Die Beach-Volleyball-Szene schickt klare Lebenszeichen

Deutsche Meisterschaften 2020

Mit dem Sieg von Clemens Wickler und Julius Thole bei den Deutschen Meisterschaften ist die nationale Beach-Volleyball-Saison in Deutschland zunächst einmal beendet. Zeit für einen Blick nach vorne - und in die Gerüchteküche rund um die Teams.

„Die außergewöhnlichen Bedingungen machen sehr müde im Kopf”

Es ist das Ende einer ganz speziellen Saison: Nichts hat stattgefunden, wie geplant. Immerhin konnten die nationalen Titelkämpfe ausgetragen werden und darüber war jede der Hauptpersonen hocherfreut. „Beach-Volleyball lebt”, sagte DVV-Präsident René Hecht. Unter dem Strich gab es mehr Events als zunächst gedacht: Eine vierwöchige Beach-Liga, viele Verletzungen, jeweils sechs Turniere der Top-Teams und der Road To Timmendorfer Strand und eine Deutsche Meisterschaft im Mekka des Beach-Volleyballs an der Ostsee vor 200 Zuschauern.

Zurück blieben auch bei Laura Ludwig gemischte Gefühle: „Ich hätte nicht gedacht, dass die wenigen Fans für eine so tolle Stimmung sorgen. Aber das ganze Drumherum und die außergewöhnlichen Bedingungen machen schon sehr müde im Kopf.” Die Olympiasiegerin hätte sich gern mit dem achten Titel krönen lassen, das hat aber nicht geklappt. Besser machten es die Vizeweltmeister Julius Thole und Clemens Wickler, die ihren zweiten gemeinsamen Titel bei den Deutschen Meisterschaften holten. Im Endspiel siegten sie gegen das Interimsduo Nils Ehlers und Eric Stadie mit 2:0 (21:12, 21:18) und sicherten sich so auch 10.000 Euro Preisgeld.

Und das mit einer Ruhe und Souveränität, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Auf nationaler Ebene können sie sich aktuell wohl nur selbst schlagen; rufen Clemens Wickler und Julius Thole ihre Leistung ab, kann ihnen niemand das Wasser reichen. „Wir wollten hier unseren Peak setzen, das war keine Durchlaufstation. In so einer Saison ist das richtig viel wert und unsere Motivation im Training", betont Wickler. Dass sie von allen gejagt wurden, machte es nicht leicht, stuften sie aber auch als Wertschätzung ein: „Es ist eine Bestätigung für unsere Arbeit.”

Für die neuen Deutschen Meister ist die Saison noch nicht beendet: In der kommenden Woche präsentieren sie sich beim „King of the Court”-Event im niederländischen Utrecht, kurz darauf steht die Europameisterschaft in Lettland an - insofern sie stattfinden kann und die deutschen Teams sich entscheiden, daran teilzunehmen. So oder so: „Danach machen wir erst einmal vier bis sechs Wochen Pause", sagt Julius Thole. Was kurzfristig geplant ist, wusste er auch schon: „Wegen der Corona-Maßnahmen durften wir die ganzen Tage nicht in die Ostsee. Jetzt gehen wir gleich rein und feiern, das lassen wir uns nicht nehmen.”

Der Blick nach vorne bleibt unsicher

Was nach der Meisterschaft bleibt, ist eine erste Auswertung und der Blick nach vorn. René Hecht, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), ist froh, „dass wir zu Beginn der Corona-Krise immer an der DM festgehalten haben.” Zwar mussten die Planungen immer wieder aktualisiert werden, aus erhofften 1000 Zuschauenden wurden 500 und am Ende durften 200 rein. „Wir haben auch mal über Strohballen als Sitzgelegenheit nachgedacht”, sagte David Klemperer, der neue Geschäftsführer der Vermarktungs-GmbH des Verbandes. Im Gespräch war auch der Ticketverkauf für mehrere Sessions und nicht als Tageskarte. „Dann hätten wir aber immer mindestens anderthalb Stunden einplanen müssen für den Schichtwechsel unter den Zuschauern und das ist bei den engmaschigen Spielplänen nicht machbar”, so Klemperer.

