„Der Sport schult deine Persönlichkeit mehr als ein normales Leben“

Beach-Volleyball-Profis im Fragenhagel

Beach-Volleyball-Profi Isabel Schneider ist sich selbst nicht immer ein guter Freund und hat keine Angst am Arbeitsplatz. Fragen über Glück, Geld und Freundschaft: Teil III der Interview-Reihe 'Krass Frisch' mit der Deutschen Meisterin.

Wespen in der Player's Area

In der Player’s Area am Rande der Hamburg Finals bin ich mit Victoria Bieneck und Isabel Schneider verabredet, sortiere meine Fragenkarten und nippe an meinem Kaffee. „So! Jetzt zeigen Sie mir erstmal Ihren Ausweis!“, schallt ein kräftiger Bariton in mein Ohr. Anscheinend hat just nach der Aussage „warten Sie gern hier auf die Spielerinnen“, der netten Dame von vorhin ein Schichtwechsel stattgefunden. Mir kommt zugute, dass in dem Moment, in dem ich gespielt entrüstet fragen will, ob ich etwa nicht wie ein Profisportler aussähe, Isabel Schneider strahlend um die Ecke kommt und mich herzlich begrüßt.

Das Interview findet dann aber in sehr angenehmer Atmosphäre statt – das einzig anstrengende sind die Heerscharen an Wespen, die von werberelevanter Zuckerlimonade Flügel verliehen bekommen haben – um um selbige herum- und in selbige hineinzuschwirren. Und um uns. Bieneck und Schneider sind beide da, antworten aber getrennt voneinander, weswegen wir heute zunächst das Interview mit Schneider veröffentlichen. Statt eines Spoilers für’s Nächste gibt es hier aber lediglich die Versicherung, dass die nächsten Antworten von Tori kommen werden.

Jetzt aber viel Spaß und eine interessante Lektüre mit den „Frisch“en Antworten von Isabel Schneider!

 

beach-volleyball.de: Würdest du deinen Kindern empfehlen Beach-Volleyball Profi zu werden?

Isabel Schneider: Geile Frage (lacht). Ich würde mein Kind auf jeden Fall darin unterstützen. Ich kenne das von zuhause: So einige Entscheidungen trifft man halt mit seinen Eltern, und ich glaube, ich würde jetzt nicht hier stehen, wenn meine Eltern mich nicht unterstützt hätten in dem, was ich machen möchte. Und overall finde ich, schult der Sport deine Persönlichkeit auch definitiv mehr als in einem 'normalen Leben'. Auch, wenn es – klar – immer auch mit traurigen oder enttäuschenden Momenten zu tun hat, würde ich es auf jeden Fall unterstützen.


Was ist das Schlimmste am Beruf Beach-Volleyball Profi?

Für mich ist es, dass man wirklich sehr viel von Freunden und Familie getrennt ist.


Glaubst du, dass du die beste Form deines Lebens
a) schon hattest,
b) gerade hast,
c) noch vor dir hast?

c.

 

Warum bist du ein guter Beach-Volleyball-Partner?

(zögert) Oh man. Ich glaube, ich bin eine gute Beach-Volleyball-Partnerin, weil ich zu 99% noch ein Lächeln oder einen Spruch auf Lager habe (lacht). Spaß beiseite: ich arbeite immer hart an mir und unserem Team, kommuniziere gerne und offen und respektiere meine Partnerin zu 100 Prozent.

 

Hältst du die Dauer einer Partnerschaft für ein wichtiges Erfolgskriterium?

Ich finde, je länger man am Team arbeitet, desto stärker wird das Team. Natürlich gibt es kurzfristige Erfolge von neu formierten Teams, aber ich glaube, die challenge ist es, das über mehrere Jahre zu entwickeln und auszubauen.


Ist dein aktueller Partner ein Freund von dir?

