Die begrenzte Liebe der Japaner für Beach-Volleyball

Olympische Spiele 2020

Ein Jahr vor den Spielen in Tokio ringt Beach-Volleyball um seinen Platz im Land der aufgehenden Sonne. Das Vier-Sterne-Event der World Tour soll nun die Begeisterung wecken.

Zweifel, dass richtig gefeiert wird

Volleyball ist in Japan eine Riesennummer mit großartigen Erfolgen: Olympia-Gold der Männer und Frauen 1964 in Tokio sowie für die Männer 1972 in München und die Frauen 1976 in Montreal. Der Japaner liebt Teamsportarten wie Baseball, Volleyball und Basketball. Der Weltverband der Volleyballer (FIVB) hat in den vergangenen Jahrzehnten viele seiner größten Veranstaltungen wie Weltmeisterschaften, World Cups, Weltliga- oder Grand Prix-Finals im Land der aufgehenden Sonne ausrichten lassen, auch, weil es einen riesigen Sponsorenmarkt und interessierte TV-Sender gibt, die umfangreiche Live-Berichterstattungen garantieren.

Bei den Sommerspielen 2020 in Tokio vom 25. Juli bis zum 8. August wollen die Japaner wieder ihre Sportbegeisterung demonstrieren. Ob die aber auch bei Beach-Volleyball zu spüren sein wird, ist sehr fragwürdig. Während die Sandvariante des Volleyballs vor vier Jahren in Rio de Janeiro an der Copacabana als eine zweiwöchige Party zelebriert wurde, kann sich selbst Megumi Murakami kaum vorstellen, dass in Tokio die Post abgehen wird: „Wir Japaner sind doch sehr schüchtern und ruhig, ich weiß, nicht, ob da so viel gefeiert wird.”

Murakami war mit Partnerin Miki Koshikawa bei der WM in Hamburg, wo sie in der Runde der Lucky Loser ausgeschieden waren. Ein Vier-Sterne-Turnier in der Woche vom 24. bis 28. Juli wird erste Erkenntnisse bringen und dient als Testfall für die olympischen Tage. Gespielt wird auf dem Olympia-Gelände des Shiokaze Parks in der Bay-Area der japanischen Hauptstadt, in deren Ballungsraum mehr als 37,5 Millionen Menschen leben sollen.

Hallen-Volleyball wird in Japan gefördert, Beach-Volleyball eher nicht

Im vergangenen Jahr gab es mit einem Drei-Sterne-Event das erste Beach-Turnier der FIVB überhaupt in Tokio. Teresa Mersmann/Cinja Tillmann holten sich Platz eins, Philipp Arne Bergmann/Yannick Harms wurden Vierte. In diesem Sommer starten drei Männer-Teams in der Qualifikation (Bergmann/Harms, Ehlers/Flüggen, Pfretzschner/Sowa), bei den Frauen stehen Borger/Sude im Hauptfeld sowie Bieneck/Schneider und Körtzinger/Schneider in der Qualifikation. Sie werden sich davon überzeugen können, wie weit die Olympia-Vorbereitungen gediegen sind.

Japanische Beach-Teams haben im eigenen Land einen schweren Stand. Der Verband setzt vor allem auf die Hallenteams, weil dort die finanziellen Voraussetzungen günstiger sind. Große Unternehmen halten sich Firmen-Teams, die in der National Volleyball League unter ihrem Namen auflaufen wie Toyota Gosei Trefuerza, die Panasonic Panthers oder die Pioneer Red Wings. Starspieler werden vergöttert. Vor zwei Jahren kam Außenangreifer Masahiro Yanagida in die deutsche Bundesliga zu den Volleyball Bisons Bühl. In seinem Schlepptau brachte er jede Menge japanische Medienvertreter mit, die aus der Kreisstadt in Baden-Württemberg über Yanagidas Spiele berichteten. Es gab zu den Heimspielen der Bühler wiederholt Fanreisen, die Japaner rissen sich um ihren Star.

Die Auftritte der Beacher bei der WM in Hamburg fanden dagegen kaum Beachtung. Megumi Murakami kennt diese Situation: „Wir müssen eben selbst sehen, wie wir klarkommen.” Zumal die Fördermittel bescheiden sind. Zahlen nennt sie natürlich nicht, aber der Italiener Marco Solustri kann bestätigen, wie die Rolle Beach-Volleyballs in Japan gefüllt wird. Der Coach aus Rom, der im September 60 Jahre alt wird, betreut aktuell das Männer-Duo Caminati/Ranghieri, war früher Trainer der Europameister Berger/Doppler (Österreich) und der deutschen Frauen Stephanie Pohl/Okka Rau.

Zwei Startplätze sind sicher

Solustri hat an fünf Olympischen Spielen teilgenommen und sollte mit seinem Know-how beim Aufbau des Beach-Volleyballs in Japan helfen. Doch rückblickend waren die letzten beiden Jahre, die er für die Japan Volleyball Association tätig war, eine „ungewöhnliche Herausforderung in einer mysteriösen Gesellschaft.” Solustri sagt: „Sie haben mich nichts entscheiden lassen. Wenn ich in einem Meeting eine Anfrage gestellt habe, bekam ich nach einer halben Stunde des Nachdenkens die Antwort, man werde mir im nächsten Meeting Bescheid geben.” So war ein erfolgsorientiertes Arbeiten nicht möglich. Frustriert hat er nach zwei Jahren den Job aufgegeben.

Seit Einführung des Sterne-Systems bei der World Tour haben japanische Männer-Teams vier Medaillen gewonnen, die Frauen stehen mit der Ausbeute von 25 Medaillen (darunter sieben Mal Gold) besser dar. Allerdings wurden die Medaillen nur bei Turnieren der Kategorien ein oder zwei Sterne eingesammelt. So erfolgreich wie die Hallen-Stars werden die Beacher wohl nie werden. Nur eins ist sicher: Zwei Startplätze sind einem Frauen- und einem Männerteam als Gastgeber sicher und davon träumen gut ein Jahr vor der Eröffnungsfeier in Tokio noch viele andere Nationen.

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