Der Vertrag mit Timmendorfer Strand als Ausrichtungsort läuft zwar aus, Hecht ist aber sicher, dass auch die 30. Auflage in dem Kurort stattfinden wird: „Wir wollen an der Tradition festhalten.” Weit weniger Aussagen konnten Hecht und Klemperer zur Zukunft der Tour machen: „Wir basteln an der Weiterentwicklung der Konzepte.” Dabei spielt auch eine Bewerbung um die Europameisterschaft 2021 mit Hamburg als Ausrichterstadt eine Rolle: „Wir werden mit der CEV sprechen”, so Hecht.

Personelle Entwicklungen und Gerüchte

Nicht weniger interessant sind die personellen Entwicklungen in der Spielerschaft. Die Deutschen Meisterschaften sind immer auch ein Marktplatz für jede Menge Gerüchte und Vermutungen. Als da wären: Kim Behrens und Cinja Tillmann vergossen bei der Siegerehrung auf dem Podest jede Menge Tränen, vielleicht war es ihr letzter gemeinsamer Auftritt. Kim Behrens und ihr Verlobter Steven van de Velde haben in den Niederlanden eine Wohnung gekauft, sicher werden sie dorthin ziehen. Cinja Tillmann gilt als Kandidatin für einen Platz in Hamburg am Olympiastützpunkt.

Vorher soll aber noch die Europameisterschaft im lettischen Jurmala stattfinden. Nach den Verletzungen von Julia Sude und Victoria Bieneck, die die DM nicht hatten zuende spielen können, wird wohl mindestens ein Platz frei und für den gelten Kim Behrens und Cinja Tillmann als erste Nachrücker. Damit wäre der Abschied der beiden zumindest verschoben.

+++ Kein Gerücht ist der Abschied von Jonas Schröder, der mit dem Spiel um Platz drei seine Karriere beendete. Sein Ex-Partner Paul Becker sucht Ersatz, möglicherweise findet er ihn in Armin Dollinger. +++

+++ Melanie Gernert und Kira Walkenhorst hatten in diesem Jahr ein Team bilden wollen. Hat nicht geklappt. Stattdessen trat die Olympiasiegerin mit der erst 18-jährigen Anna-Lena Grüne an und wurde sogar DM-Fünfte. Grüne hat überzeugt und noch viel Potenzial, eigentlich könnte sie an der Seite Kira Walkenhorsts weiter aufgebaut werden. +++

+++ Potenzial sehen die Macher im DVV auch in Sven Winter, den sie sich nach der nächsten Saison am Bundesstützpunkt in Hamburg vorstellen können. +++

+++ Wann kehren die verletzten Lars Flüggen und Yannick Harms zurück? Flüggen will mit Nils Ehlers nach wie vor den Sprung in Richtung Olympische Spiele in Tokio schaffen. Egal, ob er gelingt oder nicht, wird sich die Frage nach der Zukunft des Nationalteams stellen. Ehlers ist einer der begehrtesten Blockspieler in Deutschland. Ein Abwehrer, dem die Zukunft gehört ist Simon Pfretzschner, der sein DM-Debüt mit Platz fünf abschloss. +++

+++ „Viel hängt ab von den persönlichen Planungen der Spieler und Spielerinnen”, sagt Sportdirektor Niclas Hildebrand. Eine der wichtigsten Personalien ist sicher die von Laura Ludwig. Macht sie nach Tokio weiter oder will sie ein zweites Kind bekommen? Dann käme die Gerüchteküche nochmal so richtig ins Brodeln.

Anzeige:

beach-volleyball.de Partner

  • Mikasa
  • Schauinsland Reisen
  • Techniker Beach Tour
  • Die Techniker
  • Website WM