Das fünfte Rad am Wagen bleibt blockiert

FIVB World Tour Final Rom

Der Konflikt zwischen Behrens/Tillmann und dem DVV hat eine neue Ebene erreicht. Ein Ende der Streitereien ist nicht in Sicht.

Es brodelt heftiger denn je

Kim Behrens und Cinja Tillmann haben sich an die Situation gewöhnt, vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) stiefmütterlich behandelt zu werden. Das war ihnen vor Saisonbeginn klar, als der DVV beschlossen hatte, seine vier Frauen-Nationalteams bevorzugt zu behandeln, um sie auf dem erhofften Weg nach Tokio zu den Olympischen Spielen 2020 besser fördern zu können. Das wurde ihnen noch deutlicher, als sie von der Dachzentrale des Verbandes in Frankfurt aus bei internationalen Turnieren abgemeldet wurden (wir berichteten).

Doch seit den mehrfachen Abmeldungen haben sie sich für eine juristische Auseinandersetzung entschieden, um zu prüfen, ob sie als Profis nicht an der Ausübung ihres Berufes behindert werden. Bereits seit Wochen liegen die Unterlagen bei Anwälten, nach wie vor ist der Klageweg möglich. Kim Behrens (26) und Cinja Tillmann (28) halten sich auch wegen des schwebenden Verfahrens bedeckt mit weiteren Aussagen, so auch in Kühlungsborn, wo sie mit Platz eins eine sportliche Reaktion zeigten.

Doch es brodelt heftiger denn je in ihnen, denn seit Anfang der letzten Woche haben die Streitereien mit dem DVV eine neue Stufe erreicht, die sie selbst noch sprach- und ratloser macht. Die ihre Trainer Hans Voigt, Thomas Kaczmarek und Klaus-Martin Stuhlmann aber nicht daran hindert, Klartext zu reden. „Mit der Vorgabe vom DVV, die vier Nationalteams werden geschützt, und wir als Team fünf, müssen sehen, wie wir klarkommen, damit haben wir uns irgendwie arrangiert, das ist schon Tagesgeschäft”, sagt Kaczmarek. Aber dass sie jetzt vom World Tour Final in Rom (3. bis 8. September) abgemeldet worden sind, dafür haben sie überhaupt kein Verständnis mehr.

Causa World Tour Final in Rom

Vier Teams einer Nation dürfen in Rom starten, was zwar als World Tour Final deklariert ist, aber einem Fünf-Sterne-Turnier entspricht. Der DVV hatte eine Wild Card beantragt, und das – so ist es in der internationalen Turnierszene üblich – macht man nur, wenn man berechtigte Aussichten auf einen zusätzlichen Platz hat. Für Behrens/Tillmann eine gute Nachricht: Die Nationalteams Borger/Sude, Kozuch/Ludwig, Bieneck/Schneider und Ittlinger/Laboureur waren sowieso gemeldet, letztere sollten eine Wild Card bekommen – weshalb man im Lager der Nummer fünf davon ausgehen konnte, im Falle eines positiven Bescheids Nutznießer eines weiteren Startplatzes zu werden.

Am Mittwoch (14. August) wurde vom Weltverband die Zulassungsliste für Rom veröffentlicht. Am Dienstag bekam der DVV aus Lausanne, wo die FIVB ihren Sitz hat, eine Mail: Der Verband zog in Erwägung, Ittlinger/Laboureur mit einer Wild Card auszustatten. Damit hätten Behrens/Tillmann spielen können. Doch noch einen Tag früher, also am Montag, wurde von der Verbands-Geschäftsstelle in Frankfurt aus das Team Behrens/Tillmann abgemeldet.

Und Behrens/Tillmann und ihr Betreuerstab wurden nicht informiert. Die haben am Mittwoch nach dem Training online auf die Zulassungsliste für Rom geschaut und sind aus allen Wolken gefallen, weil die Wild Card an Ittlinger/Laboureur vergeben war. „Wer die Sports Regulations der FIVB kennt”, sagt Thomas Kaczmarek, „weiß, dass es keine Notwendigkeit gab, uns am Montag abzumelden. Das war ein großer Fehler und einfach nur dumm.”

