DM Timmendorf Herren: Erdmann/Matysik im Gold-Glück

Deutsche Meisterschaften Timmendorfer Strand, 28. - 31.08. 2014

Das ist Timmendorf. Wahnsinn. Wow! Was für ein Finale! Erdmann/Matysik entreißen in einem spektakulären Endspiel Fuchs/Kaczmarek die Goldmedaille und den Titel des Deutschen Meisters. "So etwas Spannendes habe ich noch nicht erlebt", so Olympiasieger Jonas Reckermann anerkennend.

Danke Timmendorfer Strand

Mit dem krönenden Abschluss eines spektakulären Männer-Finalspiels geht die 22. Deutsche Meisterschaft zu Ende. Karla Borger/Britta Büthe und Jonathan Erdmann/Kay Matysik sind die Deutschen Meister 2014. Diese beiden Teams konnten sich gegen starke deutsche Konkurrenz durchsetzen. Festzuhalten ist, dass das Niveau in Deutschland unfassbar hoch ist. Insgesamt 32 Teams zeigten an der Ostsee ihr ganzes Können und begeisterten mit noch variablerer und athletischerer Spielweise. Die Zuschauer in der Ahmann-Hager-Arena bekamen Unterhaltung vom Feinsten geboten. 

Nun ist die deutsche smart beach tour beendet. Auf europäischer Ebene geht es mit dem CEV-Satellite in Stuttgart (11.-14. September) weiter. Die deutschen Top-Teams schauen bereits mit einem Auge auf das FIVB Grand Slam im brasilianischen Sao Paolo (23.-28. September).

=> Aktuelle Infos und Fotos findet Ihr auch auf unserem Twitteraccount

=> Expertentipps: Wer wird Deutscher Meister?

=> Hier geht es zur gesamten DM-Übersicht

 

Gänsehaut, Dramatik und Glück

Sie hatten die Silbermedaille schon fast um den Hals, doch mit einem spektakulären Finish holen sich Jonathan Erdmann und Kay Matysik den Deutschen Meistertitel zurück, den sie im letzten Jahr hatten abgeben müssen. Zwei Matchbälle hatten Fuchs/Kaczmarek, doch eine Abwehr Matysiks und die Blocks von Erdmann wehrten die Sensation ab, brachten Gold für die Berliner und ließen untröstliche Fast-Meister zurück. 

"Wir hatten den Titel auf der Hand, führen 14:12 bei eigener Annahme, und dann machen wir das nicht", sagte ein trauriger und untröstlicher Sebastian Fuchs, "das ist einfach bitter, ich habe Tränen in den Augen. Vielleicht freuen wir uns in ein paar Tagen über die Silbermedaille, aber jetzt ist es einfach bitter."

Finale: Erdmann/Matysik vs. Fuchs/Kaczmarek 2:0 (21:19, 19:21, 18:16)

Thomas Kaczmarek/Sebastian Fuchs und Jonathan Erdmann/Kay Matysik lieferten ein Wahnsinnsspiel ab und brachten die Ahmann-Hager-Arena zum Kochen. Ein würdiges und hochdramatisches Finale. Spannender hätte es in keinem Drehbuch stehen können.

Die Deutschen Meister von 2012, Erdmann/Matysik, gingen mit 21:19 in Führung, doch Fuchs/Kaczmarek gaben in Runde zwei noch mehr Gas. Fünf Blocks gingen auf das Konto von einem überragenden Sebastian Fuchs. Auch Kacze glänzte in der Abwehr und holte Bälle, die eigentlich nicht zu holen waren. Da war für Erdmann/Matysik einfach nichts zu machen. Zu recht ging der zweite Satz an die Herausforderer.

Das Tiebreak hatte es mächtig in sich. Fuchsmarek dominierten anfangs das Geschehen, zauberten in allen Spielelementen. Erdmann/Matysik konnten höchstens reagieren und nicht wie erwartet das Spiel bestimmen - und dann kam die Tragik ins Spiel. Fuchsmarek nutzten drei Matchbälle nicht und brachten durch ihre Vorsicht im Sideout ihre Gegner wieder ins Spiel. Mit zwei Blocks am Ende des Tiebreaks gegen Kaczmarek sicherte Jonathan seinem Team den Titel. Und Kay zeigte sogar Emotionen, was sonst sooft vorkommt wie Palmen am Ostseestrand. "Zum ersten Mal in dieser Saison wahrscheinlich", so der Abwehrspieler, "irgendwann bringt es nichts mehr, cool zu sein, da muss man die letzten Kräfte noch rausholen."

