Entwicklung mit Tränen und Händchenhalten

smart super cup Hamburg

Manchmal muss ein Trainer auch Händchen halten. Wenn Athleten eine bittere Enttäuschung erlebt haben, ist erst einmal emotionale Aufbauarbeit angesagt. So erging es Olympiastützpunkt-Trainer Leonard Waligora aus Berlin mit seiner Spielerin Kim Behrens.

Bittere Tränen

Kim Behrens, 23, war in Tränen aufgelöst. Sie konnte nicht fassen, was ihr da passiert war. Gleich zu Beginn des smart super cups in Hamburg erlebte sie den Beach-Volleyball-Sport von seiner bitteren Seite. Dass das Match mit 22:24 im Tiebreak verloren wurde, konnte sie sich nicht verzeihen. Schließlich hatte sie zwei Matchbälle gegen Anna Behlen/Anika Krebs auf der Hand – gute Abwehr, frei am Netz und doch ins Aus geschmettert. Sie hatte einen Elfmeter ohne Torwart verschossen – so glasklar waren die Chancen. "Sie war sehr enttäuscht von sich", erklärte Leonard Waligora, ihr Trainer am Olympiastützpunkt in Berlin, "gerade ihr, die solche knappen Situationen sucht und liebt, passiert das."

Sportlicher Umgang mit Enttäuschungen

Doch wie geht man als Athlet und Trainer mit solchen Situationen um? So eine Enttäuschung gilt es innerhalb kürzester Zeit zu verdauen, denn die nächsten Gegner warten schon. Waligora weiß es. Erster Schritt: individuelle emotionale Verarbeitung. "Die Emotionen, wenn sie echt sind, sollen ruhig gezeigt werden", sagt Waligora, der solche Situationen auch als früherer Spieler auf der deutschen Tour kennt. Kim Behrens hat ihre Enttäuschung und Traurigkeit ganz deutlich mit Tränen gezeigt. Als Nächstes ist es wichtig, wieder als Team zusammenzukommen, das Erlebte zu besprechen und den Fokus auf das Positive im Spiel zu richten.

Und das gab es zuhauf: Einen sicher geglaubten Matchball bei 14:13 zu verhauen, hat dieses Team nicht zum Einknicken gebracht. Kim Behrens und Nadja Glenzke kämpften weiter, hielten zusammen, bewiesen Mut. In dieser Phase der Verarbeitung heißt es zudem auch, eine "vorwärtsgerichtete Anweisung für die nächste sportliche Aufgabe" zu geben. In diesem Beispiel: Wie gehe ich mit Punktsituationen um? Manchmal ist es notwendig, noch einmal individuell mit der Athletin zu sprechen, ihr auch noch einmal fünf Minuten für ihre Wut zu gewähren – und eben auch mal die Hand zu halten. "Es ist ganz viel Empathie gefragt, wie man den Athleten in so einer Situation auffängt und aufbaut, jeder Sportler reagiert anders. Für mich als Trainer heißt es zu gucken, warum der Sportler so reagiert, wie er reagiert", so Waligora, "über die Handberührung wollte ich Kim greifen, ihre Aufmerksamkeit sicher stellen."

Ein weiterer Tipp des Stützpunkttrainers ist die neue Bewertung der Situation. So geht es bei diesen beiden Nachwuchsspielerinnen um die längerfristige Entwicklung, und dafür ist solch eine bittere Enttäuschung ungeheuer wichtig. Nur wer das wirklich erlebt, kann lernen, damit umzugehen, um als Spieler und Persönlichkeit zu wachsen.

Favoritenstürze in Hamburg

Mit bitteren Enttäuschungen mussten nicht nur Behrens/Glenzke am heutigen Wettkampftag umgehen. So haben die internationalen Favoritenteams Ben Saxton/Chaim Schalk aus Kanada und Ana Gallay/Georgine Klug aus Argentinien in der zweiten Runde verloren. Saxton/Schalk unterlagen dem neu gegründeten Duo Manuel Lohmann und dem "alten Hasen" Marcus Popp. Lautstarke Unterstützung von den Fans, hervorragende Blockarbeit von Popp, gutes Händchen von Lohmann und vielleicht auch die heiße Hamburger Sonne brachten die Kanadier aus dem Konzept (17:21, 21:18, 15:12). Entnervt begab sich der 27-jährige Saxton zur Nachbesprechung. Gallay/Klug unterlagen Ittlinger/Weiland ebenfalls in drei Sätzen (22:20, 20:22, 15:12). Katharina Schillerwein/Cinja Tillmann, Siegerinnen von Münster und Toursiegerinnen 2015, mussten sich dem nach 2014 dem in diesem Jahr wiedervereinten Duo Melanie Gernert/Tatjana Zautys geschlagen geben, welches hier wieder nahtlos an seine erfolgreiche Zeit anzuknüpfen scheint.

Kein Entrinnen

In dieser engen Konstellation aus zwei Spielern ist die Psychologie enorm wichtig. "Es gibt kein Entrinnen, sie können sich nicht verstecken oder ausgewechselt werden", weiß Waligora, "die Athleten müssen da durch. Es ist erfolgsentscheidend, wie man mit Enttäuschungen umgeht. So gewinnt das Spiel um Bronze jenes Team, welches die Enttäuschung über das verpasste Finale am besten weg steckt." Manche Teams können schon Koffer packen, wenn sie in der Loserrunde gelandet sind, manche knicken ein, wenn sie den Matchball verschlagen haben. Bei Kim Behrens scheinen die Tränen und das Händchenhalten geholfen zu haben. Sie und Partnerin Glenzke gewannen das darauffolgende Spiel gegen die stark aufspielenden Kiesling/Klinke.

Ob die Favoritenteams sich auch wieder fangen, wird sich zeigen. Hoffentlich ist in jedem Fall jemand da zum Händchen halten.

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