Die Anpassungszeit überwunden

Beach-EM 2018, 15. – 22.07.2018

Karla Borger und Margareta Kozuch kommen immer mehr in Fahrt. Das liegt auch daran, dass Kozuch mit dem neuen Untergrund immer besser zurechtkommt.

"Wenn es noch einmal so gekommen wäre, hätten wir nicht weitergemacht"

Die vergangene Saison gehörte für Karla Borger und Margareta Kozuch zu den schwierigsten ihrer Karriere. Weil ihnen das Startrecht auf vielen großen internationalen Turnieren verweigert wurde, stand ihr gerade erst begonnenes Projekt schon wieder auf der Kippe. „Im letzten Jahr haben wir nicht so viele Erfahrungen gesammelt, wie wir gerne hätten, nur wenig Punkte erspielt, kaum Preisgeld gesammelt. Da gab es dann schon eine Phase, wo man sich fragt, was man tun soll. Wenn es noch einmal so gekommen wäre, hätten wir nicht weitergemacht“, erzählt Kozuch. 

Für ihre Partnerin war es schwierig, weil sie es als frühere Vize-Weltmeisterin und Olympionikin von Rio de Janeiro gewohnt war auf höchstem Niveau zu spielen, für Kozuch, weil sie gerade erst neu ins Geschäft eingestiegen war.

 

Teilweise Profi, teilweise Rookie

„Natürlich bringe ich viel Athleten-Erfahrung mit, das ist hilfreich. Die Erfahrung im Sand fehlt mir aber. Teilweise habe ich jetzt ´aha-Momente`, die andere schon vor einigen Jahren hatten“, sagt sie. Die Umstellung von Hallen- auf Beach-Volleyball dauert naturgemäß etwas, neben anderen Techniken kommen Faktoren wie die Sonne oder der Wind und der Druck, auf dem Feld nicht ersetzt werden zu können, dazu. 

Dass Kozuch als Diagonalangreiferin beispielsweise eher selten in der Annahme zu finden war, sieht sie aber nicht als Problem an. „Wenn ein Hallen-Zuspieler in den Sand kommt, ist für ihn trotzdem auch das Zuspiel erst einmal schwierig. Es ist wichtig, Fehler zu machen, denn die zeigen dir deine Grenzen“, betont die 1,88 Meter große Kozuch.

Karla Borger jedenfalls ist begeistert von der Leistung ihrer Partnerin: „Von all denen, die aus der Halle in den Sand gewechselt sind, hat sie die Umstellung am schnellsten und am besten geschafft. Es ist unglaublich, wie sie es schafft, ihre Fähigkeiten aus der Halle zu transportieren.“ Mit einem Trainerwechsel zu Beginn der Saison sind auch neue Ansätze in das Team gekommen, die diese Fähigkeiten noch mehr integrieren soll. 

 

Die Mischung macht´s

„Es geht darum, eine Mischung zwischen dem, was ich mitbringe, und Beach-Volleyball zu finden. Wo kann ich meine Erfahrungen nutzen, wo müssen wir noch feilen? Auch das macht unsere Zusammenarbeit so interessant“, erklärt Kozuch, die in ihrer früheren Karriere auch als emotionale Führungsspielerin vorangegangen ist. „Prinzipiell lebe ich von meiner Energie, von meinen Emotionen. Hier kann man aber nicht immer so aus der Haut fahren, manchmal ist die Sonne so heiß, dass man auch einfach Energie für die Klarheit in den Aktionen braucht“, erklärt sie. Der Fokus auf den Moment ist ohnehin ein großer Bestandteil Kozuchs Karriere: „Ich bin nicht der Typ für einen genauen Plan. Heute ist unser Projekt Beach-Volleyball. Was danach passiert, kann keiner wissen.“

 

Die Ergebnisse stimmen

Das Projekt Borger/Kozuch scheint in den vergangenen Wochen jedenfalls eine gute Mischung gefunden zu haben. Nachdem in der vergangenen Saison international der fünfte Platz beim 3-Sterne-Turnier in Moskau noch ihr bestes Ergebnis war, zeigte schon der dritte Platz bei den Deutschen Meisterschaften ihr Potential an. In dieser Saison erreichte das Duo bereits zweimal das Viertelfinale, in Ostrava folgte vor wenigen Wochen die erste gemeinsame Medaille, als sie Dritte wurden. „Gerade nach dem letzten Jahr, in dem wir nicht viele Chancen bekommen haben, war das sehr befriedigend“, sagte Kozuch im Anschluss dem FIVB.

Das Duo ist mittlerweile in der erweiterten Weltspitze angekommen, liegt aktuell als drittbestes deutsches Team auf dem zehnten Platz der Weltrangliste. Vor allem mit einem starken Aufschlag können Borger/Kozuch immer wieder Druck aufbauen. „Trotzdem haben wir auch in der Block-Abwehr in den letzten Turnieren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir kommunizieren viel, sind mutig und energievoll“, bekräftigt Kozuch. 


Große Events als Zwischenschritt

Das soll das Team noch weiter nach oben führen: „Das große Ziel Olympia ist natürlich da. Es sind aber auch andere Meisterschaften wichtig, was den Sport selber angeht. Alles, was vor 2020 kommt, sind Turniere, bei denen wir bestmöglich abschließen wollen – ob es nun Europameisterschaften, Deutsche Meisterschaften oder Weltmeisterschaften sind“, erklärt sie. Im vergangenen Jahr belegten sie bei den Europameisterschaften Platz neun – ob sie das Ergebnis verbessern können, zeigt sich in den nächsten Tagen.

Nach der knappen Niederlage von Phillip Arne Bergmann und Yannick Harms steigen heute nicht nur Karla Borger und Margareta Kozuch in das Turnier ein. Auch die anderen beiden Nationalduos, Chantal Laboureur/Julia Sude sowie Isabel Schneider und Victoria Bieneck, und Kim Behrens/Sandra Ittlinger bestreiten ihre ersten Gruppenspiele. Alle Ergebnisse, Stimmen und Informationen zum Modus gibt es im Newsblog zur EM-Vorrunde.

 

 

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