Tolle Teamleistung

"Es war einfach eine tolle Teamleistung", sagte ein strahlender Jonathan Erdmann, der zum MVP auserkoren wurde, da er sich gegen jede Niederlage sowohl im Halbfinale als auch im Finale gestemmt hatte. "Wir haben uns gegenseitig den Arsch gerettet. Jetzt sind Gefühle da, die wir letztes Jahr vermisst haben, weil wir nicht bei der Deutschen Meisterschaft dabei sein konnten. Die tolle Atmosphäre, die schöne Erschöpfung, das Feiern mit der Familie, guck dir das hier an."

Kay Matysik zeigte sich selbstbewusst: "Ich bin überrascht, dass wir in die Situation gekommen sind, 12:14 zurückzuliegen. Wir hatten die ganze Zeit das Gefühl, wir gewinnen das. Vielleicht war unser Vorteil, dass wir in Timmendorf schon alles erlebt hatten, Halbfinals verloren usw., sodass wir jetzt entspannter mit dem Druck umgehen konnten."

Jetzt heißt es für die Spieler, entspannen, regenerieren. "Zwei-drei Tage ohne Ball und Sand", erzählt Kay, "dann geht es wieder in die Vorbereitung auf den Grand Slam in Brasilien."

 

Spiel um Platz 3, Dollinger/Flüggen vs. Dollinger/Wickler 2:0 (21:12, 21:12)

Klare Angelegenheit im kleinen Finale

"Das war katastrophal, so dürfen wir uns nicht präsentieren", waren die klaren Worte von Armin Dollinger, welcher mit Partner Clemens Wickler seinem großen Bruder Sebastian und dessen Partner Lars Flüggen überdeutlich in zwei Sätzen unterlag.

In der Tat lief da nicht viel zusammen für den 23-jährigen Armin und seinen 19-jährigen Mitspieler Clemens. Die jungen Athleten fanden überhaupt nicht in ihr Spiel, während Dollinger/Flüggen mit jeder Muskelfaser präsent waren und zeigten, dass sie den Sieg wollten. Schlechter Umgang mit Frust auf der einen Seite, Freude und Spaß auf der anderen. "Klar haben wir viele Spiele in den Knochen und haben auch geistig zurück geschraubt, aber das darf einfach nicht passieren." Dass das Duo eher aus der Not entstand und gleich im ersten gemeinsamen Jahr ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft kam und zum Publikumsliebling wurde, konnte Armin keineswegs über die schwache Leistung hinwegtrösten. 

Für Dollinger/Flüggen hingegen ist die Bronzemedaille eine schöne Belohnung nach einer durchwachsenden Saison. „Die hat schlecht begonnen, aber wir sind immer besser reingekommen. Jetzt auf dem Treppchen zu stehen, ist eine schöne Belohnung“, meinte Lars Flüggen, der die Zuschauer im zweiten Satz mit einem Zauberschlag begeisterte: Nach einer Abwehraktion drehte er sich nach dem Absprung um 180 Grad und spielte den Ball mit der Rückhand am Block vorbei ins Feld. „Den hab ich im Training schon zwei, drei Mal probiert und unserem Trainer Daniel (Krug, d. Red.) hab ich den Mal im Spiel versprochen. Das ist der Rosie-Move (Sean Rosenthal aus den USA, d. Red.), den hab ich bei youtube gesehen“, so Flüggen.

 

HF, Fuchs/Kaczmarek vs. Dollinger/Wickler 2:0 (21:18, 21:14)

Fuchsmarek im Finale - Sebastian Fuchs und Thomas Kaczmarek haben eine Medaille sicher und spielen um Gold in Timmendorfer Strand. Für Abwehrspieler Kacze ist es das Turnier der Premieren: Am Freitag gewann er das Zweitrundenspiel, das war ihm in acht Teilnahmen zuvor noch nicht gelungen; danach zog er ins Halbfinale ein, noch nie war er besser als Rang fünf in Timmendorfer Strand; jetzt also Finale gegen Erdmann/Matysik. "Wir haben unsere Erfahrung ausgespielt", sagte Sebastian Fuchs.

Und wenn sie dort mit der gleichen Ruhe und Überzeugung ins Spiel gehen wie schon in der Partie gegen Armin Dollinger und Clemens Wickler, dann dürften sie sich trotz der Außenseiterrolle nicht unwohl fühlen. Denn ihr Spiel ist es, zu wissen, wo die eigenen Stärken sind und sie in den richtigen Situationen einzusetzen - ob das gegen Erdmann/Matysik reicht, bleibt abzuwarten. Im Halbfinale konnten sie sich auf die Fehler ihrer Gegner verlassen. „Das stimmt, wir haben zu viele Eigenfehler gemacht“, erklärte Abwehrspieler Wickler.

