Der Weg nach Gold

Deutsche Meisterschaft Timmendorf Strand

Während Ludwig/Walkenhorst noch für ihren Weg zu Gold gefeiert werden, plant der Deutsche Volleyball-Verband Strukturveränderungen. „Es wurden einige Fehler gemacht“, sagt DVV-Vizepräsident Beach-Volleyball Andreas Künkler.

DVV will mehr Zentralisierung im Hinblick auf Olympia 2020 

Es soll etwas passieren im Deutschen Beach-Volleyball. Am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften präsentierten DVV-Präsident Thomas Krohne und DVV-Vizepräsident Beach-Volleyball Andreas Künkler ungefähr 50 Spielerinnen und Spielern das neue „deutsche Modell“, das auch als „Strukturplan 2020/2024“ bezeichnet wird. Das Modell sieht vor, dass jeweils drei Nationalteams und ein Anschlussteam pro Geschlecht an einem Bundesstützpunkt zentralisiert werden. „Dieses System bringt den großen Vorteil mit sich, dass acht starke Athleten in einer Trainingsgruppe sind, die nach einer gleichen Philosophie trainieren“, so Künkler. Diese soll von noch zu installierenden Bundestrainern und einem Sportdirektor Beach vorgegeben und mit „Leben“ gefüllt werden.

Aktuell gibt es mit Berlin, Hamburg, Stuttgart und Kiel vier Olympiastützpunkte für Beach-Volleyball. Hier arbeiten die Teams meist eigenständig mit ihren Trainern. Bundestrainer gibt es nur ab der U23 abwärts, die Teams im Erwachsenenbereich funktionieren als Kleinunternehmen, die sich selbst organisieren. Somit hat der Verband sowohl auf den sportlichen Bereich als auch auf die Vermarktung der Athleten wenig Einfluss.

„Auch, wenn wir zweimal in Folge den/die Olympiasieger stellen, gibt es doch genügend Signale, dass Änderungen herbeigeführt werden müssen“, sagte DVV-Präsident Krohne. Dazu gehörte zum Beispiel das zerpflückte Teilnehmerfeld der Männer bei der Deutschen Meisterschaft. Außer den Olympia-Teilnehmern Markus Böckermann und Lars Flüggen startete in Timmendorfer Strand keines der Top-Teams in der ursprünglichen Konstellation. Clemens Wickler/Armin Dollinger konnten ihren Titel verletzungsbedingt nicht gemeinsam verteidigen, das Berliner Nationalteam Kay Matysik/Jonathan Erdmann ging lieber getrennt an den Start, und die Studentenweltmeister von 2014, Jonas Schröder und Tim Holler, waren nicht gemeinsam dabei, weil ihnen wegen Kommunikationsproblemen zwischen Verband und Spielern die Teilnahme verweigert wurde.


„Ludwig/Walkenhorst sind die einzige funktionierende Insellösung“

Man könnte meinen, bei den deutschen Frauen läuft es eigentlich, schließlich belegen sie derzeit die Plätze eins bis vier der Weltrangliste, doch Künkler sieht das anders: „Es wurden einige Fehler gemacht“, sagte er. "Die einzige funktionierende Insellösung sind derzeit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst." Der Maßstab für diese Bewertung sei das Abschneiden bei Olympischen Spielen, erklärte Künkler. Das ist natürlich insofern verständlich, als dass der Deutsche Olympische Sportbund die Bezuschussung der jeweiligen Sportarten an den Medaillen und Platzierungen festmacht, zeichnet aber doch ein schiefes Bild, wenn man bedenkt, dass zwei Frauenteams nur wegen der Länderquote gar nicht in Rio teilnehmen konnten.

Künkler spricht außerdem an, dass Deutschland nicht mehr genug hochkarätige Cheftrainer hat, um viele funktionierende Insellösungen zu schaffen. „Wir können ja nicht zig Mal Jürgen Wagner klonen“, sagt er. Dafür sollen in Zukunft zwei Bundestrainer für Männer und zwei für Frauen installiert werden, außerdem noch Nachwuchstrainer und einen Sportdirektor Beach. Vorbilder sind dabei die Nationen Niederlande, Italien und die Schweiz, die dieses System erfolgreich praktizieren. Es gebe schon einige aussichtsreiche Gespräche, sagt Künkler.

Das sagt Thomas Krohne auch über die Position des DVV-Sportdirektors, die seit Juni vakant ist. „Wir werden uns für die Besetzung des Sportdirektors die notwendige Zeit lassen den/die Richtige/n zu finden. Es gab schon eine Reihe von Gesprächen, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Wichtig ist, – das hat die Vergangenheit gezeigt – der neue Sportdirektor muss (Beach-)Volleyball-Erfahrung haben, um Dinge besser einordnen und beurteilen zu können.“ Ralf Iwan, der das Amt im Sommer niederlegte, kam aus der Leichtathletik.


Spielerstimmen zum neuen Konzept

Finanzieren will der Verband die neuen Stellen durch noch zu akquirierende Geldgeber und durch Staatsmittel, die der DOSB bereitstellt. Im Herbst erfolgt die neue Eingruppierung. Rutscht Beach-Volleyball in die Exzellenz-Klasse, stehen in Zukunft mehr Mittel zur Verfügung. „Davon wird viel abhängen“, sagt Künkler. Im Herbst soll außerdem eine Teambuilding-Maßnahme in Deutschland stattfinden, wo die Spieler und Spielerinnen mehrere Tage die Möglichkeit haben, neue Partner unter Wettkampfbedingungen zu testen. „So wie ein Speeddating“, sagt Künkler.

Insgesamt saßen Spieler und Verband über zwei Stunden zusammen und diskutierten, das letzte Wort in Bezug auf die Veränderungen ist wohl noch nicht gesprochen. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Idee des gemeinsamen Treffens von Verbands- und Spielerseite sich als sinnvoll und auch notwendig für die gemeinsame Zukunft dargestellt hat“, sagt Nationalspieler Kay Matysik. „Es sind beide Seiten mit ihren Anliegen angehört worden, so dass im Idealfall viele Aspekte in der zukünftigen Neuausrichtung berücksichtigt werden können. Es gab keine großen Überraschungen hinsichtlich der bereits avisierten Zentralisierung, im Grunde ist es nachvollziehbar und einen Versuch wert“, findet der Athletensprecher.

„Für mich war das ein kleiner Schock und ich muss erst einmal eine Nacht drüber schlafen, wir mussten uns ja nebenbei auch noch ein bisschen auf das Sportliche hier konzentrieren“, sagte die neue deutsche Vizemeisterin Chantal Laboureur. „Es hieß, dass es ein erstes Konzept ist und die Meinung von uns Athleten da auf jeden Fall mit einfließen soll. Ich bin gespannt, ob das dann auch wirklich so ist.“

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