Das Interview mit Matthias Karger

 

Im Interview mit beach-volleyball.de äußert sich Matthias Karger über die aktuellen Problemfelder des Deutschen Beach-Volleyball-Sports, die in Spielerkreisen derzeit für Diskussionsstoff sorgen.

Matthias Karger ist ein typischer Beach-Volleyball Spieler des Mittelbaus - mit Herz bei der Sache und ohne große Aussicht auf einen finanziellen Ertrag. Der 23-Jährige, ehemalige Jugend-Europameister hat zwar kaum Zeit für ausreichend Trainingseinheiten, spielt aber, wenn er die Zeit findet, die vorderen Turniere der Landesverbände und kämpft sich zumindest durch die Qualifikation der Cup-Turniere. Auf der aktuellen Rangliste des DVV wird Matthias Karger an Position 92 geführt. Trotzdem ist auch er den Sommer häufig auf Deutschlands Beach-Turnieren unterwegs - auf eigene Kosten versteht sich. Diese Saison spielt er zumeist an der Seite von Drazen Slacanin und Conrado Groth Couto und feierte den größten Erfolg dabei mit einem neunten Platz beim Nokia Beach Cup in Köln. Im Interview mit beach-volleyball.de äußert sich Karger über die aktuellen Problemfelder des Deutschen Beach-Volleyball-Sports, die in Spielerkreisen derzeit für Diskussionsstoff sorgen.

 

beach-volleyball.de: Für viele Teams entscheidet sich erst Donnerstag oder Freitag Abend, wer nun endgültig bei einem Masters (eventuell auch Cup) an den Start geht, weil die Top-Teams evt. noch ihre Möglichkeit nutzen nach internationalem Aussscheiden noch national zu spielen. Damit wird es schwer ein Wochenende zu planen.

 

Matthias Karger: In der Tat ist dieses Problem kein Neues, was allerdings in der Vergangenheit immer nur maximal ein oder zwei Teams auf der Nachrückerliste betroffen hat, nimmt aktuell ein bedenkliches Ausmaß an. So sehe ich eigentlich nicht das Problem an der Regelung an und für sich, sondern eher in der Informationspolitik des Verbandes. Wenn wie z.B. beim Masters in Dresden der Ausfall mehrer Teams wegen einer internationalen Turnierteilnahme möglich wird sollte der Verband bzw. die DVS explizite Prognosen an die Nachrückerteams mitteilen. So ist beispielsweise auf Grund von Country Quota bei vielen World Series Turnieren überhaupt keine „Gefahr“, dass mehrere Teams nicht auf den nationalen Turnieren antreten werden. Wie sich das allerdings verhält, wenn parallel auch noch ein CEV Turnier stattfindet, ist weitgehend unbekannt. Hier wäre man nun beim Problem der Planungssicherheit bzw. Planungs-Unsicherheit: dadurch, dass viele Teams auf der Warteliste sich nicht im Klaren darüber sind, wie wahrscheinlich sie nachrücken entstehen Probleme bei Spielern und Ausrichtern. Würde im Vorfeld eines Turnieres kommuniziert werden wie viele Teams mindestens und wie viele Teams maximal nachrücken und unter welchen Umständen dies geschieht, wäre allen geholfen.

 

Dazu kommt nun ja, dass bei Masters und Cups das Teilnehmerfeld reduziert wurde. Welche Folgen siehst Du in dieser Entwicklung?

 

Die Reduzierung der Teilnehmerfelder in Kombination mit den niedrigen Preisgeldern werden meines Erachtens nach mittelfristig zur Bildung einer Zwei-Klassen Gesellschaft führen. Was aktuell in der Beach-Volleyball-Szene geschieht ist mit der Hochstimmung am Aktienmarkt vor einigen Jahren zu vergleichen: Allein aus der Erwartung einer positiven Entwicklung der Preisgelder und Sponsorenzuwendungen heraus setzen viele vor allem junge Teams voll, oder zumindest zum Großteil auf die Karte Beachvolleyball. Wenn man diese Erwartungshaltung mit den tatsächlichen Entwicklungen vergleicht, muss man leider zu dem Schluss kommen, dass die Sparte überbewertet wird. Sollte nicht bald ein kleines Wunder geschehen, werden sich viele „Anleger“ in naher Zukunft mit Verlusten und Enttäuschung zurückziehen.

