Die WM-Exoten

Beach-WM Wien 28.07.2017 - 06.08.2017

Teams aus Exoten-Staaten wie Mosambik, Sierra Leone und Ruanda haben bei der Weltmeisterschaft keine Chance. Und doch hat jedes Team eine besondere Geschichte - und alle eint die Hoffnung, im Beach-Volleyball größer zu werden.

Die Teams und ihre besonderen Geschichten

Bei jeder Beach-Volleyball-Weltmeisterschaft gibt es Teilnehmer, die die Scouts vor Herausforderungen stellen. Von Teams wie Sierra Leone, Kenia, Uruguay oder Ruanda gibt es schlicht kein Videomaterial, denn diese Teams haben bislang nicht auf der FIVB World Tour gespielt. Doch auch organisatorisch ist es gar nicht so einfach, diese Exoten einzuplanen. Bürokratische Hindernisse und unterschiedliche Mentalitäten stellen sowohl die Teams als auch den Veranstalter vor Herausforderungen.

Jedes Team hat eine besondere Geschichte, einige wollen wir euch hier in einer kleinen Übersicht erzählen:

Mosambik

Liocadia Manhica wird von einem Sanitäter über den Platz begleitet. Ihr linker Arm ist einbandagiert. Die Beach-Volleyball-Spielerin aus Mosambik wollte unbedingt das Spiel zwischen Weltmeisterin Barbara Seixas und Partnerin Fernanda Alves gegen Vize-Weltmeisterin Taiana Lima und Elize Maia sehen. Doch beim Sprint zum Court stürzte die 17-Jährige und musste medizinisch versorgt werden.

Die hochklassige Partie der Brasilianerinnen ging über drei Sätze, ihr eigenes Spiel zuvor verlief weniger spannend: 10:21 und 8:21 verloren Manhica und Partnerin Vanessa Muianga gegen die Schweizerinnen Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré. „Vor allem ihre Aufschläge waren so stark. Das war eine Lehreinheit für uns“, sagte Manhica, die mit nur 1,60 Metern die kleinste Spielerin der WM ist.

„Unsere Nation ist eher klein gewachsen, deshalb bietet sich Beach-Volleyball für uns eher an als Hallen-Volleyball“, erklärt Trainer Bonomar Adriano Macuacua. „Wir haben eine 2.000 Kilometer lange Küste, das ist ideal für Beach-Volleyball.“ Bislang aber gibt es nur ein Beach-Volleyball-Turnier im Jahr. „In unserem Land hat Sport leider nicht so eine große Bedeutung, andere Dinge sind wichtiger“, sagt Macuacua.

Über die afrikanische Qualifikation haben seine Spielerinnen erstmals den Sprung zur WM geschafft, genau wie die Männer Aldevino Nguvo/Justino Tovela aus Mosambik, die ebenfalls zum ersten Mal an einer WM teilnehmen. Für Manhica, die im Juli bereits bei der U21-WM in Nanjing teilgenommen hat, ist die WM eine Chance, sich zu entwickeln. „Aber es ist sehr teuer und kompliziert für uns, an Weltmeisterschaften teilzunehmen“, sagt Macuacua.


Sierra Leone


Beach-Volleyball ist eine der populärsten Sportarten in Sierra Leone. „Inzwischen ist es der erfolgreichste Sport in unserem Land“, sagt Sorie Kamara. Zum ersten Mal in der Geschichte haben sich mit Abu Bakarr Kamara und Patrick Lombi zwei Beach-Volleyballer aus Sierra Leone für eine WM qualifiziert. Im April dieses Jahres erhielt Sorie Kamara als Beach-Volleyball-Direktor des Volleyball-Verbandes Sierra Leone eine Auszeichnung für seine Arbeit im Hinblick auf die Entwicklung des Sports in Sierra Leone.

Die beiden Spieler sind erst 21 Jahre alt und haben sich über den Africans Nations Cup für die WM qualifiziert. Seit 2012 spielen sie zusammen und haben bereits an zwei U21-Weltmeisterschaften teilgenommen, sonst aber keine internationale Erfahrung. Auch deshalb wollte Sorie mit seinen Spielern schon am 25. Juni nach Österreich kommen und vor der WM einen Monat dort trainieren.

„Der Plan war, besonders die Annahme der Jungs noch weiter zu entwickeln, indem sie mal Aufschläge von international erfahrenen Teams annehmen müssen“ erklärt Sorie. Stattdessen wartete er wochenlang auf das Visum. „Die Regierung hat versucht, uns zu helfen, aber die Botschaft muss ihren eigenen Regeln folgen, daher hatten wir keine Möglichkeit, diesen Vorgang zu beschleunigen“, klagt Sorie.

Das Visum erhielt das Team schließlich erst am Dienstag vor der WM, angekommen sind sie am Donnerstag früh, da der für Mittwoch geplante Flug inzwischen überbucht war. Der offizielle Einmarsch der Teams fand daher ohne Sierra Leone statt, zu ihrem ersten Spiel gegen die Olympiazweiten Nicolai/Lupo (0:2, 7:21, 8:21) am Freitag waren sie aber rechtzeitig da.


Ruanda

Das gilt für Ruanda nicht. Der Flug von Denyse Mutatsimpundu/Charlotte Nzayisenga hatte Verspätung, dadurch verpassten sie ihre Anschlussflüge und somit ihr WM-Auftaktspiel gegen Maria Antonelli/Carol am Donnerstag. Das Spiel wurde 2:0 für die Brasilianerinnen gewertet, ein Ergebnis, dass ziemlich sicher auch bei Teilnahme der Afrikanerinnen in der Statistik gestanden hätte.

