Erfolg durch eine starke Persönlichkeit

Sportpsychologie

Im Leistungssport sind Winnertypen gefragt. Letztlich geht es um die Medaillen. Doch wie wird man ein Winntertyp? Das geht nur über die Persönlichkeitsentwicklung – das ist der Ansatz der Nachwuchs-Bundestrainerin Silke Lüdike.

Ziel: Starke Persönlichkeiten

Silke Lüdike (46) hat jüngst ihre Beach-Volleyball Athleten Lukas Pfretzschner und Robin Sowa zum U18-Europameistertitel geführt. Und das ist nur eine Medaille von vielen, die sie in ihrer achtjährigen Dienstzeit als Bundestrainerin für den U18/19-Altersbereich beim Deutschen Volleyball-Verband geholt hat. Ihr Erfolgsrezept: "Ich begleite die Athleten dabei, ihre eigene Authentizität zu finden, ihre Persönlichkeit nach Außen scheinen zu lassen", sagt die Trainerin. Auch die talentierte Blockspielerin Sarah Schneider ist begeistert und ihre Augen strahlen, wenn sie auf Silke Lüdike angesprochen wird: "Sie hilft uns, unseren eigenen Weg zu finden. Das kann nicht hoch genug gewertschätzt werden."

Für Lüdike ist gerade im Alter zwischen 12 und 18 wichtig, den Athleten als Begleiter zu begegnen. "Oftmals werden diese jungen Menschen in Systeme gepresst, sie müssen sich anpassen, funktionieren – ob zu Hause, in der Schule oder im Sport – und können dann in ihrer Wahrnehmung verunsichert sein, können nicht sicher spüren, was sie wollen, was ihnen wichtig ist. Doch zu wissen, wer man ist, was für ein Typ man ist, kann eine enorme innere Stärke geben, die selbstbewusst macht und Spiele entscheiden kann." Dass ihre Arbeit fruchtet, bewiesen zuletzt Pfretzschner/Sowa, denen zuvor nicht der Titel zugetraut wurde. Doch die Athleten zeigten sich auf dem Weg zum Titel mental stark, konnten im Halbfinale einen umkämpften Tiebreak mit 19:17 für sich entscheiden.

Lüdikes Konzept wird auch in anderen Sportarten geschätzt. Sie ist als Mentaltrainerin beim Deutschen Golf-Verband im Einsatz und mit ihr als Mentaltrainerin wurden die deutschen Jugend-Golfer in diesem Jahr Vize-Weltmeister. Zudem arbeitet sie mit einem Segler-Team in Kiel und betreute vor kurzem die Junioren-Nationalmannschaft in der Halle bei der U20-Europameistrschaft in Bulgarien.


Good-Better-How: Das innere Gespräch bewusst gestalten

Als Beach-Volleyball-Trainerin, ausgebildeter Mental Coach an der Deutschen Trainer Akademie und  – nicht zu vernachlässigen – Mutter von drei Kindern hat Lüdike viel Erfahrung und auch zahlreiche Tools parat, die sie bei der Arbeit mit ihren Athleten zum Einsatz kommen lässt: Atemtechniken, Visualisierung, Bewegungsabläufe mental durchgehen sind nur einige davon. Einen großen Wert legt sie darauf, dass die Athleten lernen, das innere Gespräch bewusst zu gestalten. "Denn du selbst bist der einzige, der dir etwas bewusst machen kann", so Lüdike, "um dann souveräner wieder aufs Feld zu gehen."

Das innere Gespräch teilt sich in drei Schritte auf.

Schritt 1 GOOD: Was klappt gut? Womit bin ich zufrieden? Wissen, was ich kann und was ich gut gemacht habe. Beispiel: In der Annahme ist meine Beinarbeit gut.

Schritt 2 BETTER: Was möchte ich verbessern? Wo liegen die Herausforderungen? Klar benennen, was ich verändern/verbessern möchte. Beispiel: Das Zuspiel soll einen Meter höher kommen.

Schritt 3 HOW: Wie verbessere ich mich? Was brauche ich dafür? Selbständig oder mit Hilfe Anderer einen Fahrplan zur Verbesserung/Veränderung erarbeiten.

Lüdikes Erfahrung ist, dass die Athleten oft nicht genug Informationen haben, wie sie ihre Handlungen anpassen können, damit sie bessere Ergebnisse erreichen. Die Athleten darin zu trainieren, selbst Lösungen zu finden, ist die tägliche Arbeit im Training. "Wenn sie dann selbst ihre Lösung finden, finden sie auch im Spiel eine Lösung", so Lüdike. Die Athleten werden von der Bundestrainerin durch ihre Fragen dazu motiviert, sich selbst zu reflektieren, sich so besser kennen zu lernen. Wenn die eigenen Informationen für eine Lösung nicht ausreichen, können die Athleten das Feedback von Außen einholen und um Hilfestellungen bitten.

Was steckt dahinter?

  • Positive zielorientierte Formulierung
  • Klar definierte Anweisungen für unser Gehirn
  • Gut geeignet für Trainingsanalyse und Spielanalyse
  • Innere Einstellung beeinflusst unser Handeln und Verhalten
  • positive Gedanken unterstützen unser Handeln
  • Negative Gedanken blockieren und hemmen unser Handeln

Unser Gehirn programmieren mit

  • den wichtigsten und nötigsten Informationen
  • klaren zielorientierten Anweisungen
  • positivem Erfahren (sichern und vertiefen) 
=> Unterbewusstsein
  • den Ergebnissen (Fehler/ Erfolg), die zum Weiterarbeiten nötig sind und als Herausforderung angenommen werden

Beispiele:
"Das war nicht schlecht!"
 =>Besser: "Das war gut!"
"Der Fehler war gerade, dass …! Du musst es … machen!" =>
Besser: "Damit es besser wird, denk daran, es …. zu machen!"
"Springt nicht so früh!
" =>Besser: "Spring später!"

Bleibt Lüdike den deutschen Beach-Athleten erhalten?

Ob U20-EM in Bulgarien im Hallen-Volleyball oder Golf-Weltmeisterschaft in Japan – Lüdike wird von ihren Trainerkollegen aus dem Ausland auf ihre Arbeit angesprochen. "Sie sind beeindruckt, wie wir mental auftreten, wie wir abseits des Courts wirken und fragen, wie wir mit unseren Athleten arbeiten", berichtet Lüdike. Die Athleten über die Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten und damit auch zu sportlichen Erfolgen zu führen, ist Lüdikes Leidenschaft, die sie gern dem DVV zur Verfügung stellen möchte.

Doch ihr Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Und eine Einladung zu Vertragsverhandlungen ist bisher ausgeblieben. "Sie kriegt beim DVV überhaupt nicht die Wertschätzung, die sie verdient", sagt Sarah Schneider. "Es wäre schön, wenn der DVV sich mal meine Arbeit anschauen würde", wünscht sich Lüdike. Eines ist jedoch für Lüdike ganz klar: "Ich bin sehr stolz und dankbar dafür, als Trainerin Deutschlands Talente auf ihrem Weg ein Stück begleiten zu können - ob als Mentaltrainerin oder als Bundestrainerin!"

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