 

Wie beurteilst Du den Modus der Punktevergabe beim DVV? Ist man international dabei, kann man schnell mal kräftig Punkte sammeln, die auch in der deutschen Rangliste gewertet werden. Haben es Teams, die nicht im Ausland spielen da nicht schwerer genügend Punkte für die Teilnahme bei den Deutschen Meisterschaften zu sammeln?

  

Grundsätzlich glaube ich, dass durch die Punkteregelung auf internationalen Turnieren die DM nicht schwieriger zu erreichen ist als bisher. Um an einer Internationalen Qualifikation überhaupt teilnehmen zu dürfen muss man erst einmal ein Country Quota für sich entscheiden und diese Einstiegsbarriere rechtfertigt die hohe DVV Wertung allemal. Kurz: Wer international Punkte gewinnt, schafft die Qualifikation für Timmendorf auf Cups und Masters sowieso. Das Problem ist doch viel eher, dass man sich eine Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft auf nationalen Turnieren „erkaufen“ muss, denn wirtschaftlich ist die Teilnahme an diesen Turnieren in den seltensten Fällen.  

 

Aber an den Timmendorfer Strand kommen doch gerade nach der Verkleinerung des Teilnehmerfeldes fast nur noch Teams, die auch im Ausland Punkte sammeln konnten. Ist das nicht in gewisser Weise ungerecht?

 

Deutsche Meisterschaften ermitteln meiner Meinung nach das beste Team deutscher Herkunft und nicht das beste Team was innerhalb deutscher Landesgrenzen spielt. Wenn die besten deutschen Teams ihr Land also auf internationalen Turnieren vertreten, sollten sie deshalb nicht an der DM Teilnahme gehindert werden.

 

Während man für ein FIVB (oder CEV) Turnier und ein Masters gleichzeitig melden darf, ist eine doppelte Anmeldung für Masters und einen Cup nicht erlaubt. Wäre es nicht wichtig, auch den mittelstarken Teams die Chance zum weiterspielen zu geben?

 

Erstens: Für Junioren-Nationalteams besteht die Möglichkeit der Doppelmeldung. Zweitens: Würden alle doppelt melden dürfen würde man das Problem der Planungsunsicherheit noch weiter verschärfen und die Belastung auf die Schultern von Teams legen, die noch weiter hinten in der dt. Rangliste stehen.

 

Immer mehr Teams aus dem mittleren Berreich der Rangliste konzentrieren sich zunehmend auf Studium oder Job, weil der Aufwand für eine Turnierteilnahme bei Masters oder Cup aufgrund fehlender Planungsunsicherheit nicht mehr im Verhältnis zum Ertrag steht. Sind Landesverbandsturniere mit Freizeit und Hobby-Charakter vor der eigenen Haustüre da nicht quasi die einzige Alternative, um der Sportart treu zu bleiben?

 

Beachvolleyball-Deutschland sieht sich in diesem Punkt mit einem klassischen Strukturproblem konfrontiert welches von den Verbandsoberen als solches noch nicht antizipiert wurde. Während Hallenvolleyball als „Akademikersportart“ seine Nische gefunden hat ist Beachvolleyball aus diesem Schuh herausgewachsen. Die Semi-professionellen Rahmenbedingungen in den oberen deutschen Hallenligen sind wie geschaffen für ein Studium mit Parallelbeschäftigung Volleyballsport – darin liegt ja offensichtlich auch der Grund für die internationale Zweit- oder Drittklassigkeit dieser Sparte. Tatsächlich ist das Universitäre Umfeld für eine „duale Karriere“ als Student und Spitzensportler in Deutschland nicht geeignet. Im Beachvolleyball gilt also: "Entweder, oder!"

Die Rahmenbildenden Instanzen haben dieses Problem allerdings noch nicht erkannt – Ursache dafür ist die oben erwähnte Überbewertung der Entwicklungschancen.

 

Vielen Dank für das Interview.

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