeitraums zu nominieren, hat sich sein brasilianischer Pendant schon früh auf die Duos festgelegt, die er zu den Olympischen Spielen in Tokio schicken wollte. In Tokio sind dann drei sehr erfahrene Olympiamedaillengewinner von 2016 wieder mit dabei: Alison und Bruno (33 Jahre alt) holten Gold, Agatha Bednarczuk (36) gewann Silber; Evandro Gonçalves landete zudem auf Rang neun – sie spielen nun mit anderen Partnern. Eduarda „Duda“ Santos Lisboa (22), Ana Patricia (22), Álvaro Morais Filho (29) und Rebecca (27) erleben ihre Olympia-Premiere.

Alle vier bereits nominierten Duos stehen gefestigt und weit oben im Olympic Ranking. Brasilien könnte theoretisch noch mehr Top-Teams zu Olympia schicken: In Maria Antonelli/Carolina Salgado und Andre/George bleiben zwei Teams außen vor, die derzeit ebenfalls in den Top 10 des Olympic Rankings stehen. Kurz darauf nahm das Personalkarussell vor allem bei den Damen an Fahrt auf: Carol und Talita werden ihre Kräfte bündeln, Bárbara und Carol Horta wollen es ebenfalls gemeinsam angehen. Maria Antonelli hatte bereits Ende letzten Jahres ihre künftige Partnerschaft mit Elize Maia Secomandi angekündigt, legte dann aber eine Pause ein: Ende Juli wurde sie Mutter ihres Sohnes Lucca.

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