Die deutschen Herren rufen ihr Leistungsniveau ab

WM 2019

Auch bei den Herren ist die Gruppenphase der Weltmeisterschaft in Hamburg nun abgeschlossen. Die deutschen Duos bestätigen den Eindruck der bisherigen Saison: An guten Tagen können sie mit den Teams der Weltspitze mithalten. Mit Clemens Wickler und Julius Thole gibt es aber nur einen ernsthaften Kandidaten für die K.o.-Spiele.

Geschlossen weiter

Eines kann man schon festhalten: „Enttäuscht hat bisher niemand“, so Niclas Hildebrand, Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbands für Beach, „die Spiele in der Gruppenphase spiegeln das aktuelle Leistungsvermögen wider." In jedem Fall ist positiv festzuhalten: Die deutschen Herren-Duos stehen geschlossen in der nächsten Runde – zwei von ihnen sogar als Gruppensieger. Zwei andere Teams wollen dagegen als Gruppendritte noch die Lucky-Loser-Spiele überstehen. 

Bergmann/Harms

Für Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms gilt: Gegen die Top-Teams ihrer Gruppe können sie gut mithalten, aufgrund von zu vielen Fehlern gelingt ihnen der entscheidende Schritt zum Sieg aber noch nicht. Zurecht fühlt es sich für Bergmann deswegen so an, „als hätten wir eine Chance verpasst.“ Für Hildebrand passt das zu den Eindrücken der bisherigen Saison: „Sie können an vielen Stellen gut mitspielen, aber am Ende fehlt es in der Crunchtime.“

In der Lucky Loser-Runde treffen sie am Abend (19:15 Uhr) auf Ranghieri/Caminati, die ebenfalls mit einer Wildcard bei der WM antreten konnten. Die Italiener schauen auf eine ähnliche Saison wie ihre deutschen Gegner zurück, es dürfte ein umkämpftes Duell werden.

Erdmann/Winter

Jonathan Erdmann und Sven Winter sind das Team, das die Titelkämpfe wohl mit dem wenigsten Erwartungsdruck angehen konnte. Das Interimsduo präsentierte sich den Umständen entsprechend mehr als ordentlich, in ihrer starken Gruppe war nicht mehr als der dritte Platz drin. Nach einer so kurzen Einspielzeit sind inkonstante Phasen normal, gegen die Kubaner konnten Erdmann/Winter das Spiel im zweiten Satz aber noch drehen.

„Gegen ein deutlich stärkeres Team kann das ganz schnell nach hinten losgehen, das gilt es abzustellen“, weiß Winter, „wenn wir das schaffen, dann reicht es auch, um mitzuspielen. Dann ist alles offen.“ Hildebrand zeigt sich sehr zufrieden: „Für sechs Trainingstage spielen sie sensationell. Sie gewinnen die Spiele, die sie gewinnen müssen. Das ist sehr positiv.“

Unter dem Motto „Alles kann, nichts muss“ wird es für das Duo heute in der Lucky Loser-Runde gegen die Tschechen David Schweiner und Ondrej Perusic gehen, die bei ihrem Heim-Turnier in Ostrava überraschend die Silbermedaille holten.

Ehlers/Flüggen

Nils Ehlers und Lars Flüggen hatten einen starken Einstand gefeiert, als sie die höher eingeschätzten Grimalt-Cousins aus Chile deutlich schlagen konnten. „Und zwei Tage später zeigen sie wieder ihr anderes Gesicht und machen zu viele Fehler im Sideout“, beklagt Hildebrand. Dabei gelingt es ihnen, mit ihrem Aufschlag und ihrer Feld-Abwehr auch oft zu punkten – die Eigenfehler-Quote ist aber schlichtweg zu hoch. Gelingt es ihnen wie im dritten Gruppenspiel in der eigenen Annahme stabil zu bleiben, sind sie auch erfolgreich.

Aufgrund eines besseren Punkte-Verhältnisses schließen sie die Gruppe sogar auf Rang eins ab. „Den Gruppensieg hätte keiner erwartet, aber nach dem Spiel gegen Chile haben wir schon gesehen, dass wir gut drauf sind“, betont Ehlers. Flüggen bekräftigt, dass sie in der K.o.-Runde ähnlich auftreten wollen wie in der ersten und dritten Partie. „Dann schauen wir mal.“

Thole/Wickler

Die Deutschen Meister haben dank ihrer guten Position in der Weltrangliste (13. Rang) und Losglück eine verhältnismäßig einfache Gruppe erwischt, in der sie zwei Pflichtsiege einfuhren – mit denen sie aber nicht zufrieden sind: „Wir haben uns auf dem Feld etwas verkrampft gefühlt“, erzählt Thole, dem man die Anspannung anmerkte. In der Tat liegen die Hoffnungen der Heim-Fans auf ihm und seinen Partner.

Im vergangenen Jahr wurden sie beim World Tour Final überraschend Vierte – dort hatte das aber niemand erwartet: „Für uns ist es eine neue Situation. Im Vorfeld wurde gesagt, Thole/Wickler, die sollen es für die deutschen Herren reißen.“ Von diesem Druck konnte sich das Team mit dem Sieg gegen die US-Amerikaner im letzten Gruppenspiel etwas befreien. Auch Hildebrand hat das erkannt: „Die Leichtigkeit aus dem letzten Jahr ist nicht mehr da. Aber das ist ein Lernprozess.“

Wie sich die Gruppenkonstellation noch auswirken kann, wird sich in der K.o.-Runde zeigen. Einerseits gab es ihnen die Gelegenheit, sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Andererseits kann es aber auch schwieriger sein, sein Top-Niveau abzurufen und Rhythmus aufzunehmen. Ob Platz neun – wie Hildebrand hofft – oder sogar noch mehr drin ist, werden die nächsten Tage zeigen.

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