Das schöne Ende einer verrückten Zeit

Deutsche Meisterschaften 2020

Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger haben bei den deutschen Beach-Volleyball-Meisterschaften allen Widrigkeiten getrotzt und sich mit ihrem ersten gemeinsamen Meistertitel belohnt.

Die Auf und Abs der Chantal Laboureur

Was für eine verrückte Zeit, die Chantal Laboureur seit Anfang 2019 erlebt hat. Erst die unschöne Trennung von Julia Sude rund um die Wechselspiele nach dem (vorläufigen) Karriereende von Kira Walkenhorst, die in der Zusammenarbeit mit Laboureur keine Perspektive mehr sah. Dann der Zusammenschluss mit Sandra Ittlinger, mit der sie in Timmendorfer Strand bei den Deutschen Meisterschaften 2019 als Vierte ihre beste Platzierung holte. Im Anschluss musste sich die Stuttgarterin an der Schulter operieren lassen, fiel monatelang aus, die Corona-Pandemie machte sowieso alles komplizierter und erst im Frühsommer war wieder an ein Training auf Wettkampfniveau zu denken. In Düsseldorf wagten Ittlinger/Laboureur beim Turnier der Top-Teams ihre ersten Spiele zu bestreiten. Drei Mal kamen sie ins Halbfinale in Düsseldorf und Hamburg, aber für das Endspiel reichte es nicht.

Nun die diesjährigen Titelkämpfe in Timmendorf und jetzt stehen sie ganz oben. Im Finale siegte das Duo gegen die favorisierten Laura Ludwig und Margareta Kozuch mit 2:1 (19:21, 21:16, 15:9) und sichert sich vor 200 Zuschauern neben dem Titel auch 10.000 Euro Preisgeld.

Im Anschluss musste Chantal Laboureur wiederholt den Kopf schütteln, als könne sie es selbst nicht glauben. Mit einer taktischen Meisterleistung hatten sie im Endspiel geglänzt, als sie vor allem Laura Ludwig mit kurzen platzierten Aufschlägen so unter Druck setzten, dass selbst die Olympiasiegerin keine Gegenlösung fand. „Danny Wood hat uns gut eingestellt”, sagte Laboureur. Als die ersten Punkte nach der Umstellung eingefahren waren, „hatten wir ein gutes Gefühl, dass das der richtige Weg ist.”

Ihr Coach gehört zu einem Trio, dass die neuen Meisterinnen betreut: Danny Wood, der Spanier aus Teneriffa, Tom Kröger, der in Adelaide in Australien lebt, und schließlich auch Kay Matysik, Nachwuchs-Bundestrainer am Berliner Stützpunkt, diese drei arbeiten als Trainer mit ihnen. Niclas Hildebrand, Sportdirektor Beach des Deutschen Volleyball-Verbandes, sagt: „Sandra und Chantal haben sich den Titel wirklich verdient.” Hildebrand sagt auch: „Chantal ist eine sehr erfahrene Spielerin, die Sandra gut führen kann. Vielleicht haben sie den leichteren Zweig bei der DM gehabt, aber auch da musst durch erst mal durchkommen. Hier ist die Erwartungshaltung hoch und alle wollen sehen, dass Du liefern kannst.”

Die Hoffnung auf Olympia bleibt

Ittlinger und Laboureur konnten es und durften sich gedanklich mit einer Meisterfeier beschäftigen. Was nicht selbstverständlich ist: „Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn man das letzte Spiel der DM nicht verloren hat”, fragte sich Sandra Ittlinger. Es wird ihnen etwas corona-gerechtes eingefallen sein, „auf jeden Fall mit Mundschutz”, sagte Laboureur und richtete den Blick nach vorn. In zwei Wochen wollen sie bei der Europameisterschaft im lettischen Jurmala antreten: „Im letzten Jahr waren wir Fünfte bei der EM, jetzt brauchen wir mindestens das Halbfinale, um mehr Punkte zu kriegen. Vielleicht zählt ja die EM für die Olympia-Qualifikation.”

Die Hoffnung auf einen Startplatz in Tokio haben sie noch nicht aufgegeben. Anders als Kozuch/Ludwig, die im letzten Jahr mit dem Gewinn des World Tour-Finals in Rom einen Riesensprung Richtung Olympia machen konnten, brauchen die neuen Meisterinnen noch Punkte. Was nach Tokio kommt, ist im Übrigen offen, auch für den Verband, sagt Niclas Hildebrand: „Für uns ist es wichtig, dass wir mit denen arbeiten können, die eine Perspektive zumindest für 2024 haben. Vielleicht sagt Laura, dass sie dann ein zweites Kind will. Chantal ist auch nicht mehr die Jüngste. Sandra spielt in unseren Planungen eine wichtige Rolle.” Alle müssen und wollen abwarten, wie sich die Spielerinnen selbst entscheiden. Erst mal aber dürfen Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur Timmendorfer Strand genießen und verarbeiten. „Ich brauche sicher noch etwas Zeit, um es zu realisieren”, sagt Ittlinger.

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