Die Beach-Queen kann doch noch lächeln

Deutsche Meisterschaften 2019

Laura Ludwig steht zum zehnten Mal im Meisterschafts-Finale in Timmendorfer Strand. Das tut gut nach vielen Zweiflern in dieser Saison.

Die typische Lockerheit ist verloren gegangen

Wer an Laura Ludwig denkt, dem kommen viele schöne Attribute in den Sinn. Immer gut gelaunt, everybodys darling, „das sunshine girl der Tour” (so nannte sie mal die dreimalige Olympiasiegerin Kerri Walsh Jennings), hyperaktiv, und mega erfolgreich: Es gibt keinen Titel, den sie noch nicht gewonnen hat. So war es bis Ende der Saison 2017. Dann folgte die Babypause, und jetzt ist sie wieder zurück auf den Courts der nationalen und internationalen Serien.

Aber wer Laura Ludwig in diesem Sommer sieht, erlebt oftmals einen anderen Menschen: Ruhig, verbissen, in sich gekehrt. Ihre sonst so typische Lockerheit ist verloren gegangen. Was nicht an ihrer privaten Situation liegt, Ehemann Morph ist auch als Trainer an ihrer Seite, Sohn Teo Johnston ist ein kleiner Strahlemann. Aber sportlich läuft es für die ehrgeizige 33-Jährige nicht rund. Mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch will der Knoten nicht so recht platzen. Platz neun bei der EM in Moskau, drei neunte Plätze auf der World Tour (Warschau, Jinjiang, Moskau) sind nicht das, was ihren Ansprüchen gerecht wird. Sagt auch ihr Trainer Jürgen Wagner: „Wir hatten gehofft, deutlich weiter zu sein, wir sind aber hinter den eigenen Erwartungen zurück.” 

Nach holprigem Start ins Finale gearbeitet

Wie gut, dass an diesem Wochenende die Deutschen Meisterschaften stattfinden und für bessere Laune sorgen. Kozuch/Ludwig stehen am Sonntag im Finale. Obwohl die Titelkämpfe so schleppend begonnen hatten. In den letzten neun Tagen hatte Margareta Kozuch wegen Beschwerden in der rechten Schulter, ihrer Schlagschulter, kaum trainieren können. Nach der Auftakt-Niederlage gegen die Overländer-Zwillinge wurde sie von Physio Jochen Dirksmeyer, der extra am Donnerstag angereist kam, noch auf dem Court irritierenderweise an der linken Seite behandelt: „Wenn Du neun Tage nicht richtig schlagen kannst, fehlt Dir am Ende die Koordination und Ausholbewegung auf beiden Seiten”, sagt Wagner zu den beiden Problemfeldern. Und bei Dirksmeyer sind seine Schützlinge immer in guten Händen: „Jochen ist unser Physio-Gott”, sagt Ludwig.

Letztlich ist es die Entscheidung der Spielerinnen, sagt Wagner, ob sie spielen wollen. Für ihn gab es zwei Lösungsvarianten. Die erste lautete: Kaum trainiert, also ist keine Top-Leistung möglich; man muss relativ viele Fehler in Kauf nehmen. Aber die Wettkämpfe sind wichtig, weil sie beim Fünf-Sterne-Turnier in der kommenden Woche in Rom gut spielen müssen, denn sie brauchen unbedingt Ranglistenpunkte. Der zweite Weg hätte geheißen: „Wenn wir hier eine perfekte Performance bieten wollen, darf man hier nicht spielen.” Aber letztlich ist es die Sache der Spielerinnen, „das Umfeld wie Trainer, Ärzte, Physio, wir geben nur unsere Einschätzung ab”, so Wagner. Mit Blick auf Rom haben sich Laura Ludwig und Margareta Kozuch für die DM-Teilnahme entschieden und belohnten sich jetzt auch noch mit dem Einzug ins Endspiel.

Für die Lockerheit ist das sehr förderlich, denn „wir hatten in der Saison oft viele Hakler”, so Ludwig. Was sicher auch für verzweifelte Momente sorgte, die Wagner aber wegschiebt: „Verzweiflung gehört nicht zum Spieler- und Trainerjob. Wir müssen weiter analysieren, woran es liegt, müssen die nächsten Schritte planen und die Spielerinnen in die Gespräche einbinden, ob sie da mitziehen werden.”

Der Wechsel von der Halle in den Sand als Herausforderung

In den Köpfen steckt auch die gewaltige Herausforderung, sich für die Olympischen Spiele in Tokio im nächsten Jahr qualifizieren zu wollen, ja eigentlich zu müssen. Ludwig hat sowieso den Anspruch, für Kozuch, die vor drei Jahren vom Hallenparkett in den Sand gewechselt ist, würde sich ein Traum erfüllen. Offenkundig ist aber, dass Kozuchs Hallenerfahrung nicht so einfach auf Beach-Volleyball umzusetzen ist. Indoor konnte sie nach Fehlern ausgewechselt werden, um sich eine schöpferische Pause zu gönnen. Outdoor ist dieser Luxus nicht möglich.

Bis zum Ende des Qualifikations-Marathons sind noch mindestens neun internationale Turniere zu bestreiten. Im aktuellen Olympia-Ranking liegen Kozuch/Ludwig mit Bieneck/Schneider und Ittliger/Laboureur dicht beieinander, nur Borger/Sude sind etwas enteilt. „Ich halte es nach wie vor für sehr realistisch, den Sprung nach Tokio zu schaffen”, sagt Wagner. Neben der intensiven Trainingsarbeit, die auf dem Weg dorthin zu bewältigen ist, „sind aber noch sechs, sieben Top-Ten-Ergebnisse notwendig.” Jeder Punkt zählt, dass täte auch der Psyche gut, weiß Wagner, der Ludwig seit vielen Jahren kennt: „Sie ist zur Zeit nicht so locker, wie man sie kennt.” Sie selbst gibt sich kurz angebunden, auch in Gesprächen mit Medien sagt sie nur das Notwendigste.

Kein Thema ist jedenfalls der Name Kira Walkenhorst, der hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird: Wäre es nicht besser, wenn sich Ludwig/Walkenhorst wieder zusammenschließen? „Ich wurde schon gefragt”, so Wagner, „ob das nicht machbar wäre.” Aktuell nein, schon allein aus rechnerischen Gründen ist da nichts möglich. Walkenhorst, die sich Anfang des Jahre zurückgezogen hat, würde gar nicht auf die erforderlichen Ranglistenpunkte und Turnierteilnahmen kommen.

„Ich bin mit Kira weiter in gutem Kontakt, und sie will ja nächstes Jahr auch wieder spielen”, sagt er. „Was dann nach Tokio passiert, ist noch weit weg. Altersmäßig würde Kira sicher noch einen Olympia-Zyklus bestreiten können.” Aber vorerst muss ihre Ex-Partnerin Laura Ludwig sich allein durchbeißen. Mit Margareta Kozuch an ihrer Seite. Zudem gab es einen weiteren Moment, bei dem sich Ludwigs Miene aufhellte. Sie wurde auf dem Center Court zum zehnten Mal als Beach-Volleyballerin des Jahres ausgezeichnet. In den Köpfen der Fans ist sie immer noch die Nummer eins und vielleicht nach dem Finale am Sonntag auch die unter den deutschen Frauen-Teams.

    beach-volleyball.de Partner

    • Mikasa
    • Schauinsland Reisen
    • Techniker Beach Tour
    • Die Techniker
    • Website WM