Die Prioritäten liegen woanders

Beach-EM 2018, 15. – 22.07.2018

Das beste Ergebnis eines deutschen Duos bei den Europameisterschaften in den Niederlanden ist ein fünfter Platz. Das liegt auch daran, dass die EM im Saisonkalender nicht den höchsten Stellenwert einnimmt.

 

Ziel verfehlt

Sonntag, 15. Juli, gegen 16 Uhr: Chantal Laboureur und Julia Sude hatten das Finale des 5-Sterne-Turniers in Gstaad knapp im Tiebreak verloren. Dienstag, 17. Juli, 13 Uhr: Chantal Laboureur und Julia Sude treten zu ihrem ersten Gruppenspiel bei den Europameisterschaften – und verlieren es. Nach umkämpften Spielen schaffen sie es noch bis ins Viertelfinale, dort ist Schluss. Die kurze Regenerationszeit zwischen Gstaad und der EM mag eine Erklärung für die holprige Gruppenphase gewesen sein, vor der K.o.-Runde aber hatten sie noch einen zusätzlichen Tag Pause. Für ein Team, das auf der Weltrangliste auf dem dritten Platz steht und vor der Saison klar das Ziel „Titel bei der Europameisterschaft“ ausgegeben hat, ist das zu wenig.

Dass sie in Europa – in der Welt - eines der Top-Teams sind, steht außer Frage. Die Silbermedaillen beim 4-Sterne-Event in Warschau und eben in der Schweiz haben das auch jüngst noch einmal bestätigt. Seit Jahren bewegen sich Laboureur/Sude auf einem hohen Niveau, im letzten Jahr gelang ihnen endgültig der Durchbruch. Obwohl ein Sieg bei der Europameisterschaft vorgegeben war, ist es aber auch verständlich, dass den europäischen Titelkämpfen nicht die höchste Priorität eingeräumt wird.

Sportlich vs. medial

Sportlich ist das Niveau bei 4- und 5-Sterne-Turnieren höher, die Weltspitze bilden vor allem kanadische und brasilianische Teams, die bei der EM naturgemäß nicht am Start waren. Auch finanziell lohnen sich diese Events mehr, Laboureur/Sude haben in der vergangenen Woche 32 000 US-Dollar Preisgeld gewonnen - bei der EM wären es im Falle eines Sieges 20 000 Euro gewesen. Dazu kommt der kurze Abstand zwischen den Turnieren, auch Victoria Bieneck sagt, dass man wegen einer Europameisterschaft kein Major-Event absagen würde.

Langfristig spielen die Wettkämpfe der World Tour die größere Rolle. Ziel sei es, sich auf der World Tour zu etablieren, um sich eine möglichst gute Ausgangsposition in den Ranglisten für die im September startende Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu verschaffen. „Da ist die EM kein Saisonhöhepunkt mit höchster Priorität“, sagt DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand.

Für die Stellung des deutschen Beach-Volleyballs in der breiten Öffentlichkeit sind die Kontinentalwettbewerbe aber ein großer Faktor. Dass Chantal Laboureur und Julia Sude den zweiten Platz bei einem großen Turnier geholt haben, findet wenig Beachtung; ihr Viertelfinale bei der Europameisterschaft wurde dagegen im Free-TV gezeigt. „Sportlich bringen uns die Turniere der World Tour nach vorne, medial ist die EM vielleicht etwas wichtiger“, stellt auch Hildebrand fest, der von einer Zwickmühle spricht:, „Dennoch bin ich vom sportlichen Weg überzeugt.“

Erstmals seit fast 20 Jahren ohne Medaille

„In einem Jahr ohne eine Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele ist eine EM ein besonderer sportlicher Höhepunkt“, betont Bieneck trotzdem. Und sportlich kann man nicht zufrieden sein. Seit 1999 haben die deutschen Beach-Volleyball-Profis immer eine Medaille bei den Europameisterschaften geholt – bei den Damen standen im vergangenen Jahr noch zwei Teams auf dem Podium. In diesem Jahr ist kein Team in die Runde der letzten Vier gekommen, am Ende kommen zwei fünfte, zwei neunte und ein 17. Platz heraus. „Wir sind grundsätzlich von der World Tour sehr verwöhnt. Die Enttäuschung ist trotzdem da, wir wollten mindestens ein Team im Halbfinale haben. Letztlich werden wir aber daran gemessen, ob wir die Olympischen Spiele erreichen oder nicht“, bekräftigt Hildebrand.

Bestätigung des aktuellen Leistungsvermögens

Dabei ist das Ergebnis von Phllipp Arne Bergmann und Yannick Harms letztlich „Spiegelbild“ (Hildebrand) der aktuellen Situation im deutschen Herren-Beach-Volleyball. Als einziges deutsches Herren-Duo waren sie in die Niederlande gereist. Markus Böckermann und Lars Flüggen mussten verletzt absagen, nun haben sie sich ohnehin getrennt. Für Julius Thole und Clemens Wickler kam die Europameisterschaft einen Tick zu früh. Es wäre interessant gewesen, wie sie sich nach den guten Ergebnissen in den vergangenen Wochen bei einer Meisterschaft geschlagen hätten. 

Ihr Ziel, die Gruppenphase zu überstehen, haben Bergmann/Harms erreicht. Es hätte noch mehr werden können, lagen sie im Tiebreak gegen die Niederländer Christiaan Varenhorst/Jasper Bouter doch schon mit 13:11 vorne. „Das sind Lernprozesse, die extrem wehtun. Die brauchen sie aber. Im Schnitt haben sie auf ihrem Level gespielt“, sagt Hildebrand. Lernprozesse, die dazu führen sollen, dass die Leistungen in Zukunft besser werden. Auch wenn die Europameisterschaft da nicht die größte Rolle einnimmt.

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