Drei Deutsche für die Schweiz

FIVB Open Luzern Vorbericht

Wenn beim FIVB Open in Luzern in der Qualifikation Victoria Bieneck/Julia Großner gegen das Schweizer Duo Dunja Gerson/Tanya Guerra Arias-Schmocker antreten, drücken drei deutsche Trainer den Schweizerinnen die Daumen.

Attraktive Struktur

Nach den Olympischen Spielen 2012 und der Ära von den berühmt-berüchtigten Schweizer Männer-Duos Laciga/Laciga und Heuscher/Heyer stellte sich der Schweizer Volleyball-Verband neu auf. Im nationalen Leistungszentrum in Bern werden seitdem die Top- und Nachwuchsathleten zentral gefördert. Die Arbeit mit den Athleten ist nachhaltig angelegt. Auch über Rio 2016 hinaus. Es geht vorrangig um die persönliche und sportliche Entwicklung der Spieler. Mittel- und langfristig sollen aber natürlich auch Medaillen folgen. Straffen, strukturieren und die besten Trainer zusammenholen. Darunter die drei aus Deutschland: Christoph Dieckmann, Florian Karl und Sportpsychologe Lothar Linz.

"Die Zentralisierung und die langfristig angelegt Arbeit ist ein Konstrukt, das mir extrem viel Spaß macht und zu meiner Trainerphilosophie passt", erklärt Christoph Dieckmann, einst weltklasse Blockspieler, und einer der prägendsten Beach-Volleyballer in Deutschland, "da kann ich auch ruhig für meine Kollegen Florian und Lothar sprechen."  Dieckmann erklärt weiter: "Es entspricht mir mehr, mit Athleten zu arbeiten, die Anfang 20 und noch nicht komplett fertig sind. Gerade im Bewegungslernen und im technischen Bereich kann ich somit meine Stärken einbringen. Es ist natürlich eine andere Art der Arbeit als mit einzelnen Teams, wo es um die schnellen Erfolge geht." 

Die zentrale Struktur, die der Schweizer Verband gewählt hat, und die guten Rahmenbedingungen reizten auch den jungen Trainer Florian Karl und den im Beach-Volleyball etablierten und namhaften Sportpsychologen Lothar Linz. 

"Die Struktur in Deutschland gleicht eher einzelnen Inseln", sagt Dieckmann, "jedes Team kämpft für sich und versucht, sich etwas aufzubauen. Das war bisher auch gut so. Wenn die Teams die Möglichkeiten haben, sich mit Sponsoren- und Preisgeldern das adäquate Umfeld zu schaffen, dann ist das in Ordnung. Die Frage ist nur, wie lange das so noch möglich ist, denn die Leistungsdichte in der Weltspitze wird immer stärker."

Auch Polen, Russland, Italien, die Niederlande haben bereits die zentrale Struktur gewählt. Bestrebungen der Zusammenarbeit gibt es teilweise in Deutschland auch schon. Die Teams teilen sich oftmals einen Trainer oder nehmen einen gemeinsamen Physiotherapeuten mit in Trainingslager oder zum Turnier. 

Auch für Deutschland denkbar

Der Vize-Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, Dr. Andreas Künkler, hält das Konzept der Zentralisierung auch für Deutschland denkbar: "Einige Nationen machen es vor, dass die Zentralisierung funktioniert. Italien, die Niederlande, Polen beispielsweise waren vorher nicht so erfolgreich wie nach der Umstrukturierung. Überlegungen und Diskussionen in diese Richtung gibt es auch in unserer Verbandsspitze, aber von einem konkreten Zeitpunkt für die Umstellung oder konkreten Konzept sind wir weit entfernt. Die Kleinteamstruktur ist momentan für Deutschland noch besser."

Künkler erläutert, dass drei Faktoren für die Zentralisierung entscheidend sind: die Landgröße, die politische Struktur und der wirtschaftliche Background. "In einem Land wie die Schweiz ist es natürlich logistisch einfacher, die Athleten an einem Ort zu versammeln. Innerhalb ein-zwei Autostunden kann jeder das Trainingszentrum erreichen. Das ist in Deutschland anders. Für Russland passt das Konzept auch, trotz der Landgröße, denn dort wird ein sozialistisches System seit Jahrzehnten gepflegt. Wer Beach-Volleyball spielen möchte, muss nach Anapa kommen, ansonsten hat der Athlet einfach Pech gehabt. So arbeiten wir in Deutschland nicht. Schließlich muss ein siebenstelliger Betrag vorhanden sein, um die Infrastruktur, das Personal, die Teams, die Reisekosten etc. bewältigen zu können."

Für Trainer ist die Zentralisierung jedenfalls sinnvoll und weniger riskant. In der Schweiz werden sie mit unbefristeten Verträgen versehen. Zudem ist die Arbeit nicht an die Karriere von nur einem Team gebunden. "Wenn ein Team wie Brink/Reckermann innerhalb eines Jahres ihre Karriere aufgeben, dann kann das Team drumherum nur zugucken", verdeutlicht Künkler das Risiko eines Beach-Volleyball-Trainers.  

Es bleibt also spannend. Mit Luzern, dem zweiten FIVB-Event in der Schweiz neben Gstaad, den Major Series, also mit einer Ausweitung des Turnierkalenders, wird die Entwicklung von Beach-Volleyball vorangetrieben. Schauen wir mal, wie sich die Nationen auf die steigenden Anforderungen einstellen werden. Dieckmann betont aber auch: "Ich glaube, es gibt nicht den einen Weg zum Gold. Es finden gerade viele Veränderungen statt, und da muss jedes Land für sich das richtige Konstrukt finden."

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