Mutatsimpundu/Nzayisenga sind das erste Team überhaupt, dass sich aus Ruanda für eine Beach-WM qualifiziert hat. „Bei uns kommen fast alle Spieler aus der Halle, wir haben nicht einmal einen Verband für Beach-Volleyball“, erklärt Denyse Mutatsimpundu. Sie hat mit Beach-Volleyball angefangen, weil es ihr Spaß macht und die Chancen größer sind, sich für internationale Wettbewerbe zu qualifizieren als in der Halle.

In 2011 implementierte der Weltverband FIVB die Continental Cup Qualifiers, um den Sport in allen Ländern der Welt populärer machen. Dadurch konnten afrikanische Teams sich erstmals für Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften qualifizieren, ohne auf der FIVB World Tour zu spielen. Seitdem ist die Anzahl afrikanischer Teams stetig gestiegen.

2011 waren es nur zwei, 2015 waren es sieben Teams aus sieben Ländern, in diesem Jahr sind in Wien sogar schon neun Teams aus sieben afrikanischen Ländern dabei. Mithalten können sie nicht. „Die Länder müssen sie auf der World Tour starten lassen, damit sie langfristig Erfahrung sammeln“, findet Tim Simmons, FIVB Media Delegate. Dafür fehlen aber in vielen Ländern die Mittel – noch.


Kenia

„Die Menschen in Afrika haben den Sport durch die Continental Cup Qualifiers kennengelernt und außerdem verstanden, dass Beach Volleyball sogar leichter zu etablieren ist als Hallen-Volleyball“, sagt Sammy Mulinge. Schließlich braucht nur zwei Spieler und weniger Material. Mulinge ist der Trainer des kenianischen Duos Gaudencia Makokha (24) und Naomi Too (25). Er konnte nicht mit nach Wien fliegen, für seine Reise reichten die finanziellen Mittel nicht. „Das Wichtigste ist, dass die Spielerinnen da sind“, sagt er.

Die beiden Athletinnen haben 2013 schon einmal an der U23-WM in Polen teilgenommen und den 25. Platz erreicht, jetzt spielen sie zum ersten Mal bei den Großen mit. „Das ist eine tolle Möglichkeit und eine Ehre mit den besten Spielern der Welt konkurrieren zu dürfen“, sagt Gaudencia Makokha. „Ich bin unheimlich dankbar und stolz, zur ersten Generation Kenias zu gehören, die an einer WM im Erwachsenenbereich teilnimmt.“

Kenia ist bekannt für ausgezeichnete Individualsportler, besonders im Bereich der Langstreckenläufer. „Beach-Volleyball ist kein Wettkampfsport in Afrika“, erklärt Mulinge.
Aktuell gibt es keineTurnierserie in Kenia. In Mombasa am Strand haben die Athleten gute Trainingsbedingungen. Der Großteil der Beach-Volleyball-Spieler lebt aber in Nairobi, deshalb möchte Mulinge dort gern ein Beach-Volleyball-Trainingszentrum aufbauen.

Dafür braucht er aber finanzielle Unterstützung von der Regierung. „In der vergangenen Dekade hat unsere Regierung den Sport kein bisschen unterstützt“, klagt er. Aus diesem Grund hofft er auf die Präsidentschaftswahlen, die direkt nach der WM am 8. August in Kenia stattfinden. „Vielleicht ändern sich die Dinge mit einer neuen Regierung, die versteht, dass Beach-Volleyball ein großartiger Sport ist“, sagt er. „Wir hoffen, dass wer auch immer gewinnt, den Sport in Kenia auf das nächste Level bringt“, sagt Gaudencia Makokha.


Iran

Rahman Raoufi ist ein erfahrener Volleyballspieler. Der 39-Jährige spielte mit dem bekannten iranischen Hallen-National-Zuspieler Saeid Marouflakrani im selben Klub und in der Junioren-Auswahl. „Beach-Volleyball spiele ich auch schon seit 15 Jahren, aber wir durften nie auf der FIVB World Tour spielen“, sagt er.

Seit zwei Jahren gibt es einen neuen Präsidenten beim iranischen Volleyball-Verband, seitdem ist Iran Veranstalter des World Tour Turniers auf der Insel Kisch und die Spieler bekommen die nötige Unterstützung.

Raoufi und Bahman Salemiinjehboroun (28) haben auf der FIVB World Tour bereits acht Turniere gemeinsam bestritten, die beste Platzierung gelang ihnen vergangenen Woche mit der Bronzemedaille beim Ein-Stern-Turnier in Agadir. Von dort flogen sie direkt nach Wien. „Die Medaille liegt jetzt im Hotelzimmer“, sagt Raoufi strahlend. Dass er mit 39 Jahren seine erste Weltmeisterschaft bestreitet, fühlt sich für ihn immer noch ein wenig unwirklich an.

Er und Salemiinjehboroun haben es über die asiatische Kontinentalqualifikation zur WM geschafft, sie sind das erste Team aus dem Iran, dass bei einer WM teilnimmt. Beim ersten Spiel wurden die beiden direkt in den Hexenkessel Center Court geworfen, wo etwa 6.000 Fans das österreichische Top-Team Doppler/Horst anfeuerten, dem die Iraner 19:21, 15:21 unterlagen. „Das war eine Wahnsinnsatmosphäre“, sagt Raoufi.

In Zukunft hofft er, dass sich Iraner über die Weltrangliste für so ein Großereignis qualifizieren können. Das Land rüstet auf. „Unser Fokus liegt auf den Olympischen Spielen in Tokio 2020, vielleicht bekommen wir jetzt auch einen brasilianischen Trainer“, verrät Raoufi. Ob er selbst in Tokio noch dabei ein wird, möchte er noch nicht beantworten. „Mal sehen, ob mein Körper mitmacht.“

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