Wir haben ja 2013 schon mal zwei Turniere zusammen gespielt und uns da auch definitiv besser kennengelernt. So ein Höhepunkt schweißt glaube ich auf allen Ebenen ziemlich zusammen. Dann haben wir das Ding noch gewonnen (Bieneck/Schneider wurden 2013 die ersten U23-Weltmeisterinnen überhaupt, d. Red.). Wir hatten vorher auch schon privaten Kontakt, und von dem Punkt an haben diesen dann auch gehalten. Daher sind wir, glaube ich, schon mit einer Freundschaft in die neue Partnerschaft gegangen und haben die auch beibehalten.


Bist du dir selbst ein guter Freund?

Nicht immer.

 


„Manchmal hätte ich gerne zwei Sonntage an Wochenenden“

– Isabel Schneider (27) über die fehlende Freizeit in ihrem Job als Beach-Volleyball-Profi


 

Was fürchtest du mehr:
a) das Urteil von Freunden?
b) das Urteil von Feinden?


Das Urteil von Freunden.

Was macht dich am ehesten glücklich?
a) Geld?
b) Anerkennung?
c) Erfolg?

Am ehesten b., aber das eine bedingt meines Erachtens so ein bisschen das andere.

 

Wann warst du zuletzt glücklich?

Heute!


Welchen Gedanken findest du eher beunruhigend...
a) ...unverzichtbar zu sein?
b) ...verzichtbar zu sein?

Das kann ich nicht beantworten.


Wovor hast du am ehesten Angst am Arbeitsplatz?
a) Überforderung
b) Langeweile
c) Mitarbeiter

Aktuell keins von den dreien. Überforderung zeigt einem Grenzen auf, die mich manchmal beängstigen aber auch absolut motivieren. Mit Langeweile umzugehen gehört zu einer Stärke. Eine Angst vor den Menschen in meinem Team und mit denen ich arbeite habe ich glücklicherweise noch nie erlebt.


Wirst du gerecht bezahlt?

Tja, es ist interessant, wenn man weiß, woher man kommt, und wo man jetzt ist. Das ist eine Entwicklung... Ich habe aber zu viele Komponenten im Kopf, an denen ich das in irgendeiner Art und Weise messen oder gerecht einschätzen will. Deswegen möchte ich mir nicht rausnehmen, das zu evaluieren.


Wovon hättest du in deinem Job gern mehr?
a) Freizeit?
b) Sinn?
c) Geld?
d) Freiheit?

Am ehesten a., Freizeit. Durch den Schritt nach Hamburg, der sportlich total super war – super ist! – bin ich vier Stunden von meiner Familie und meinem Freund entfernt. Am Wochenende bin ich dann manchmal für anderthalb Tage zuhause und an einem Sonntagabend denkt man sich schon so ‚Oh, schon wieder Sonntagabend...‘. Ich glaube, so geht es ja vielen Menschen, die Fernbeziehungen führen oder einen Job irgendwo anders haben. Das commitment zum Job bringt das halt so mit sich, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich manchmal gerne zwei Sonntage an Wochenenden.

 

Über die Interview-Reihe

Die Interview-Reihe, die in den kommenden Monaten auf beach-volleyball.de sukzessive veröffentlicht wird, verfolgt einen etwas alternativen Ansatz der Fragestellungen. Unser Beach-Academy-Trainer, Berufs-Lehrer und Hobby-Journalist Jan Leifels hat sich vom Buch „Fragebogen“ des Autors Max Frisch inspirieren lassen und 14 Fragen entwickelt, die teilweise auf Beach-Volleyball abzielen, jedoch stets den weitestgefassten Erwartungshorizont an Antwortmöglichkeiten zulassen.

Es sind Fragen an Arbeitnehmer, deren Beruf der Sport ist. Es sind Fragen über Glück, Geld und Freundschaft. Es sind Fragen, die sich jeder von uns auch stellen kann. Er stellt sie den Profis am Rande der Veranstaltungen; ganz in Ruhe. Die Antworten – jene der Profis als auch unsere eigenen auf die selben Fragen – sind bestenfalls horizonterweiternd und bereichernd zugleich.

Hier findest du eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Interviews

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