Eine Nicht-Qualifikation als Signal?

Continental Cup Finale

Nachdem die deutschen Männer beim Continental Cup ein viertes Rio-Ticket verpasst haben, beginnt im Hintergrund bereits die Suche nach den Ursachen, warum die Männer im Beach-Volleyball von anderen Nationen abgehängt wurden. „Ich glaube, dass das leider noch nicht der Tiefpunkt der Entwicklung ist“, sagt Julius Brink, der Olympiasieger von 2012.

Unsanfte Landung

In den vergangenen Wochen kamen die deutschen Beach-Fans aus dem Feiern kaum heraus. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewannen einen Titel nach dem anderen, die deutschen Frauenteams lieferten sich einen harten Kampf um zwei Startplätze für die Olympischen Spiele, und das Turnier der Swatch Major Series in Hamburg setzte das i-Tüpfelchen auf diese Erfolge. Doch beim Continental Cup wurde Beach-Volleyball-Deutschland unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die deutschen Männerteams verloren im norwegischen Stavanger gleich in der ersten Runde gegen den Außenseiter Ukraine und verpassten es, ein viertes Ticket für Rio zu erspielen.

Damit fährt zum ersten Mal seit 1996 in Atlanta nicht das Maximum von vier deutschen Teams zu den Olympischen Spielen, die in diesem Jahr in Rio de Janeiro ausgetragen werden. „Das ist ein trauriger Tag für den deutschen Beach-Volleyball. Leider hat die negative Entwicklung im Männerbereich nach 2012 heute ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden“, bilanzierte Andreas Künkler, Vizepräsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, nachdem Jonathan Erdmann und Kay Matysik im Tiebreak des entscheidenden Spiels gegen die Ukraine verloren hatten.


Im internationalen Vergleich abgehängt

„Nach dem Olympiasieg 2012 durch Julius Brink und Jonas Reckermann hat man sich zurückgelehnt und gedacht, man hat mehrere gute Teams, die nachfolgen. Das ist aber nicht der Fall“, erzählt Künkler. Reckermann beendete nach Olympiagold seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen, Brink folgte ihm nach einem erfolglosen Intermezzo mit Sebastian Fuchs ein Jahr später. Nun verhält es sich ja so, dass immerhin drei Beach-Duos in Rio dabei sind – die deutschen Basketballer und auch Hallen-Volleyballer können davon nur träumen. Dennoch scheint es derzeit so, als ob Deutschland im internationalen Männer-Vergleich – Böckermann/Flüggen hatten sich auch erst mit dem letzten Turnier qualifiziert – abgehängt wird, aus unterschiedlichsten Gründen.

„Ich glaube, dass das leider noch nicht der Tiefpunkt der Entwicklung ist“, sagt Julius Brink, der Olympiasieger von 2012. „Es gibt Verbände um uns herum, Polen, die Schweiz oder Holland, die das Potential von Beach-Volleyball erkannt und darauf gesetzt haben. Da wurden Gelder investiert; Posten geschaffen; Trainer-Knowhow, oft aus Deutschland, eingekauft und damit gute Voraussetzungen gelegt, um erfolgreich zu sein. In Deutschland sind viele Posten ehrenamtlich besetzt – es ist natürlich gut, dass sich viele engagieren, am Ende brauchst du aber jemanden, der die Hauptverantwortung trägt“, so Brink.


„Wir müssen umdenken“

Die Nicht-Qualifikation eines vierten Teams könnte für den Verband ein Weckruf sein, ein Signal, seine aktuellen Strukturen, die Förderung der Spitzenathleten und die im Nachwuchsbereich zu überdenken. „Wir werden umdenken müssen in der Entwicklung der Spieler, sonst sieht es in vier Jahren noch schlechter aus,“ sagt auch Verbandsvertreter Künkler. Eine grundlegende Analyse der vergangenen vier Jahren wäre angebracht, aber auch ein Blick in die Jahre vor dem 2012er-Olympiaerfolg erscheint lohnenswert. Brink selbst hatte schließlich mit seinem Erfolgspartner Jonas Reckermann Beach-Volleyball stets als Individualsport interpretiert und erlebt, wie man mit einem eigenen Umfeld, in dem von Trainer über den Physiotherapeuten bis hin zur Vermarktung alles individuell aufgestellt ist, arbeiten kann.

Es ist kein Zufall, dass der Architekt der Brink/Reckermann-Erfolge nun mit seinem neuen Team im Frauenbereich ebenfalls zu den Medaillenanwärtern in Rio zählt: Dass das Konzept des Trainers Jürgen Wagner funktioniert, beweist der seit Jahren. Mit Hinsicht auf die aktuellen Probleme im männlichen Bereich findet Wagner: „Ich denke, dass man da grundsätzlich anders arbeiten muss und ich denke, dass wir mit Jonas und Julius grundsätzlich anders gearbeitet haben, als die Teams es jetzt getan haben. Dass diese Arbeit durchaus sinnvoll ist und das auch andere Teams machen können, sieht man jetzt auch an den beiden Mädels.“


Brink kritisiert Einstellung junger Athleten

Für die Zukunft könnte man sich im Beach-Volleyball entweder stärker an dem auf individueller Planung und Durchführung basierten Wagner-Konzept orientieren oder über die Landesgrenzen hinweg schauen: In Polen, Holland und der Schweiz zieht man die besten Athleten des Landes in einem Leistungszentrum zusammen. Zu prüfen, ob eines der Konzepte für Deutschland überhaupt passt, ist nun Aufgabe des Verbandes. Es könnte aber auch schon an grundlegenderen Dingen scheitern, wie Julius Brink erläutert.

„Unter den jungen Athleten gibt es gerade eine unfassbar hohe verletzungsbedingte Ausfallquote, das ist nicht normal, da muss man sich fragen, wie das kommt. Die Athleten verpassen in einer so wichtigen Phase wichtige Trainingsarbeit“, so Brink. „Wenn es dabei bleibt, habe ich wenig Hoffnung, dass sich in Zukunft etwas ändert. Einigen Athleten spreche ich die Bereitschaft ab, dem Erfolg alles unterzuordnen. Nur sehr wenige betreiben den Sport wirklich professionell – und damit meine ich hauptsächlich die Einstellung.“ Sollte dem tatsächlich so sein, so wäre der Verband auch an dieser Stelle gefordert und müsste einen Weg finden, regelmäßig den Einsatz seiner Fördergelder auch unter diesen Gesichtspunkten zu prüfen.

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