Eine brutale Perspektive

Techniker Beach Tour Münster

Simon Pfretzschner und Filip John sind gerade einmal 17 Jahre alt, haben bei der Techniker Beach Tour in Münster aber dennoch gezeigt, warum sie derzeit zu den größten Talenten in Deutschland gehören – im Sand und in der Halle.

Eine Geldwette mit den Bundestrainer

Kay Matysik hatte am Ende wahrscheinlich gemischte Gefühle, wenn Simon Pfretzschner zum Aufschlag ging. Der Junioren-Bundestrainer hatte mit seinem Athleten vor dem Turnier der Techniker Beach Tour in Münster eine Geldwette abgeschlossen: Bei jedem Pfretzschner-Ass würde er in die Geldbeutel greifen müssen. Ein sinnvolles Hintertürchen hatte sich Matysik eingebaut, Pfretzschner und sein Partner Filip John, beide erst 17 Jahre alt, müssen das Spiel gewinnen, damit die Asse in die Wette einfließen.

Von daher zählten die vier Pfretzschner-Asse, die er im Achtelfinale gegen seinen zwei Jahre älteren Bruder Lukas und dessen Partner Robin Sowa erzielte, in dieser Hinsicht nicht – Pfretzschner/John verloren knapp mit 1:2 und beendeten das Turnier auf Rang neun. Dennoch hat der Auftritt der beiden Joungstars für einige Furore gesorgt.

Die Routiniers Paul Becker und Jonas Schröder beispielsweise, immerhin Dritte der deutschen Rangliste, mussten in ihrem Auftaktspiel gegen das Wildcard-Duo an ihre Grenzen gehen. „Die beiden haben eine brutale Perspektive“, sagt Becker, der am Ende im Tiebreak gewann. Im zweiten Gruppenspiel gegen die Wolf-Brüder gewannen Pfretzschner (5 Asse) und John erstaunlich souverän.

Mit bis zu 109 km/h in der Spitze hämmerte der sprunggewaltige Pfretzschner die Aufschläge über die Netzkante, versenkte seine Angriffe im gegnerischen Feld mit einer für sein Alter ungewöhnlichen Schlaghärte; sein 2,07 Meter großer Partner Filip John überzeugte mit einer für seine Größe erstaunlichen Beweglichkeit und eleganter Technik. Und das, obwohl sie gerade mal seit zwei Monaten im Sand trainieren.

Europameisterschaft im Sand, Weltmeisterschaft in der Halle

Zuvor waren die beiden Talente im Hallen-Volleyball bei der Berliner Talenteschmiede VC Olympia aktiv – sie kommen in den Genuss einer kombinierten Volleyball-Ausbildung auf hohem Niveau, sind Nationalspieler in beiden Sportarten. Die kommenden Monate sind da schon voll verplant. Bis einschließlich zur U20 Europameisterschaft in Göteborg Ende Juni bleiben sie beim Beach. Im Anschluss geht es für Pfretzschner und John wieder zurück in die Halle, Ende August steht die U19 Weltmeisterschaft an, bei der sie ebenfalls eine Schlüsselrolle in der Nationalmannschaft einnehmen sollen.

Diese Doppelbelastung können die jungen Athleten nicht auf Dauer fahren. „Bis zum Ende des Jahres müssen wir uns zwischen Beach und Halle entscheiden. Beziehungsweise müssen wir entscheiden, worauf wir uns fokussieren“, sagt John. Entscheiden, ob sie eine Karriere als Hallen-Volleyballer einschlagen, oder im Beach-Volleyball nach oben streben.

Bei John, der bei dem Gold-Erfolg der U18 Europameisterschaft in der Halle als bester Diagonalspieler hervorstach, ist derzeit alles offen. „Ich denke man setzt sich dann mit Freunden und Familie zusammen, wägt ab. Da spielen so viele Aspekte eine Rolle, am Ende wird wahrscheinlich auch das Bauchgefühl eine Rolle spielen“, so John.

Heiß auf Erfolge

Bei seinem Partner scheint es, dass er derzeit eher zum Sand tendiert. „Man muss enorm selbstständig sein, viel selbst organisieren. Das macht mir momentan mehr Spaß“, sagt Pfretzschner. „Ich entscheide mich dafür, wo ich denke, dass ich am weitesten komme; am meisten Spaß habe und heiß auf Erfolge bin.“ In Berlin bleiben sie jedenfalls so lange, bis sie ihr Abitur abgeschlossen haben.  
Dort wohnt Pfretzschner im Sport-Internat gegenüber von seinem älteren Bruder Lukas, der mit seinem Partner Sowa derzeit das Perspektivteam des Deutschen Volleyball-Verbandes ist. Zurecht, wie auch die enorm unterhaltsame Partie zwischen den beiden Duos Pfretzschner/Sowa und Pfretzschner/John im Achtelfinale gezeigt hat.

Und Kay Matysik wird sich wohl überlegen, ob er eine ähnliche Wette nochmal mit seinem Athleten eingeht. In Münster jedenfalls haben Pfretzschner und John den Eindruck erweckt, als würde er diese Wette in Zukunft öfter verlieren.

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