Der Verband ging wohl lieber auf Nummer sicher

Niclas Hildebrandt, Beach-Sportdirektor beim DVV, sieht das anders: „Wir haben für das World Tour Final in Rom einen Wild Card-Antrag für das Hauptfeld für das Team Sandra Ittlinger/Chantal Laboureur gestellt. Eine Rückmeldung, ob ein Wild Card-Antrag angenommen oder abgelehnt wird, gibt es dabei aber immer erst, nachdem die Deadline zum Ab- sowie Ummelden verstrichen ist. So möchte die FIVB verhindern, dass eine Nation – z.B. bei Genehmigung des Antrages – mit noch mehr Teams starten kann und zu viele Turnierspots belegt (mit Ausnahme einer WM). Nach Anmeldung unserer Nationalteams haben wir Kim Behrens/Cinja Tillmann daher erst einmal abgemeldet.“

Der Verband habe sich im Vorfeld erkundigt, ob die Wildcard an Ittlinger/Laboureur ginge, habe aber keine „verlässlichen Informationen zu den Erfolgsaussichten“ bekommen, sagt Hildebrand. Mit nur vier Teams in der Meldeliste ging der DVV aus seiner Sicht auf Nummer sicher: Somit würde bei einer Nicht-Wild Card, ob wahrscheinlich oder nicht, eine Country Quota verhindert werden. Die muss automatisch gespielt werden, wenn mehr als vier Teams gemeldet sind, sagt Hildebrandt*. Als der positive Wild Card-Beschluss kam, bemühte sich der Verband noch um eine Wiederaufnahme des Meldeverfahrens, um Behrens/Tillmann doch noch ins Turnier zu bekommen – das aber wenig überraschend von der FIVB abgelehnt wurde.

Das haben Behrens und Tillmann beim Verband moniert, bekamen dann von DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand eine Mail. „Der schrieb ihnen, dass sie letztlich selbst Schuld hätten, weil sie sich schon vorher an die FIVB gewendet hatten und damit für Verwirrung gesorgt hätten”, sagt Kaczmarek. Diesen Vorgang gibt es, er hatte aber andere Beweggründe, sagt der Trainer. „Wir haben die FIVB darauf hingewiesen, dass es in Deutschland keinen Country Quota gibt, und ob es nicht möglich sei, dem DVV nahezulegen, den doch auch für die deutschen Teams einzuführen.”

Streitpunkt Country Quota

So wie es die Top-Nationen Brasilien und die USA handhaben. „Die lachen sich kaputt über uns. Bei denen ist sich auch eine Kerri Walsh Jennings als dreifache Olympiasiegerin nicht zu fein, im Country Quota zu spielen”, sagt Klaus-Martin Stuhlmann. „Die brasilianischen Teams landen am Ende sogar immer in den Top Ten. Die nehmen diesen sportlichen Wettkampf an.” Den sportlichen Wettkampf hätten seine Schützlinge beim 4-Sterne-Turnier in Tokio annehmen können, nahmen ihr Startrecht aber nicht war.

Zurück zur Country Quota: Für deutsche Teams gibt es diese Chance erst gar nicht, und Behrens/Tillmann hatten sich mit einem Hinweis darauf Rückendeckung aus Lausanne erhofft. Aber keinesfalls die Streichung von der Meldeliste für Rom. Und auch nicht eine Schuldzuweisung durch Hildebrand, so Kaczmarek. „Im Klartext heißt das: Der DVV macht einen Fehler und wir kriegen noch einen drüber.”

Hildebrand sagt, bei der FIVB habe man sich über die Initiative von Behrens und Tillmann gewundert, weil „die Kommunikationswege generell immer zwischen den nationalen Verbänden und der FIVB verlaufen sollen“. Die Kommunikationswege jedenfalls scheinen zwischen dem Verband und dem Team Behrens/Tillmann nicht sehr gut zu verlaufen. Aussicht auf Besserung gibt es derzeit eher nicht.

* Zusatz am 19.08., 20:19 Uhr: In Punkt 20.2.1 (COUNTRY QUOTA PLAYOFF > PROCEDURES) der insgesamt 89 Seiten starken "Sports Regulation" des Weltverbandes FIVB heißt es:

"National Federations must confirm in writing to FIVB their intention of organising Country Quota Playoff matches (either on home soil or at the designated tournament on-site). [...] National Federations which fail to confirm in writing their request to organise Country Quota Playoff matches (either on home soil or at the designated tournament on-site), will be considered not to be organising Country Quota Playoff matches. Consequently, the 5th and/or 6th team as per their Entry Points, will be deleted from the tournament as of -21 days before the start of the tournament once the Confirmed Entry List is published and up to maximum 4 teams per gender will be placed in the Main Draw and/or Qualification Tournament and/or Reserve list depending on their Entry Points." 

Zum Zeitpunkt des Erscheinens der Meldeliste waren Behrens/Tillmann punktemäßig hinter den vier Nationalteams platziert.

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