Das Bourne Comeback

WM 2019

Wer holt Platz eins in Pool L: Julius Thole und Clemens Wickler oder Tri Bourne und Trevor Crabb? Dass sich Tri Bourne auf dem Center Court präsentieren darf, ist alles andere als normal. Der 30-Jährige aus Honolulu hat eine lange Leidenszeit hinter sich.

Wenn aus einem kleinen Ding eine Riesensache wird

Es begann mit einer Zyste im Knöchel und endete mit einer Dermatomyositis, einer Krankheit, von der der US-amerikanische Beach-Volleyball-Profi Tri Bourne noch nie gehört hatte. Die er aber am ganzen Körper zu spüren bekam. Dermatomyositis ist eine entzündliche Erkrankung der Muskeln und der Haut. „Ich wusste nicht, wo es einem überall wehtun kann am Körper.”

Bourne hatte im Oktober 2016 in Toronto mit seinem damaligen Partner John Hyden Bronze beim World Tour Final gewonnen und sich danach eine nervende Zyste entfernen lassen. „Ich dachte, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen”, so Bourne, „um das Ding loszuwerden.” Aus dem kleinen Eingriff wurde allerdings eine Riesensache. Erst entwickelte sich in der Hand ein Karpaltunnelsyndrom und als danach der ganze Körper schmerzte, begann für Bourne eine Odyssee durch die Welt der Mediziner.

Sämtliche Muskeln wurden immer schwächer, die Haut schwoll an und keiner fand die Ursache. Erst als sich das Nationale Olympische Komitee einschaltete und Bourne in Utah von Spezialisten untersuchen ließ, gab es eine Diagnose: Dermatomyositis. Das Entfernen der Zyste hatte sein Immunsystem vollständig irritiert, weshalb die körperlichen Reaktionen so schmerzhaft waren.

Mit einer passenden Schmerzmitteltherapie wurde Bourne langsam wieder in die Spur gebracht. Bourne nennt es heute: „Ich bin ein anderer Mensch geworden.” Zum einen nutzte er die Zeit, um seinen Körper so zu formen, dass er besser entwickelt ist als früher. Zusätzlich studierte er Volleyball neu, befasste sich mit den mentalen, strategischen und technischen Aspekten des Sports. „Ich habe die Phase der Krankheit als einen Vollzeit-Job gesehen, so konnte ich damit besser umgehen.”

„Ein Schock für mein Lebensmodell”

Tri Bourne hatte bis dahin sein Leben nur auf Sport ausgerichtet. Aufgewachsen ist er in Honolulu in einer sehr sportlichen Familie. Die Eltern waren Triathleten, zwei der drei Geschwister spielten Wasserball und Frauen-Fußball. Tri, der Jüngste, war als Golfer, Surfer und Basketballer aktiv, und das neben seiner Volleyball-Karriere. In der Halle war der 1,95 Meter große Athlet in einem College-Team als Diagonalangreifer, Außen-Annahme-Spieler und als Libero im Einsatz, was seine Vielseitigkeit unterstreicht. Für Beach-Volleyball ideale Voraussetzungen.

„Dass ich nichts mehr machen konnte, war ein Schock für mein Lebensmodell.” Erst im Alter von 23 Jahren hatte er begonnen, Beach-Volleyball professionell zu betreiben und startete gleich durch: Newcomer of the Year 2013 bei der AVP, der US-Tourserie. Rookie of the Year 2014 bei der FIVB. 2015 WM-Fünfter in Den Haag. Für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 waren Bourne/Hyden nach Weltranglisten-Punkten qualifiziert. Da sie aber nur die Nummer drei der US-Teams waren, durften sie nicht an den Sommerspielen teilnehmen.

Drei Jahre später ist das Thema Olympia noch lange nicht abgehakt: „Tokio 2020 bleibt das ultimative Ziel.” Auch wenn er und sein neuer Partner Trevor Crabb gerade wieder die Nummer drei im Nationen-Ranking der USA sind. Vor ihnen liegen Taylor Crabb/Jake Gibb und Altmeister Phil Dalhausser mit Nick Lucena. Taylor Crabb ist der zwei Jahre jüngere Bruder von Trevor (29). Trevor und Tri kennen sich seit Kindheitstagen in Honolulu und der Zeitpunkt war günstig, sich als Beach-Team zu vereinen. Beide waren sie auf der Suche nach einem neuen Partner.

Nach 746 Tagen endlich wieder auf dem Court

Tri Bourne hat ein gutes Gefühl für die Zukunft, weil er weiß, aus der Erkrankung als „gereifter Typ” herausgekommen zu sein. Den Wiederaufbau des Körpers, als er sechs Kilo abgenommen hatte und jeden einzelnen Muskel stärken musste, hat er langsam gestaltet. „Ich wollte nichts übertreiben und hatte Angst davor, etwas kaputt zu machen.”

Nach 746 Tagen durfte er endlich wieder auf einem Court spielen und es wurde ein großartiges Comeback. Im chinesischen Qingzhou gewannen Bourne/Crabb ein Drei-Sterne-Turnier. Als das Endspiel gewonnen war, saß Bourne lange im Sand und genoss den Moment. Wer weiß, wie oft das noch vorkommt. Nach wie vor muss er damit rechnen, dass die Krankheit wieder ausbricht.

„Sie ist schon einmal plötzlich da gewesen, das kann wieder passieren.” In Hamburg fühlt er sich jedenfalls gut und hat noch Großes vor. „Wir durften noch nicht auf dem Center Court spielen, und dann noch gegen die local heroes, das wird sicher ein großes Vergnügen.”

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