Sein Partner Dollinger war unzufrieden: „Gestern haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert, heute haben wir das nicht mehr abrufen können. Das wurmt natürlich, denn wir wollten mehr.“ Und trotzdem, gerade in den Anfangsphasen beider Sätze zeigte das Duo mit gutem Block-Abwehr-Spiel, welches Potenzial in ihm steckt. Clemens hat sich mit seiner Schnelligkeit in der Abwehr schnell zum Publikumsliebling gemausert, seine schüchterne Art tut sein übriges. Auch wenn in der Partie gegen Fuchsmarek schnell die Luft raus war (Dollinger: „Wir haben zwei Spiele mehr in den Knochen“), reicht es vielleicht für eine Medaille.

Somit heißt es um 13:20 Uhr: Zwei Berliner Duos spielen unter sich die Goldmedaille aus. Im kleinen Finale um 12:10 Uhr wird es ebenfalls brenzlich. Dann spielen die Dollinger-Brüder gegeneinander. 


HF, Erdmann/Matysik vs. Dollinger/Flüggen 2:1 (16:21, 21:15, 15:12)

Ein ständiges Abtasten war das Finalmatch zwischen Jonathan Erdmann/Kay Matysik und Sebastian Dollinger/Lars Flüggen. Jeder Spieler wurde mal im Aufschlag angespielt. Immer wieder waren neue Lösungen und Ideen gefragt. Kein Wunder, kennen sich doch die beiden Duos nur allzu gut aus zahlreichen gemeinsamen Trainingseinheiten. "Man wollte ja auch keinem Ruhe geben", so Abwehrspieler Kay Matysik.

Mit dem 21:17 im ersten Satz für die Herausforderer Dollinger/Flüggen stellte sich die Frage, ob es wohl eine Überraschung geben würde. Schließlich hatten Dollinger/Flüggen bereits beim FIVB Grand Slam in Den Haag dieses Kräftemessen für sich gewonnen. Doch diesmal waren die Favoriten das bessere Duo.

Erdmann/Matysik besannen sich nach der Satzpause wieder auf sich, spielten mit noch mehr Körperspannung und Siegeswillen. Jonathan Erdmann knallte die Aufschläge rein und arbeitete sehr gut im Block. Druck erhöhen, statt leichte Eigenfehler machen, war die Devise. Zudem ging die Taktik, in die Mitte aufzuschlagen, sehr gut auf. Verunsicherung in der Annahme bei Dollinger/Flüggen, einige Bälle spritzten von den Armen weg oder landeten auf der Grundlinie (21:15). 

Im dritten Satz war Kay in der Abwehr zur Stelle und holte so einige Breaks. Joni fügte seine knallharten Aufschläge hinzu. Die Gegner indes vergaben Breakchancen und leisteten sich Zuspielfehler. Mit einem steil diagonalen Angriff verwandelte Blockspieler Jonathan den zweiten Matchball (15:12).

"Solch gute Aufschläge von Dollinger kannten wir noch nicht", erklärte Kay, was die besondere Herausforderung in diesem Match war, "ein bisschen Druck haben wir ja auch, wollen an die Leistung von gestern anknüpfen. Joni hat das aber rumgerissen."

 

In die Mitte aufschlagen

Mit Sonnenschein begann der Tag, doch vor dem ersten Aufschlag ziehen Wolken auf. Den Halbfinalisten dürfte das gleich sein. Sie wollen ins Finale und dann das schaffen, was Karla Borger/Britta Büthe am gestrigen Samstag gelungen ist: den Titel des Deutschen Meisters holen.

"Wir werden viel in die Mitte aufschlagen und gucken, wie sich Sebastian und Lars entscheiden", so Jonathan Erdmann mit einem Schmunzeln, "das sind unsere Trainingspartner aus Berlin, wir kennen uns sehr gut. Ich bin mal gespannt."

=> Aktuelle Infos und Fotos findet Ihr auch auf unserem Twitteraccount

=> Expertentipps: Wer wird Deutscher Meister?

=> Diese Damenteams spielen um den Titel

=> Diese Herrenduos wollen Deutscher Meister werden

=> Hier geht es zur gesamten DM-Übersicht

    beach-volleyball.de Partner

    • Mikasa
    • Schauinsland Reisen
    • Techniker Beach Tour
    • Die Techniker
    • sportwetten.de