Ein Klimaschutz-Projekt im (Beach-)Volleyball

Play Green

Ein Beach-Volleyball-Verein und ein Hallen-Bundesligist starten ein Klimaschutz-Projekt. In „Play Green“ geht es zunächst darum, den CO2-Ausstoß der Auswärtskilometer zu kompensieren. „Dass wir damit nicht die Welt retten können, ist uns bewusst. Trotzdem ist es für uns wichtig, ein lautes Zeichen zu setzen“, sagt Mit-Initiator Dirk Westphal.

Der Sport belastet die Umwelt

Mit der Fähre zum Turnier nach Norderney, mit dem Auto nach Nürnberg oder mit dem Flugzeug zum World-Tour-Event in Brasilien, dann mit dem nächsten Flieger nach China: Beach-Volleyballer sind viel unterwegs, reisen von Ort zu Ort. Dabei wird jede Menge CO2 ausgestoßen. Um diese Auswärtskilometer geht es in einer neuen Kampagne der Hauptstadt Beacher und des Hallen-Bundesliga-Vereins Netzhoppers KW-Bestensee: Mithilfe von Baumpflanzungen und Erstaufforstungsmaßnahmen wollen sie den Ausstoß der Reisen kompensieren.

„Eigentlich ist das keine große neue Idee. Es gibt unterschiedliche Plattformen, bei denen man seine Reisen ausgleichen kann. Wir machen fast dasselbe, aber auf Sportvereine zugeschnitten“, erklärt Patrick Gruhn von den Hauptstadt Beachern. Dafür haben sie die zurückgelegten Kilometer der vergangenen Saison zusammengelegt, sowohl der Beach-Volleyballer als auch der Hallen-Volleyballer, egal ob Landesverbandsturniere oder World-Tour-Events, und beziehen dabei auch die Art des Fortbewegungsmittels mit ein. Sie kamen auf 15 Tonnen CO2, die kompensiert werden sollen. Dafür sammeln beide Vereine mit verschiedenen Aktionen Spendengelder, die in zwei Baumpflanzungsaktionen investiert werden sollen.

„Zuerst möchten wir 100 Bäume pflanzen, wir planen mit Bäumen, die 3 Meter hoch sind und 16 Zentimeter Stammumfang haben. Sie fangen damit ab Tag eins an, CO2 zu binden,“ sagt Dirk Westphal, der als Spieler für beide Vereine aktiv ist und in der anstehenden Saison mit seinem neuen Partner Max Betzien hohe Ambitionen hat. In einem zweiten Schritt soll eine Fläche von 5.000 Quadratmetern im Landkreis Dahme-Spreewald erstaufgeforstet werden. Die Kompetenz dafür geben sie an das zuständige Forstamt ab.

Ein Anfang ist gemacht

„Uns ist bewusst, dass Baumpflanzungen im Vergleich zu anderen Maßnahmen nicht so effektiv sind, und wir das gesammelte Geld auch hätten spenden können“, so Gruhn, „wir wollten aber mit der Symbolik arbeiten und unsere Strahlkraft dafür nutzen.“ Es sei ihnen wichtig gewesen, lokal zu bleiben, damit die Leute sehen, dass in der Stadt wirklich etwas passiere, ergänzt Westphal.

Einweggeschirr, Trikots, Klatschpappen – nicht nur die An- und Abreise der Teams belastet die Umwelt. Der Ausgleich der zurückgelegten Auswärtskilometer soll deswegen nur ein Anfang sein. „Dass wir damit nicht die Welt retten können, ist uns bewusst. Trotzdem ist es für uns enorm wichtig, ein lautes Zeichen zu setzen und die mediale Aufmerksamkeit, die man als Profi bekommt, zu nutzen, um wichtige Themen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu bringen“, sagt Westphal. Wie es im Anschluss weitergeht, ist noch offen. Gruhn betont: „Es geht jetzt erst einmal darum, Erfahrungen zu sammeln, eine Signalwirkung zu erzielen und Aufmerksamkeit zu schaffen.“

Mit der ersten Resonanz sind beide Vereine mehr als zufrieden, verschiedene Stellen hätten Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Schon jetzt sind viele verschiedene Aktionen geplant, die Netzhoppers wollen bei ihren Heimspielen Spenden sammeln, haben dafür beispielsweise Workshops mit ihren Spielern organisiert und einen Sponsor mit ins Boot geholt, der für jedes Aufschlags-Ass eine feste Summe investiert. Letzteres wird es bei den Beachern ebenfalls geben, die für jeden Podiumsplatz belohnt werden. „Wir sind gleichberechtigte Partner, jeder trägt seinen Teil bei“, sagt Gruhn. „Es soll sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison ziehen.“

Gemeinsam stärker

Zusammen statt immer nur allein: Das ist auch das Motto der Hauptstadt Beacher. Insgesamt werden sechs Teams – vier Herren-Duos und zwei Damen-Konstellationen – für den Verein an den Start gehen, der ein besonderes Konzept verfolgt. 2017 gegründet, gelten die Hauptstadt Beacher als erster professioneller Beach-Volleyball-Verein Deutschlands.

„Wir waren eine handvoll Leute, die in der zweiten Liga des deutschen Beach-Volleyballs unterwegs waren und damit in einer Situation waren, in einer Sportart relativ erfolgreich zu sein, aber jeden Sommer finanziellen Verlust hinnehmen zu müssen“, erklärt Patrick Gruhn. „Die ursprüngliche Intention war es, diesen Personen eine finanziell sorgenfreie Saison zu ermöglichen.“ Er als langjähriger Hallen-Volleyballer habe nie verstanden, warum Beach-Volleyball-Spieler immer nur für sich arbeiten, sagt Westphal, der genauso wie Gruhn Gründungsmitglied war. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass es auch anders geht und man als Team stärker ist.“

Um die Kosten, die professioneller Beach-Volleyball mit sich bringt – ein Trainer will bezahlt, Felder gebucht werden –, zu minimieren, teilen sich alle Spieler des Vereins einen Cheftrainer, einen Arzt, einen Physiotherapeuten, einen Ernährungsberater und Sponsoren, es gibt einen festen wöchentlichen Trainingstermin. Die Struktur erinnert an einen Halle-Verein. „Gerade das Team um das Team ist ein großer Vorteil. Alleine wäre das deutlich kostspieliger und mit größerem organisatorischen Aufwand verbunden“, bekräftigt Westphal.

Auch Hobbyspieler können Teil des Vereins sein

In dieser Saison gibt es zwei neue Mitglieder im Profiteam: Neben Max Betzien ist auch Niclas Rudolf zum Verein dazu gestoßen, der mit Lucas Mäurer – Westphals bisherigem Partner – zusammenspielen wird. Insgesamt sind die Hauptstadt Beacher damit auf 76 Mitglieder angewachsen, auch, weil sie seit 2019 ebenfalls im Amateurbereich aktiv sind, Workshops angeboten und Turniere organisiert haben.

In Zukunft möchten sie wöchentliches Training anbieten und erwarten deswegen weiteres Wachstum. „Wir wollen, dass Beach-Volleyball für jedermann zugänglich ist. Wir sind aber alle gleichberechtigte Mitglieder“, betont Gruhn, „wir sind keine Dienstleister, wir wollen eine gemeinsame, kreative Kultur schaffen.“ Daher sind die Mitglieder aufgefordert, proaktiv am Vereinsleben mitzuwirken. Und sich zum Beispiel in der „Play Green“-Kampagne zu engagieren.

→ Lesetipp: Beach-Volleyballer sagt Plastikmüll den Kampf an

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