Eine ganz spezielle Aufgabe bei den Special Games

Was macht eigentlich... Katrin Holtwick?

Die Ex-Nationalspielerin Katrin Holtwick hat in Berlin ihr Glück gefunden, privat wie beruflich: Die 36-Jährige bringt ihr Know-how aus dem Beach-Volleyball bei den Special Olympics ein.

Berufliches Glück nach der tollen Karriere

Einst jettete sie rund um den Globus, war auf allen Courts dieser Welt zuhause und sammelte reichlich Erfolge ein: WM-Vierte 2015, EM-Zweite 2010, Grand-Slam-Sieg 2014, Olympia-Neunte 2012, 17 Medaillen auf der World Tour, sieben auf der europäischen Tour und zwei Meistertitel in Timmendorfer Strand 2009 und 2012 – die Liste der Triumphe von Katrin Holtwick und ihrer Partnerin Ilka Niklaus (geb. Semmler) ist lang.

Die Zeiten sind vorbei, 2016 beendeten sie in Timmendorfer Strand ihre Karriere. Dem Sport sind sie verbunden geblieben. Ilka Niklaus ist seit dem Frühjahr Bundesstützpunktleiterin am Olympiastützpunkt in Berlin. Katrin Holtwick fand bereits Anfang 2019 ihr berufliches Glück bei den Special Olympics Deutschland (SOD), die ihren Sitz in Berlin hat. Privat hat sie ohnehin ihr Glück gefunden, seit Jahren ist sie mit Elmar Harbrecht verheiratet, Landestrainer weiblich und Sportdirektor im Brandenburgischen Volleyball-Verband, gemeinsam haben sie ihre Tochter Marla und leben in Berlin-Lichtenberg.

Von Bocholt durch die ganze Welt nach Berlin

Die gebürtige Bocholterin ist längst sesshaft geworden in der Hauptstadt. Bis vor kurzem lag ihr Arbeitsplatz in der Invalidenstraße, vor ein paar Wochen ist die Organisation umgezogen in ein großes Büroraumprojekt in Wedding. Aus einem einfachen Grund: 2023 werden in Berlin die Special Olympic World Games ausgetragen, sozusagen die Weltspiele. Das Organisationskomitee wird bis dahin weiter wachsen, und braucht daher mehr Platz.

Zum OK-Team gehört Katrin Holtwick, für sie ist die Aufgabe beim SOD eine spannende Herausforderung. Zunächst war sie drei Monate als Elternzeitvertretung im Einsatz beim Verband, seit Juni ist ihr Arbeitgeber das lokale OK der World Games bis August 2023. „Ich bin in der Sportentwicklung tätig, mein aktueller Schwerpunkt ist der Aufbau von Strukturen, um Koordinationen mit anderen nationalen Spitzenverbänden zu erreichen.”

Einer davon ist der Deutsche Volleyball-Verband (DVV), für den die Zusammenarbeit über DVV-Sportdirektor Christian Dünnes läuft. Zudem werden Arbeitsgruppen gegründet, um mit den Verbänden die einzelnen Sportarten zu planen. Ein Testlauf für die World Games 2023 sind die Pre-Games und zugleich nationalen Sommerspiele im Jahr zuvor, dann wird der Ernstfall geprobt für die Zeitpläne, die Equipment-Ausstattung, den Einsatz von Helfern.

Erfahrungsschatz aus vielen Profi-Jahren macht sich bezahlt

Ein Aufgabenfeld für Katrin Holtwick ist der Kontakt zum internationalen Verband des Special Games mit Hauptsitz in Washington in den USA, wofür ihre Erfahrung als Beach-Volleyball-Profi hilfreich ist. Aus der Zeit kennt sie Themen wie Technical Manuals von Veranstaltern sowie die inneren Strukturen des organisierten Sports. „Ich habe ja viele große internationale Events miterlebt und kenne die Sachzwänge und Notwendigkeiten.” Durch ihr Studium der Rehabilitationspädagogik ist sie ohnehin sensibilisiert für den Umgang mit Sportlern und Menschen mit Behinderung, aber sicher ist auch ihre offene Art, auf Menschen zuzugehen, ein Argument für diese Aufgabe.

Wie Partner mit Behinderten spielen dürfen

24 Sportarten werden bei den World Games angeboten, eine davon ist Volleyball. Special Games richten sich vorrangig an Menschen mit geistiger Behinderung, die oft einhergehen mit körperlichen Handicaps. Die Special Games verstehen sich als Unified Sport, Menschen mit und ohne Behinderung sollen zusammen Sport treiben. Für Hallen-Volleyball bedeutet das: Sechs gegen Sechs, jeweils drei Athleten mit Behinderung in einem Team, die anderen drei Partner nicht.

Beach-Volleyball wird mit vier gegen vier gespielt, zwei mit, zwei Partner ohne Behinderung. Dabei müssen, um eine Chancengleichheit zu gewähren, die Partner sportlich auf dem gleichen Level spielen wie die drei Athleten mit Behinderung. Observer achten auf die Einhaltung der Regeln und dürfen auch Sanktionen wie Sperren aussprechen, um Missbrauch zu verhindern. Katrin Holtwick dürfte bei den Beach-Volleyballern nicht mitspielen, dafür wäre sie wohl auch heute noch viel zu gut. „Partner mit professionellem Hintergrund sind sowieso ausgeschlossen.”

Aber einem früheren Beach-Profi juckt es natürlich immer in den Fingern. Im März 2019 war sie Delegationsmitglied bei den World Games in Abu Dhabi und war auch für Volleyball verantwortlich. In einer Pause konnte sie es sich erlauben, mal bei den Beach-Volleyballern vorbeizuschauen und hat Wegbegleiter aus früheren Zeiten wieder getroffen. „Das war sehr schön, beispielsweise internationale Schiedsrichter wieder zu sehen.”

Das Regelwerk zu den Sportarten ist auf der SOD-Website zu finden. „Wir richten uns schon nach den internationalen Regularien der einzelnen Sportarten, in die die spezifischen Anforderungen des Behindertensports eingepasst werden”, sagt sie. Bei den World Games in Berlin könnte die Straße des 17. Juni zur Spielstätte für die Beach-Volleyballer werden. Das Gros der Spiele wird auf dem Messegelände am Funkturm stattfinden.

Beach-Volleyball mit Freundinnen tut gut

Privat verfolgt Katrin Holtwick die Beach-Volleyball-Szene nach wie vor sehr intensiv. Im vergangenen Jahr war sie bei der WM in Hamburg, zu ihren besten Freundinnen gehört Nationalspielerin Victoria Bieneck und so oft es Familie und Job zulassen, trainiert sie mit Ilka Niklaus, Julia Großner und Felicitas Bieneck auf einem Court bei Beach-Mitte in Berlin.

„Das brauche ich schon noch”, auch wenn die neuen Aufgaben ihren Alltag bestimmen. „Zeit für Kind und Mann sowie Sport sind mir wichtig.” Wie gut, dass die Zeit als Handelsreisende in Sachen Beach-Volleyball vorbei ist. Jetzt kann sie von zu Hause aus an der Entwicklung ihres Lieblingssports mitarbeiten.

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